Gauck in Kamen: Tolerieren heißt sich überwinden – Militärische Hilfe und Waffen für Ukraine unerlässlich

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Das Gemeindehaus war gut besucht, die Kamener Hörer zeigten sich sehr interessiert am zweimal verschobenen Besuch des Altbundespräsidenten. (Foto Ev. Kirchenkreis Unna)

Der komplett gefüllte Saal im Gemeindehaus Kamen zeigte: die Besucher der „Kamener Kanzel“ benötigten die eigentliche Kanzel nicht, ebenso wenig der Gast Altbundespräsident Joachim Gauck.

Die Kanzel war nun das Rednerpult, ist doch die echte Kanzel in der Kirche wegen Renovierungsarbeiten nicht nutzbar. Doch auch von hier erreichten die Gedanken und Positionen Gaucks zum Thema Toleranz die rund 250 Besucher.

Joachim Gauck auf der Kamener Kanzel, die bei seinem Besuch in Kamen nur das Pult im Gemeindehaus war. (Foto Ev. Kirchenkreis Unna)

Dem ca. 80minütiem Vortrag, übrigens gänzlich ohne geschrieben Vorlage gehalten, stellt Gauck einen Blick auf Russland und den Krieg in der Ukraine voran. einen ernüchternden Blick auf das Putin-Regime: rechtlos und grenzenlos mit Macht ausgestattet. „So entsteht eine ganze Generation der Unfreien, da viele diesen Zustand für normal halten.“

Noch eindeutiger wird er in der Frage nach dem Schuldigen im Krieg: „All das, was uns wichtig ist, die Freiheit und Demokratie, ist Putin zuwider. All das wollte die Ukraine nun auch. Selten ist in der Politik so klar zwischen Gut und Böse zu trennen, wie in diesem Fall.“

Als Position Deutschlands sei für ihn damit unbestritten nötig: Waffenlieferung und militärische Unterstützung der Ukraine seien unerlässlich.

„Als Christ sage ich: dem Überfallenen am Straßenrand nahe zu sein und zu helfen, dass er zu seinem Recht kommt, das ist christlich.“ 

Den größeren Teil des Abends verbrachte Joachim Gauck mit dem Thema Toleranz. Eingewoben in zahlreiche biografische Erzählungen, von der Kindheit in Rostock über die Zeit als frei gewählter Vertreter der Volkskammer und spätere Leitung der „Gauck“-Behörde und seiner Präsidialzeit, ermutigte er zur der Tugend der Toleranz.

„Er ist ja immer ein überwinden, wenn uns Toleranz abgefordert wird. Sonst ist es Akzeptanz, das ist ja viel leichter.“

Gerade der Umgang mit Menschen, die so anders und fremd denken, zeige sich aber die Toleranz. Aber es gibt auch Grenzen der Toleranz für ihn:

„Es ist eine Tugend, Intolerante abzulehnen.“

Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Kamen. (Foto Ev. Kirchenkreis Unna)

Vor der Lesung war Joachim Gauck eingeladen, sich in das Goldene Buch der Stadt Kamen einzutragen. Bürgermeisterin Elke Kappen begrüßte Gauck und hatte als Geschenk einen Scheck für eine von ihrem Gast zu benennende Einrichtung mitgebracht.

Im Anschluss an die Lesung nutzen viele Besucher die Gelegenheit, eine persönliche Widmung in einem Buch zu erhalten und ein paar Worte mit Gauck zu wechseln. Mit viel Zugewandtheit widmete Gauck sich jedem Gast.

Mit viel Geduld wand sich Altbundespräsident Joachim Gauck nach seinem Vortrag den Besuchern mit Signierwünschen zu. Joachim Gauck auf der Kamener Kanzel, die bei seinem Besuch in Kamen nur das Pult im Gemeindehaus war. (Foto Ev. Kirchenkreis Unna)

In der Reihe Kamener Kanzel stehen nun im zehnten Jahr Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, die mit einer Lesung oder einem Vortrag gesellschaftliche Themen mitbringen.

So waren dort vorher schon Christiane Westermann (Abschied), Dunja Hayali (Demokratie) oder Hellmut Karrasek (Heimat) zu Gast. Die Reihe wird veranstaltet von der Ev. Kirchengemeinde Kamen und dem Ev. Kirchenkreis Unna.

Quelle: Pressemitteilung Ev. Kirchenkreis Unna

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