„Hitzeblock“ Neue Mühle: In der Baugenehmigung Verpasstes ist jetzt nicht mehr nachzuholen

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Aktuelle Fotos der "Neuen Mühle", wie das Einkaufszentrum auf dem früheren Bremme-Gelände neben der Post heißen wird. Am 7. Juli wollen Edeka und Deichmann als erste Mieter eröffnen. (Fotos: Martin Trillhose)

 „Was man in der Baugenehmigung verpasst, kann man nicht mehr durch Gespräche nachholen.“

Mit schmerzlich deutlichen Worten (die manchem Stadtratmitglied bleibend nachhängen dürften) erklärte Bürgermeister Dirk Wigant in der letzten Ratssitzung vor der Sommerpause ein erst vor Kurzem hochgeflammtes Thema für beendet:

Dass sich Unna mit dem Einkaufszentrum „Neue Mühle“ auf dem früheren Industriegelände Mühle Bremme einen gewaltigen Betonklotz an den Eingang der Fußgängerzone hat errichten lassen, der mit den aktuell so heiß diskutierten Klimaschutzaspekten irgendwie so gar nicht zusammenzupassen scheint.

Passend zum Thema war es am Donnerstag bei dieser finalen Vorferiensitzung des Stadtrates jenseits der klimatisierten Stadthalle brütend heiß. Über 30 Grad schon jetzt im Juni, so kam die Bemerkung sorgenvoll aus den Reihen der Grünen, welche an den vergangenen heißen Junitagen einmal die Temperatur im Rathausumfeld gemessen haben.

Dort, wo jetzt die enorme Betonfassade des neuen Einkaufszentrums in den Himmel ragt.

Das Ergebnis waren bestürzende 48 Grad. Im Juni – wo der Sommer gerade erst beginnt.

Mit der Bezeichnung „Hitzeblock“ verpassten die Grünen dem unter ihresgleichen entschieden abgelehnten riesigen Neubau dann auch gleich ein wohl bleibendes Etikett; dies gewiss in dem immerhin befriedigenden Wissen, dass als Einzige die Grünen-Fraktion dem neuen Einkaufscenter bei der Beschlussfassung 2019 die Zustimmung verweigert hatte.

Dies geschah damals freilich weniger aus Klimaschutzaspekten als vielmehr wegen der Verkehrsfrage. Man befürchtete – und befürchtet unverändert – enorme Staus.

Nun ist das Einkaufszentrum nahezu fertig, werden am 7. Juli mit Deichmann und Edeka die ersten beiden Läden in der „Neuen Mühle“ eröffnen und das Pardeck für 320 Fahrzeuge gleich mit dazu.

Als ob die wirklich gewaltigen Beton-Dimensionen des Neubaus Teilen der Politik erst jetzt tatsächlich bewusst werden, unternahm schon die FDP in der vorletzten Woche einen zaghaften Vorstoß bezüglich Fassaden- oder Dachbegrünung des Komplexes:

Ob die Stadt nicht auf den Investor hinsichtlich Begrünung hinwirken und möglicherweise Fördergelder dafür akquirieren könne…?

Die Antwort des Technischen Beigeordneten kam schon in der Hauptausschusssitzung kurz, knapp und schmerzlich endgültig:

„Nein. Der Investor hat kein Interesse an Begrünung. Er beruft sich auf seine gültige Baugenehmigung. Und die sieht das nicht vor.“

Ob es denn nicht möglich sei, hakte Grünen-Chefin Claudia Keuchel jetzt in der Ratssitzung nach, auf den Investor in Gesprächen einzuwirken…? Oder ihn als Erbauer eines solchen „Hitzeblocks“ in irgendeiner Form in Regress zu nehmen…?

Bürgermeister Dirk Wigant sah für derartiges Intervenieren jedoch keinerlei Grundlage, er bescheinigte der Politik mehr oder weniger unverhohlen Versäumnisse während des damaligen Genehmigungsverfahrens:

„Was man in der Baugenehmigung verpasst, kann man nicht mehr durch Gespräche nachholen.“

Ob denn dann vielleicht wenigstens das Rathausumfeld selbst etwas grüner, klimafreundlicher gestalten könne, kam es noch einmal ganz vorsichtig aus den Reihen der Grünen – denn der gesamte Rathausplatz bestehe ja praktisch aus einer einzigen versiegelten Fläche?

Einer viel genutzen Veranstaltungsfläche, korrigierte Jens Toschläger, daher also auch hierzu: Nein, auch der Rathausplatz kann und wird sich nicht in eine grüne Oase verwandeln. „Dann geht dort keine Kirmes mehr – Sie können da dann kein Riesenrad mehr aufstellen.“

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