Wenn Helfer selbst an Grenzen stoßen – Von unserer Mitarbeiterin Michaela Neu
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Pflege beginnt oft schleichend. Erst ist da ein Arzttermin, zu dem jemand begleitet werden muss. Dann ein Antrag, der ausgefüllt werden soll. Später kommen Medikamente hinzu, Behördengänge, Hilfsmittel und die Sorge, dass der geliebte Mensch allein nicht mehr zurechtkommt.
Was als Unterstützung beginnt, wird für viele Angehörige irgendwann zum Vollzeitjob. Aus Kindern werden Organisatoren, aus Ehepartnern Pflegekräfte, aus Angehörigen Krisenmanager. Und nicht selten geraten dabei die eigenen Bedürfnisse in den Hintergrund.
Doch wer hilft eigentlich den Menschen, die helfen?
Im Kreis Unna sind es häufig vier Frauen, die genau dort ansetzen, wo Familien nicht mehr weiterwissen. Elke Möller, Stephanie Neumann, Andrea Schulte und Kerstin Schymiczek beraten Menschen rund um Pflege, Entlastungsangebote und Leistungen der Pflegeversicherung.
Denn die Nachfrage steigt seit Jahren. Immer mehr Menschen möchten trotz Krankheit oder Pflegebedürftigkeit möglichst lange in ihrem vertrauten Zuhause bleiben. Was für Betroffene oft ein verständlicher Wunsch ist, bedeutet für Angehörige jedoch häufig eine enorme Belastung.
Dabei geht es längst nicht nur um die eigentliche Pflege.
Viele Familien müssen Pflegegrade beantragen, Hilfsmittel organisieren, Arzttermine koordinieren, Formulare ausfüllen, Wohnräume anpassen und gleichzeitig Beruf, Familie und den eigenen Alltag bewältigen. Die körperliche Pflege ist dabei oft nur ein Teil der Herausforderung.
„Pflegende Angehörige werden gleichzeitig Pfleger, Organisatoren, Antragsteller und emotionale Stütze“, beschreibt eine der Beraterinnen die Situation.
Genau hier setzt die Pflege- und Wohnberatung des Kreises Unna an. Im Severinshaus an der Nordenmauer 18 in Kamen erhalten Betroffene kostenlose und trägerneutrale Unterstützung. Die Beraterinnen informieren über Leistungen der Pflegeversicherung, Entlastungsmöglichkeiten, Hilfsmittel und Wohnraumanpassungen.
Wer nicht nach Kamen kommen kann, findet die Pflegeberatung auch vor Ort. Regelmäßige Sprechstunden werden in Bergkamen, Bönen, Fröndenberg, Holzwickede, Kamen, Lünen, Schwerte, Selm, Unna und Werne angeboten. Damit spannt sich ein engmaschiges Beratungsnetz über den gesamten Kreis.
Dennoch erleben die Mitarbeiterinnen immer wieder, dass viele Angehörige erst Hilfe suchen, wenn sie längst an ihre Grenzen geraten sind.
Dabei existieren zahlreiche Unterstützungsangebote.
Pflegegeld, Tagespflege, Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege oder der monatliche Entlastungsbetrag sollen Familien entlasten. Seit Juli 2025 können pflegende Angehörige für die Verhinderungspflege bis zu 3.539 Euro jährlich in Anspruch nehmen. Hinzu kommen Entlastungsleistungen, Tages- und Nachtpflege sowie weitere Hilfen, die den Alltag erleichtern sollen.
Doch viele Betroffene kennen ihre Ansprüche nicht oder fühlen sich vom Dickicht aus Zuständigkeiten und Fachbegriffen überfordert.
Mit Wegfall der Pflegestützpunkte bei den Krankenkassen ist die Pflegeberatung als unabhängiger Pflegestützpunkt mittlerweile Ansprechpartner für Ratsuchende aus dem ganzen Kreis Unna.
Die vier Beraterinnen erleben täglich, wie groß der Druck auf viele Familien geworden ist.
Besonders deutlich wird das bei Menschen, die Angehörige mit Demenz versorgen. Hier verschwimmen häufig Tag und Nacht. Medikamente, Arzttermine und die Sicherheit des Erkrankten müssen ständig im Blick behalten werden. Gleichzeitig erleben Familien oft schmerzhaft mit, wie sich ein vertrauter Mensch verändert.
Viele Angehörige halten diese Belastung über Jahre aus. Manche verzichten auf Urlaub. Andere reduzieren ihre Arbeitszeit oder stellen eigene Bedürfnisse vollständig zurück. Nicht wenige kämpfen mit Erschöpfung, Schuldgefühlen oder dem Gefühl, niemals wirklich abschalten zu können.
Die Pflegeberaterinnen kennen diese Geschichten nur zu gut. Einige von ihnen sind selbst familiär eingebunden und wissen aus eigener Erfahrung, wie schwierig es sein kann, Pflege, Beruf und Privatleben miteinander zu vereinbaren.
Angesichts einer alternden Gesellschaft dürfte die Nachfrage weiter steigen.
Die Frage lautet deshalb nicht nur, wie pflegebedürftige Menschen künftig versorgt werden können. Die Frage lautet auch, ob diejenigen ausreichend Unterstützung erhalten, die Tag für Tag Verantwortung übernehmen.
Denn Pflege beginnt nicht erst am Krankenbett.
Sie beginnt oft mit einer Tochter, die nachts Formulare ausfüllt. Mit einem Sohn, der zwischen Arbeitsplatz und Arztpraxis pendelt. Mit einem Ehepartner, der seit Jahren kaum noch Zeit für sich selbst findet.
Und manchmal beginnt Hilfe mit einem einzigen Anruf.
Die Pflege- und Wohnberatung des Kreises Unna ist unter der kostenlosen Telefonnummer 0800 27 200 200 erreichbar. Termine können telefonisch vereinbart werden.
Damit aus Belastung nicht Überforderung wird. Und damit diejenigen, die jeden Tag für andere da sind, nicht selbst aus dem Blick geraten.
Service: Hilfe für pflegende Angehörige im Kreis Unna
Die Pflege- und Wohnberatung im Kreis Unna berät kostenlos, unabhängig und trägerneutral zu Pflegeleistungen, Pflegegraden, Entlastungsangeboten, Wohnraumanpassungen und Finanzierungsmöglichkeiten.
Zentrale Kontaktstelle
Pflege- und Wohnberatung Kreis Unna
Severinshaus, Nordenmauer 18, 59174 Kamen
Telefon: 0800 27 200 200
E-Mail: pwb@kreis-unna.de
Sprechstunden der Pflege- und Wohnberatung
Bergkamen
• Gemeindebüro Christuskirche, Rünther Straße 42
Pflegeberatung: jeden 2. Donnerstag im Monat, 10 bis 12 Uhr
• Rathaus, Rathausplatz 1, Raum 600
Pflegeberatung: jeden 3. Donnerstag im Monat, 10 bis 12 Uhr
Bönen
• Familienbüro, Bahnhofstraße 137
Aufsuchende Beratung und Begleitung: jeden 2. Montag im Monat, 14 bis 16 Uhr
• Familienbüro, Bahnhofstraße 137
Pflegeberatung: jeden 4. Montag im Monat, 14 bis 16 Uhr
Fröndenberg/Ruhr
• Familienbüro, Markt 1
Pflegeberatung: jeden 1. und 3. Montag im Monat, 14 bis 16 Uhr
Holzwickede
• Familienbüro, Hauptstraße 28
Pflegeberatung: jeden 2. Montag im Monat, 14 bis 16 Uhr
• Wohnberatung: jeden 4. Montag im Monat, 14 bis 16 Uhr
Lünen
• Ev. Kirchengemeinde, Gemeindebüro, St.-Georg-Kirchplatz 2
Pflegeberatung: jeden 2. und 3. Dienstag im Monat, 9 bis 12 Uhr
• Haus der Caritas, Lange Straße 84
Wohnberatung: jeden 1. Donnerstag im Monat, 14 bis 16 Uhr
Schwerte
• Gesundheitsamt, Kleppingstraße 4
Pflegeberatung: jeden 1. und 4. Donnerstag im Monat, 9 bis 12 Uhr
Selm
• Pfarrheim St. Stephanus, Weiherstraße 7
Pflegeberatung: jeden 1. Dienstag im Monat, 10 bis 12 Uhr
Unna
• Seniorentreff Fässchen, Hertingerstraße 2, 1. Etage
Pflegeberatung: jeden 1. Dienstag im Monat, 14 bis 16 Uhr
• Seniorentreff Fässchen, Hertingerstraße 2, 2. Etage
Wohnberatung: jeden 3. Dienstag im Monat, 10 bis 12 Uhr
Werne
• Familienbildungsstätte, Konrad-Adenauer-Straße 8, Raum 2.1
Pflegeberatung: jeden 4. Dienstag im Monat, 10 bis 12 Uhr
































