LINKE: Höchstens noch ein Mal pro Woche Fleisch in Unnas Schulen und Kitas – Verweis auf Klimaschutz und Tierschutzskandale im Kreis

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Symbolbild Mittagessen, Fleisch - Quelle Pixabay

Weniger Fleisch in Unnas Kitas und Schulen – dafür plädiert die Fraktion DIE LINKE.plus im Unnaer Stadtrat. Sie möchte eine „klimarechte Ernährung“ erreichen. Die Umstellung von fleisch- auf pflanzenbasiertes Essen in den städtischen Mensen und Kantinen soll binnen eines Jahres erfolgen.

„Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt, für die Verpflegung in Kitas maximal einmal in der Woche Fleisch auf den Speiseplan zu setzen. Nach unseren Recherchen sieht die Realität in den Unnaer Kitas leider anders aus“, bilanziert Fraktionschefin Petra Weber.

„Teilweise findet sich sogar bis zu viermal in der Woche Fleisch auf dem Speiseplan. Das entspricht den Empfehlungen nicht!“

Deshalb hat ihre Fraktion beantragt, dass die Empfehlungen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung in den Kitas
und Schulen der Kreisstadt Anwendung finden sollen. Die bisherige bloße Orientierung an den Empfehlungen reiche nicht aus.

„Immer mehr Kinder essen mittags in der Kita oder Schule. Hier besteht ein enormes Potenzial für Klimaschutz, wenn bevorzugt regionale und überwiegend pflanzliche Lebensmittel auf den Speiseplan gesetzt werden.“

André Köpp, der die Fraktion DIE LINKE.plus im Klimaausschuss vertritt, führt weiter aus: „Auch lassen sich mit dieser Ernährungswende in Kitas und Schulen nachhaltige positive Effekte für die regionale und biologische Landwirtschaft erzielen. Und selbstverständlich zielt unser Antrag auch auf die Verringerung des Tierleids. Nach den Tierschutzskandalen im Kreis Unna erhoffen wir uns eine breite Zustimmung zu unserem Antrag.“

Konkret fordet dei LINKE.plus,

„… dass Ernährung in den Kitas und Schulen sowie allen übrigen im Einflussbereich liegenden Mensen im Stadtgebiet sukzessive bis zum 1.9.2022 nach den Empfehlungen der DGE und der Verbraucherschutzzentrale NRW umgestaltet wird. Dabei wacht die Stadt über die Einhaltung der Ernährungsregeln.“

Wünschenswert sei zudem eine Zertifizierung der Küchen und Caterer, die das Kita- und Schulessen zubereiten, durch die DGE.

Um über die Auswirkungen unserer Ernährung auf das Klima und die Umwelt zu informieren, beantragt die Fraktion DIE LINKE.plus, Tim Werner, den Gründer des Vereins „Vegans for Future“, zu den Beratungen im Ausschuss einzuladen.

Werner macht deutlich: „Eine pflanzenbasierte Ernährung ist die effektivste und am schnellsten umsetzbare Klima- und
Umweltschutzmaßnahme. Ohne sie sind alle anderen Bemühungen um Klima- und Umweltschutz nutzlos, denn selbst wenn wir ab sofort emissionsfreie Energie hätten, würden allein die Treibhausgasemissionen aus der globalen Landwirtschaft ausreichen, um das 1,5-GradZiel zu verfehlen und Kippelemente auszulösen.“

Antrag: Klimagerechte Ernährung in Kitas und Schulen unserer Stadt

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Wigant,

seit 2019 hat Unna den Klimanotstand ausgerufen. Das Thema „Konsum und Ernährung“ ist jedoch im bisherigen Klimaschutzkonzept der Stadt noch ein blinder Fleck. Dabei hat die Art und Weise, wie wir uns ernähren, einen maßgeblichen Einfluss auf das Klima und auch auf unsere Gesundheit und die globale und lokale Wirtschaft.

Die Studienlage zu den klimatischen Auswirkungen der tierprodukterzeugenden Landwirtschaft ist besorgniserregend. So hält eine Studie der Johns-Hopkins-Universität fest, dass selbst im Fall dramatischer Emissionsreduzierungen in allen nicht-landwirtschaftlichen Bereichen die mittlere Temperatur höchstwahrscheinlich um mehr als 2 Grad ansteigen wird, wenn die globalen
Trends beim Konsum von Fleisch und Milchprodukten anhalten[1].

Sogar wenn wir ab sofort emissionsfreie Energie hätten, würden die unverändert weiter laufenden Emissionen aus der Landwirtschaft dazu führen, dass das 1,5-Grad-Ziel und bis zum Ende des Jahrhunderts vermutlich auch das 2-Grad-Ziel verfehlt werden[2]. Selbst beim gebotenen raschen klimapolitischen Handeln benötigt allein die Schaffung der Infrastrukturen für emissionsfreie Energie mehr als ein Jahrzehnt.

Insofern ist die „Ernährungswende“ die direkteste, effektivste und am besten und schnellsten umsetzbare Klima- und Umweltschutzmaßnahme.

Sich gesund und nachhaltig zu ernähren hängt unter anderem stark von den Lernprozessen und Erfahrungen in jungen Jahren ab. Immer mehr Kinder und Jugendliche essen mittags in der Kita oder Schule. Neben dem Elternhaus werden hier grundlegende Weichen für ein nachhaltig positives Ernährungverhalten gestellt. In den Mensen, Schulkiosken und Kita-Küchen unserer Stadt liegt damit ein enormes Potenzial für Klima- und Ressourcenschutz, wenn dabei bevorzugt regionale, saisonale, frische, pflanzliche, naturbelassene und ressourcenschonend produzierte Lebensmittel angeboten und auf den Speiseplan gesetzt werden.

Für die Ernährung in Kitas und Ganztagsgrundschulen gibt es Empfehlungen und Richtlinen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE)[3] und der Verbraucherschutzzentrale NRW[4]


Durch diesen Beschluss würden
• eine klima- und somit zukunftsgerichtete Ernährung in den Kitas und Mensen unmittelbar
umgesetzt,
• ein elementarer Bildungsbaustein „Gesunde und klimagerechte Ernährung“ für zukünftige
Generationen gesetzt sowie
• nachhaltige positive Effekte für die regionale und biologische (ökologische?) Landwirtschaft
und das regionale Lebensmittelhandwerk erzielt.
Für die konkrete Umsetzung dieses Beschlusses stehen z.B. mit dem Projekt „MehrWertKonsum“ der Verbraucherzentrale NRW Angebote für Einrichtungen, Träger und Verpflegungsanbieter zur Verfügung. Auch die „Impulse für die kommunale Ernährungswende“ des Ernährungsrats
der Stadt Köln[5] liefert Antworten auf die Fragen nach einer klimagerechten und nachhaltigen
Zukunft der Ernährung.
Quellen:
[1] Foer, J. S. (2019): Wir sind das Klima! Wie wir unseren Planeten beim Frühstück retten
können. Kiepenheuer & Witsch, S. 113.
[2] Clark, Michael. A., Domingo, Nina G. G. et al. (2020): Global food system emissions could
preclude achieving the 1.5° and 2°C climate change targets. Science, Vol. 370, pp. 705-
708.
[3] DGE-Qualitätsstandard für die Verpflegung in Kitas
[4] Verbraucherzentrale NRW: Klimagesunde Schulernährung
[5] Ernährungsrat Köln: Impulse für die kommunale Ernährungswende
[6] http://vegansforfuture.eu

1 KOMMENTAR

  1. Ich finde das eine hervorragende Idee. Mal abgesehen davon, dass dies der schnellste und vor allem effeltivste Weg is Co2 zu reduzieren, Umweltbelastungen zu reduzieren, ist es auch unglaublich lecker, vielfältig und super gesund!

    Wir haben es alle selbst in der Hand, was für eine Welt wir unseren Kindern und später Enkeln hinterlassen! Das ist längst überfällig!

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