„Tolles Unna nicht schlechtreden“: Wigants Schelte gegen Neue Mühle-Kritiker irritiert und verärgert

4
1179
Gemeinsames Durchschneiden des roten Bandes bei der Eröffnung des Einkaufcenters "Neue Mühle" am 7. Juli: Bürgermeister Dirk Wigant (3. v. li.) mit dem scheidenden WFG-Geschäftsführer Dr. Michael Dannebom (4. v. li.) und Vertretern der Investorengruppe Ten Brinke. (Foto Rinke)

Durch „einseitige Kritik“ von „Minderheiten“ wird Unna „schlechtgeredet“:

Die Schelte des Unnaer Bürgermeisters an kritische Unnaer Bürger (wir berichteten) sorgte bei Dirk Wigants Ansprache bei der Eröffnung des Einkaufscenters „Neue Mühle“ am Donnerstag (7. 7. 22) für gelinde Irritation.

Viele Zuhörer vor Ort wirkten überrascht, einige schüttelten die Köpfe und lachten, wieder andere nickten auch und klatschten Beifall.

Weitgehend verständnislos reagierte unsere Facebook-Community auf die Bürgemeisterrede, die wir ausschnittsweise auf Video aufnahmen und auf Facebook zur Diskussion stellten.

Neben sich den Projektentwickler der Ten Brinke Group, Peter El-Dessouki, sagte Dirk Wigant:

„Es gibt bei jedem Neuanfang auch kritische Stimmen, die sich mit der Architektur, der Gestaltung des Gebäudes oder mit dem Mietermix des Einkaufszentrums beschäftigen. Dies allein ist noch keine Unna-Besonderheit.

Auch kommt es vor, dass in der Berichterstattung einseitig Minderheiten breiter Raum eingeräumt wird.

Allerdings sind wir in Unna an einem Punkt angekommen, wo wir tatsächlich mal aufpassen sollten, dass wir unsere Stadt nicht schlechtreden. Und damit künftige Investoren in Unna abschrecken.

Unna ist Kreisstadt. Unna ist Mittelzentrum. Wir haben eine Einzelhandels-Zentralitätszahl von 126, das heißt wir ziehen aus dem gesamten Umkreis Menschen an, die hier einkaufen.

Weil wir ein tolle Innenstadt haben. Mit einem umfassenden Angebot an Waren und Dienstleistungen, die es nur gibt, WEIL wir so attraktiv für Auswärtige sind.“

Hier ein Meinungsspektrum unserer Facebook-Community.

  • Thorsten Ullmann:

„Geht es um die Stadt Unna oder um zukünftige Investoren?“

  • Günther Klumpp:

„Wird Unna schlecht geredet? Gute Frage. Andere haben mir hier schon oft vorgeworfen, dass ich Unna schönrede. Und jetzt sieht mich der Bürgermeister in der „Minderheit“, die Unna mies macht – nur weil ich die „Neue Mühle“ und insbesondere die Billiginfrastruktur für Radler kritisiere. Ja was denn nu?“

  • Ma Je:

„Ja, man kann und sollte so große und umfangreiche Projekte wie diese auch kritisch hinterfragen dürfen. Was dabei rauskommt, wenn man es nicht ausreichend macht, sieht man ja. Sag da nur mal das Stichwort neue Verkehrsführung und Begrünung des Großprojekts.

Es wäre ja auch nicht so, dass es in der Innenstadt, die Sie so loben und attraktiv nennen, keinen Leerstand gäbe. Kritik hat nichts mit „schlecht reden wollen“ zu tun. Ja, Unna ist eine „tolle Stadt“ mit gutem Potenzial, aber dieses muss man auch sinnvoll nutzen und weiter ausbauen. Unna braucht keine Skyline wie Frankfurt, sondern eine Innenstadt, die endlich wieder attraktiver wird für Jung und Alt zum Einkaufen, Verweilen und Genießen.“

  • Sven Albert:

„Unna ist attraktiv? Es kommt sicherlich auf die Sichtweise an. Ich wüsste ehrlich gesagt nicht, wann ich zum letzten Mal etwas in der Innenstadt gekauft hätte.“

  • Didi Rossmann:

„Also sollen wir für Investoren unsere Meinung „schön reden oder lügen“. Unna war mal eine Magnet zum Einkaufen und Freizeitunterhaltung. Okay, Stadtfest und Italyfest sind Highlights, aber wo sind andere in Unna?“

  • Volker Viebahn:

„Mit jedem weiteren Abspielen des Beitrages und Abhören der Rede des BM fragte ich mich, über welche Stadt spricht hier der 1. Bürger, doch nicht über Unna, oder? Unna kenne ich schon 73 Jahre. Der Wandel war noch nie so schlecht wie in den letzten Jahren. Diese Rede passt überhaupt nicht.“

  • Brigitte Vonderheide:

„Dabei hat Unna eine so schöne Innenstadt und könnte mit den richtigen Geschäften wirklich einladen.“

  • Tim Traute:

„Er hat in der falschen Form geredet. Unna hatte mal eine schöne Stadt. Unna hatte mal was, das Leute aus ganz Deutschland angezogen hat (Eishalle). Unna war mal attraktiv für Familien. Und Unna hatte mal keine Dummschwätzer im Rat und in der Politik (es gibt jetzt nur noch ganz wenige Ausnahmen).“

  • Manfred Hartmann:

„Unna schlechtreden? Geht es nicht darum, aufzunehmen, zu verstehen, was die Leute sagen. Zeitenwende, sagte Scholz. Wer will, könnte das auch auf die Stadtentwicklung beziehen. Investor Ten Brinke erklärt sich unzuständig für die Begrünung, BM Wigant warnt, Investoren könnten sich abwenden von Unna.

Für wen ist die Stadt da, für Investoren oder für die Menschen, die hier wohnen oder hier hinkommen? Schlechtreden? BM Wigant tritt in alten Pfaden. Politikwechsel? Dafür müssen wir noch etwas kämpfen.“

  • Kevin Pasternack:

„Tolle Innenstadt ja , aber keine vernünftigen Einkaufsmöglichkeiten für Jungs und junge Männer, da ist leider das Angebot viel zu wenig.“

  • Dee Dee Bee:

„Vermutlich ist es für Menschen, die hier aufgewachsen sind und nicht viel rumkommen in Deutschland, in Europa oder noch darüber hinaus, schwierig zu erkennen, woran es – nicht nur in Unna, sondern im gesamten Umkreis hier – hapert: An der Mentalität. Wie der Sprecher in dem Video schon vorträgt, wie er die Leute davor warnt, „etwas schlecht zu reden“… Jeder Wochenend-Rhetoriker weiß, dass positive Absichten nicht durch negative Kommunikation zu den Menschen durchdringen.

Wat ne sauertöpfische Rede insgesamt… Niemand wird einbezogen, schon gar nicht die Leute, die es angeht, furchtbar. Und die kläglichen Versuche, angefangen beim ZIB und seinem unsäglichen „Café“ über die sterile Innenstadt, die auch im Osten der Republik vor ´89 keinen Schönheitspreis gewonnen hätte…

Einzig die Lindenbrauerei, wo sich engagierte Menschen redlich bemühen, ein wenig Style und Flair zu implementieren und sicher wenig bis gar keine Unterstützung aus der Politik erhalten, das Extrablatt als „Rose auf dem Sch***haufen“ inmitten abgeschmackter, nach vorvorgestern muffender Gastronomie und Läden – Ausnahmen wie Hussel bestätigen ja nur die Regel – ansonsten keine Individualität, keine Ecken, keine Kanten, nichts Eigenes und – bedingt dadurch? – Menschen mit schlechter Laune, eine katastrophale Parkplatzsituation rund um die Innenstadt, nichts, was es nicht woanders, wo sich die Städte wenigstens um Erlebnisse für die Familien bemühen, nicht auch gibt.

Meine Empfehlungen an Politiker der Stadt Unna, die mit der Gestaltung der Innenstadt zu tun haben: Intensive Exkurse unter Leitung von erfahrenen, autochthonen Einwohnern in belgische, französische und auch niederländische Städte, um zu schocken und nach Niedersachsen, Franken und Bayern, um `rauszukriegen, wie man´s macht. Beim Ein- oder Anderen könnte ein Licht anfangen zu glimmen… Vorsicht!: Der Post enthält Ironie, Sarkasmus und Provokation, die dazu dienen soll, selbsttätig darüber nachzudenken…😊“

  • Björn Heidrich:

„Diejenigen, die „alles mies und schlecht“ machen oder reden, sind jene Menschen, die den Selbstherrlichen und Belehrungs-/ Beratungsresistenten den Spiegel vorhalten! Es sollte das Ziel eines Verantwortlichen sein, die Stadt attraktiv für alle Generationen zu machen und nicht „nur“ für Investoren. Denn eines haben die Verantwortlichen der letzten Jahre wirklich gut gemeinsam hinbekommen, die Stadt ist kinder-, jugend- und familienunfreundlich und unattraktiv.“

  • Ute Grant:

„Also, ich wohne fußgänging von der Innenstadt 10 Minuten und war gefühlt seit 2 Jahren (außer 1x auf dem Weihnachtsmarkt) nicht mehr in der Stadt, weil mich shoppingmäßig nichts mehr dahin zieht. Für mich und meine Kinder (Teenager) gibt es keine Auswahl, wir kaufen online oder fahren in den Ruhrpark nach Bochum. Das letzte, was wir in Unna gekauft haben, war eine Brille für meinen Mann und das war verbunden mit dem Weihnachtsmarkt im Dezember.“

  • Robert Krause:

„Jeder einzelne Bürger trägt mit seinem Handeln dazu bei, wie der Ruf unserer Stadt in der Öffentlichkeit wahrgenommen wird.
Um ein positive Bild zu vermitteln, müssen wir das Miteinander stärken. Jung und Alt müssen gemeinsam eine lebens- und liebenswerte Stadt gestalten. Um diese positiven Impulse auf den Weg zu bringen, müssen unsere Politiker hilfreiche Rahmenbedingungen schaffen.“

  • Sybille Weber:

„In jeder Stadt gibt es Menschen, die alles mies machen. Aber in Unna ist das wirklich extrem, wie ich finde.“

  • Jennifer Franke:

„Ja man kann hier in Unna so einiges in Frage stellen, das kann man aber überall. Dass reichlich „Einkaufsverkehr“ von außerhalb zu uns kommt, mag ich ja nicht so wirklich glauben, oder gibt es außerhalb keine Optiker oder Eisdielen?

Aber so schäbig wie hier in den Medien manche über ihre Stadt schreiben, ist schon daneben, ist ja quasi wie ins eigene Nest scheißen… Ich komme gebürtig aus Bochum, bin sehr froh hier zu sein. Zieht mal dahin, dann gibt es echte Gründe zum meckern 😜!“

  • Roma F.:

„Unna hätte mehr Potenzial, aber man sieht ja leider am neuen Center, dass dieses nicht genutzt wird. Statt neue, moderne Geschäfte anzulocken, kommt wieder derselbe Mist in die neue Location.

Man hätte eine geile Rooftop Bar planen können… neue Restaurants für jüngere Leute, mal frischen Wind in die Stadt bringen. Statt dessen wird das umgelagert, was schon versagt hat. Für mich gibt’s keinen Grund, dieses Center zu betreten. Edeka hab ich in Königsborn und alles andere brauche ich nicht. Sorry, aber ist 0 attraktiv für mich.“

  • Rolf Simon:

„Recht hat er, wenn ich so manche Kommentare von Bürgern aus Unna gelesen habe, wurde mir teilweise schlecht, wie sie ihre Stadt schlecht gemacht haben. Weihnachten redet keine Erbse mehr davon.“

4 KOMMENTARE

  1. Nun, man kann Unna von 2 Seiten betrachten. Als „Tor“ zum Ruhrgebiet oder auch „Endstation“ Ruhrgebiet. Und genauso diffizil und different wie das Ruhrgebiet gibt sich die Stadt.
    Einerseits inhabergeführte Spezialgeschäfte mit ausgezeichneter Beratung, andererseits unpersönliche Ketten, fehlendes jugendlich orientiertes Angebot und Leerstand.
    Und gerade die Verödung ist nun ein Problem und sollte eigentlich Hauptaugenmerk der Politik sein.
    Sehr gut erinnere ich mich an die Diskussionen hier auf RB als es um die Gestaltung der Massener Straße ging. Wasserspiele waren im Gespräch. Eine lebendige, kinderfreundliche und erlebnisorientierte Straße sollte es werden.
    Herausgekommen ist tristes Einerlei mit eingezäunten Bäumen und einem teuren Lichtband das nun absolut niemand braucht. Von der Bürgerschaft bezahlte Bepflanzung ist ein Lichtblick neben den Dreckecken für die die Stadt verantwortlich zeichnet.
    Erstaunt bin ich dass es wirklich Auswärtige geben soll die nach Unna kommen.
    Egal von welcher Himmelsrichtung wird man als erstes ekelerregend empfangen. Diesbezüglich stimme ich einem übertragenen FB Kommentar zu denn es gibt deutschlandweit in anderen Regionen zu sehen dass ess mit „wenigen“ Mitteln möglich ist Straßenkreuzungen und Einfallstraßen freundlich und einladender zu gestalten.
    Insofern reicht die mediale Schelte bei weitem nicht aus aber das ist ja seit längerem die Haltung des Rates und des Rathauses. Nicht bei sich die Fehler zu suchen und zu sehen was kann man besser machen sondern „ wir sind die besten und Schuld tragen immer die Anderen“.
    Und wer aufmuckt im Rat ist außen vor.

  2. Ich soll zuhause keinen Steingarten anlegen, und wer macht es im großen Stil bzw. genehmigt es für Geld?
    Ein Bild sagt mehr als 1.000 Worte – somit: schlechtreden braucht man da gar nichts – ein Blick genügt.
    Wieso sehe ich Bänke aber kein Spielgerät für Kinder???
    Und zur Verkehrsführung: Städteplaner macht eure Hausaufgaben. Schickt mal eure Ehefrau oder Eltern in dieses Wirrwarr und fragt sie dann, wie einfach es war…..
    Der nächste Unfallschwerpunkt für Unna ist eröffnet.
    Geschwindigkeitsreduzierung auch hier das Heilmittel. Rückstaus werden in Kauf genommen. Sprit bringt auch Steuergelder.
    Erinnert mich an den Kreisverkehr unterhalb, nach Königsborn/Massen….zweispurig…nicht fahrbar für….?

    Unser Klima beklagen, SUVs als E-Autos auf die Straße und Beton im großen Stil…Hauptsache ich hab ein schlechtes Gewissen und spare Wasser beim duschen….was für eine verquere Denkweise in unserer Politik….würg….

  3. Ich habe gerade mal einen „Bummel“ durch Unnas „Neue Mühle“ gemacht. Fazit: drinnen genauso trostlos wie draussen. Nach Jahrzehnten der Diskussion und Planung ist das das Ergebnis?
    Vor 30 Jahren hätte das vielleicht als „modern“ durchgehen können. Da hätte man besser die alte Mühle als Baudenkmal stehen lassen sollen und drumherum ne Parkanlage anlegen.
    Was passiert eigentlich mit dem Bau, wenn er nicht angenommen wird? Abreissen? Sprengen? Oder einfach vergammeln lassen?

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here