Image-Studie 2022 für Unna: Zufriedenheit in allen Bereichen teils stark gesunken – Ein Neuling unter den Minus-Top-5

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Unna ist... gemütlich, aber auch langweilig, hat ein bekanntes Stadtfest und den Esel als Wappentier. Dies waren die meist genannten spontanen Begriffe, die die rudn 2000 Teilnehmer an der neuen Unna-Image-Studie zum Stichwort "Unna" nannten. (Grafik: Institut für Marketingberatung Dortmund)

Unna ist gemütlich, aber auch langweilig, hat tolle Feste und weniger tolle Geschäfte, verfügt über eine gute Erreichbarkeit und deutlich zu wenig Grünflächen.

Und insgesamt war Unna mal deutlich attraktiver.

Die Imagestudie 2022 für die Eselsstadt liegt vor.

Unnas Eselsbrunnen auf dem Alten Markt – Archiv RB
  • Rund 2000 Menschen über 18 Jahren – darunter 18 % Auswärtige – wurden repräsentativ befragt.
  • Die Befragung fand vom 12. August bis zum 5. Oktober 2022 statt.
  • 1555 nahmen online teil, 428 wurden vor Ort an vier Vormittagen/Mittagen in der Innenstadt befragt.
  • Der Anteil der jüngeren Befragten U30 liegt bei knapp 10 Prozent (1,3 % jünger als 20, 9,4 % 20-29).
  • Hingegen macht der Anteil der ab 50-Jährigen fast 55 Prozent aus (22 % 50-59, 20 % 60-69, 12 % über 70).

Das Ergebnis:

Im Vergleich zur letzten Befragung im Jahr 2017 haben sich sämtliche Image- und Zufriedensheitswerte teils drastisch verschlechtert.

Das Stadtmarketing findet das indessen „nicht beunruhigend“ – die deutlichen Negativentwicklungen seien „erklärbar“ und bildeten eher Stimmungen und Wahrnehmungen ab denn tatsächliche Verschlechterungen.

Als eine von wenigen Städten der Region fragt Unna regelmäßig (alle 5 Jahre) in einer wissenschaftlichen Studie das Image und die Zufriedenheit der Bewohner und Besucher ab.

„Damit liegen Politik und Verwaltung verlässliche Informationen über die Wirkung der Maßnahmen und die veränderten Sichtweisen der Bürger vor“, lobte Prof. Dr. Harmut  Holzmüller vom Institut für Marketingberatung an der Technischen Universität Dortmund dieses stringente Vorgehen am Dienstag (17. 1.) bei der Vorstellung der neuen Studie.

Im Zeitraum von 2006 bis 2017 (der bis dato letzten Befragung) hatten sich die Image- und Zufriedenheitswerte stetig verbessert.

„Dieser Trend konnte bei der aktuellen, mittlerweile vierten Erhebung nicht bestätigt werden“,

stellt das Unna-Marketing in seiner Zusammenfassung der Befragungsergebnisse fest.

Bei einer Pressekonferenz erläuterten Prof. Holzmüller. seine Kollegin Professor Vanessa Haselhoff, Marketing-Chef Horst Bresan und seine Kollegin Daniela Guidara am Dienstag die Ergebnisse der neuen Studie.

Dabei suchten sie vor allem auch nach Erklärungen für die doch deutlichen Abwärtstrends bei Zufriedenheit wie Image.

V.li. Marktingchef Horst Bresan, Prof. Vanessa Haselhoff, Rudolf Fröhlich (Aufsichtsrat Stadtmarketing/CDU) und Prof. Dr. Harmut  Holzmüller präsentierten am 17. Januar 2023, die Ergebnisse der fünften Unna-Image-Studie. (Foto Rinke)

„In vielen Bereichen haben sich die Wahrnehmungen und Bewertungen der Bewohner und Besucher verschlechtert“, müssen die Marketing-Verantwortlichen feststellen.

„Diese Einbrüche sind zu großen Teilen aber nicht auf Veränderungen in der Stadt zurückzuführen, sondern den globalen Entwicklungen wie Pandemie, Krieg in der Ukraine und Inflation geschuldet.“

Aus dem Ifo-Konsumentenindex sei bekannt, dass sich die Stimmung in der Bevölkerung generell verschlechtert habe. „Das färbt auch stark auf die Wahrnehmung des Umfelds im Alltag ab. Wissenschaftler nennen das Halo- oder Abstrahl-Effekt.“

Die Pandemie habe zudem viele Kunden „dazu gedrängt, Einkäufe in das Internet zu verlagern“.

„Um diese Abwendung vom Einkaufen in der eigenen Stadt vor dem eigenen Gewissen zu rechtfertigen, werten Menschen die Gegebenheiten vor Ort ab, damit sie gedanklich im Gleichgewicht bleiben.“

In der Wissenschaft nenne man das Dissonanz-Abbau oder Streben nach innerem Gleichgewicht.

„Die Einbrüche der Image- und Zufriedenheitswerte bei der aktuellen Befragung 2022 in Unna können so erklärt werden und sind daher nicht beunruhigend.“

2022 wurden mit der Kombination aus Online- und Passantenbefragung 1.983 Befragte erreicht. Diese seien „minimal gebildeter und besserverdienender“ als bei den 4 Studien zuvor.

  • Fast alle Image-Attribute haben sich verschlechtert.
  • Die Identifikation mit der Stadt ist leicht, Stolz auf die Stadt deutlich gesunken.
  • Die Zufriedenheit mit der Innenstadt hat sich teils massiv verschlechtert (bis auf „Pflasterung“).
  • Die Attraktivität (vor alle Abwechslung und Angebot), Atmosphäre und Zufriedenheit mit Geschäften werden schlechter bewertet – Ausnahme: Wochenmarkt und kleine individuelle Geschäfte).
  • Wie in den früheren Studien sind die Unnaer selbst kritischer als die Besucher.

Kulturelle Angebote sind unterschiedlich stark bekannt (Top sind Stadtfest und Festa Italiana) und werden unterschiedlich stark genutzt.

  • Am meisten genutzt werden Feste sowie Kino/Film/Medienkunst
  • am wenigsten interkulturelle Angebote und solche für Kinder.
  • Tanzveranstaltungen, Ausstellungen/Museen und stadtübergreifende Events sind zwar gut bekannt, werden aber vergleichweise wenig genutzt.

Das Serviceportal der Stadt ist 74 % der Befragten bekannt, 69 % nutzen es; die Mängel-App kennt jeder Zweite, nur jeder Dritte nutzt sie.

Zwei von drei Befragten wünschen sich ein digitales Parkleitsystem und die Parkplatzbezahlung per Smartphone.

Besondere Pluspunkte von Unna aus Sicht der Befragten:

  • Anbindung/Erreichbarkeit,
  • Überschaubarkeit,
  • Altstadt/Marktplatz,
  • Einkaufsmöglichkeiten,
  • Gemütlichkeit.

Die dicksten Minuspunkte:

  • „Billiggeschäfte“/Auswahl an Geschäften,
  • Leerstände,
  • als neues kritisches Thema: das Einkaufszentrum Neue Mühle,
  • wenig Grünflächen,
  • Verkehrsführung und Parken – vergleichbar mit 2011 und 2017).

Die Bilanz des Stadtmarketings schließt mit der selbstbewussten Prognose:

„Die nächste Befragung unter positiveren globalen Bedingungen wird zeigen, dass die Ergebnisse aus 2022 zum überwiegenden Teil ein „Ausreißer“ waren.“

Dennoch liefere die neue Studie „positive wie negative Denkanstöße“.

Wir berichten dazu noch in weiteren Artikeln.


3 KOMMENTARE

  1. An die Marketing-Verantwortlichen gerichtet ist meine Frage: Ist es nicht zu einfach, das gesunkene Image auch noch auf den Krieg und Corona zu schieben und es als Ausrutscher einzustufen? In den letzten Jahren hat die Attraktivität der Einkaufsgeschäfte nachgelassen. Das ist ein nicht schön zu redender Fakt. Etliche attraktive Geschäfte haben geschlossen. Pachten im Innenstadtbereich sind so hoch, dass sich die Eigentümer lieber mit dem Leerstand begnügen – der steuerlich sicher als Verlust absetzbar ist – als die Pacht zu senken. Ich weiß nicht, was sich die Verantwortlichen*innen da vormachen möchten… oder eher uns? Die Meinung wegzureden ist eine verdammt traurige Idee.
    Zur Mühle Bremme: vielleicht sollte man das ganze Gebäude als Parkhaus umbauen, mit ordentlicher Begrünung. Als privater Hausbauer werde ich verpönt, wenn ich mir einen Steingarten anlege. Und was ist die Mühle? Stahl und Beton.
    Zur Verkehrsführung: Wer von den Verantwortlichen Errichtern fährt durch dieses bewusst geplante Tohuwabohu? Dann gäbe es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon die ersten Änderungen.

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