Unbeachtet, missachtet – Eingliederungshilfe seit 2 Jahren unter extremen Bedingungen

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Symbolbild Meinungsbeitrag - Eselsbrunnen auf dem Unnaer Markt / Archiv: S. Rinke RB

Für die enorm schwierigen Arbeitsbedingungen in der Eingliederungshilfe (Arbeit mit Menschen mit Behinderungen) /. Heilerziehungspflege während der nun zwei Jahre währenden Coronapandemie möchte ein Leser aus Unna sensibilisieren. Er schreibt in einer Leserstellungnahme:

„Ich bin 30 Jahre alt und arbeite seit ein paar Jahren als Heilerziehungspfleger, sprich, ich bin in der Eingliederungshilfe tätig. Meine Arbeit besteht darin, Menschen sowohl mit geistiger als auch körperlicher Behinderung im Alltag zu unterstützen und zu begleiten.

Ich arbeite in einem Wohnhaus, in dem insgesamt 20 Klienten leben. Zu meinem Arbeitsbereich gehört die Unterstützung der Menschen in allen Belangen und eben auch in der Pflege.

Jetzt zu meinem Anliegen. Wir arbeiten – und ich spreche nicht nur über das Wohnhaus, in dem ich arbeite, sondern über alle Kollegen und Kolleginnen der Heilerziehungspflege – seit 2 Jahren unter extremen Bedingungen während der Coronapandemie. Wir müssen in Quarantänezimmer, in denen uns nahestehende Bewohner liegen, die wir über Jahren kennen und die an Corona erkrankt sind.

Wir müssen uns mit jeglicher Schutzkleidung, die man aus dem Krankenhaus kennt, „vermummen“. Wir gehen jegliches Risiko zum Wohle unserer Betreuten ein und das bewusst und auch vom Herzen aus.

Leider wird dies von der Regierung anscheinend weiterhin weder geschätzt noch beachtet. Eine Sonderzahlung, sprich Coronaprämie im Bereich der Eingliederungshilfe, wurde deutschlandweit nicht gezahlt. Wir als Heilerziehungspfleger kämpfen ebenso wie alle anderen Mitarbeiter des Gesundheitssystems mit allen Folgen der Pandemie, doch ein Anzeichen von Zuwendung und Anerkennung ist bisher von Seiten der Politik und der Bundesrepublik Deutschland nicht zu erkennen.

Mein Anliegen ist nicht Geld, sondern, dass einfach mehr Beachtung auch für Mitarbeitende der Eingliederungshilfe geschaffen wird. Auch wir kämpfen gegen die Pandemie.

Ich wünsche allen einen schönen Tag und bleiben Sie gesund!“

  • Andi S., Unna (Name und Kontaktdaten sind der Redaktion bekannt)

1 KOMMENTAR

  1. Man kann gegen die Pandemie kämpfen, oder für die einem anvertrauten Menschen.

    Gerade in den Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen wurden aufgrund der geringeren freien Selbstentscheidung als erstes mit Zwangsmittel (Isolation, Besuchsverbot, etc.) Impfungen durchsetzt. Aus einzelnen Einrichtungen ist mir auch von körperlichen „Zwangstestungen“ berichtet worden. Die Menschen dort gehören zur Bevölkerungsgruppe, welche den dauerhaften teilweise panischen Isolationsmaßnahmen am wehrlosesten ausgesetzt sind. Menschen, welche sicherlich auch sensibler darauf reagieren. Nicht wenige Eltern haben ihre Kinder dort rausgeholt und betreuen sie seitdem mit hohem Aufwand selber.

    In anderen Ländern wurde nicht so verfahren, ohne dramatischere Auswirkungen im Infektionsgeschehen. Viele Erzieherinnen in Kitas haben hautnahen Kontakt zu den Kindern ohne Masken- und Vermummungsmaßnahmen. Vor allem wenn man jung ist, körperlich fit, inzwischen vielleicht auch geimpft und die Wahrscheinlichkeit einer schweren Coronaerkrankung (mit einem Durchschnittssterbealter über 80 Jahre) im Promillebereich liegt.

    Viele gehen jegliches Risiko zum Wohle der Betreuten ein und das bewusst und auch vom Herzen aus.

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