Freizeit in Unna: Zweifache Mutter schrieb an CDU-Chef – Was sie kritisiert und was Fröhlich antwortet

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Der Skatepark an der Hansastraße in Unna. (Foto RB)

„Freizeit in Unna“.

Unter diesem kurzen „Betreff“ wandte Sandra Becker, seit Jahrzehnten in Unna zu Hause und Mutter zweier Teenager, mit einer kritischen Mail an die Unnaer Stadtverwaltung und die politischen Entscheider – darunter auch der Vorsitzende der CDU-Ratsfraktion, Rudolf Fröhlich.

Was Sandra Becker vermisst, kritisiert und anregt und was ihr Rudolf Fröhlich antwortete, hat sie uns hier zur Veröffentlichung weitergeleitet. Wir bedanken uns herzlich dafür.

In ihrer Mail schreibt Sandra Becker:

„Ich bin seit 44 Jahren Bürgerin der Stadt Unna, habe zwei Kinder im Alter von 12 und 14 Jahren und stelle mir aktuell die Frage, wo wir als Familie in Unna unsere Freizeit verbringen können, sowohl draußen als auch bei schlechtem Wetter drinnen.

Die Tipps für Familien auf der Internetseite des Kreises Unna beschränken sich auf Fahrradtouren, die wir regelmäßig unternehmen und Spaßbäder außerhalb der Stadt, die nur mit dem Auto zu erreichen sind.

Auf der Seite der Stadt Unna ist in dieser Hinsicht leider auch nicht viel zu erwarten. Ich dachte, dass ich im Erlebnisführer der RuhTopCard Ideen finde. Unna ist mit der Lichtkunst vertreten und dann ist auch schon Ende.

Dann bin ich über das Kinder- und Jugendbüro an eine Broschüre über Ausflugsziele für die ganze Familie gelangt. Hier heißt es „Vorschläge zur Freizeitgestaltung für Groß & Klein“, aber außer dem Kurpark ist auch hier nichts zu finden.

Neben einem Kino, einer Skateranlage und einem Bowlingcenter habe ich derzeit nicht viel entdecken können was Unna für Familien mit Teenagern attraktiv macht. Aus dem Spielplatzalter sind meine Kinder rausgewachsen.

Trampolin springen, Minigolf spielen, Klettern, Indoorspaßhalle oder ein Spaßbad suche ich vergebens und muss immer in andere Städte fahren, was natürlich auch nicht sehr umweltfreundlich ist.

Das Tolle in Unna war nach dem Abriss des Freibades in Massen immer noch die Eishalle. Meine Kinder haben dort Kurse besucht, Geburtstage gefeiert und  Klassenausflüge dorthin gemacht. Wo das in Unna sonst noch möglich ist, weiß ich leider nicht, daher wundere ich mich, mit wieviel Engagement gegen den Erhalt der Eissporthalle gekämpft wird.

Die Halle steht nicht nur für den KSV und KJEC. Warum nehmen Sie Bürgern aller Generationen den Breitensport? Nicht mehr lange und Unna hat an Freizeitaktivität nicht mehr viel zu bieten.

Statt die Halle abreißen zu wollen, sollten Sie sich lieber Gedanken darüber machen, was dort alles geboten werden und wie Unna attraktiv an Freizeitaktivitäten werden kann.

Hilfsangebote gab es zu diesem Thema reichlich, Sie sollten diese nicht länger ignorieren.  

Für ein Gespräch stehe ich gerne zur Verfügung.

Mit sportlichen Grüßen: Sandra Becker.“

Rudolf Fröhlich antwortete darauf wie folgt:

CDU-Fraktionsvorsitzender Rudolf Fröhlich (Foto CDU Unna)

Sehr geehrte Frau Becker, vielen Dank für Ihre E-Mail, die ich mit Interesse gelesen habe.

Ich habe Verständnis für Ihr Anliegen, muss aber auch sagen: Eine Kommune mit knapp 60.000 Einwohnern kann naturgemäß nicht alles bieten, was vielleicht wünschenswert wäre!

Dennoch: Unna fördert eine vielfältige Kulturszene, die übers Jahr verteilt vielfältige Angebote bereit stellt (in Coronazeiten allerdings leider aktuell nicht möglich). Das Angebot reicht da von Kinderferienspaß bis Theater Narrenschiff. Im Zirkus Travados können Kinder und Jugendliche Zirkusluft schnuppern und ein Bornekamp-Freibad gibt es weiterhin.

Den Sport fördert Unna ebenfalls recht ordentlich, was die Höhe der Sporthilfen angeht. Auch moderne Sportplätze mit Kunstrasen und Flutlichtanlagen hat die Kommune gebaut.

Ebenfalls mit kommunaler Finanzhilfe unterhalten wir im ZIB eine moderne Bibliothek und die VHS bietet zahlreiche Kurse an. In der Stadthalle finden zudem Theater und Konzertveranstaltungen statt, sofern die Pandemielage dies zulässt. Stadtfeste und Festa Italiana sowie Herbstkirmes und viele andere Events in der Innenstadt runden das Angebot ab.

Zur Eishalle ist zu sagen:

Die Politik wendet sich nicht gegen den Eissport. Wir können es aber mehrheitlich nicht verantworten, 12 bis 15 Millionen Euro in eine Eishalle zu investieren, die ihre Lebensdauer von 40 Jahren bereits deutlich überschritten hat, denn wir müssen an  a l l e  Bürger denken. Den Erhalt der alten Eishalle halten wir deshalb für unwirtschaftlich und nicht sinnvoll.

Statt dessen werden wir ein anderes Angebot machen, dass Eislaufen in Freizeit und im Vereinssport künftig wieder möglich machen sollen. Es laufen derzeit entsprechende Gespräche. Mein Wunsch wäre es, auf dem ehemaligen Freibadgelände in Massen einen Sport und Freizeitcampus zu errichten, auf dem neben Eissport auch andere Angebote gemacht werden sollen (Moutainbike, Freeclimbing usw.).

 Ich hoffe, Ihnen mit meiner Antwort gedient zu haben.

 Mit freundlichen Grüßen: Rudolf Fröhlich, Vorsitzender der CDU- Ratsfraktion Unna und Vorsitzender des Ausschusses für Stadtentwicklung und Mobilität.“

Dazu gab Sandra Becker unserer Redaktion ihren Eindruck wie folgt weiter:

Die Kirmes, das Stadtfest, der Ferienspaß oder auch das Angebot der Sportvereine sind für mich diesbezüglich keine Antwort, sondern hilfloses Schönreden. Ich glaube nicht, dass dies unter „ständige“ Freizeiteinrichtung fällt. Ich wollte doch nicht immer in einen Verein eintreten müssen, wenn ich mal Trampolin springen möchte. Ich glaube, bei der CDU weiß man es nicht besser, was Jugendliche so unternehmen.

Ich frage mich nur, wie Herr Fröhlich im letzten Absatz dann wieder auf Freeclimbing und Mountainbike kommt. Da scheint dann doch mehr Bedarf für Jugendliche zu sein.

 Interessant finde ich auch den Lösungsansatz für die Eishalle. Das UbE-Konzept ist zu teuer, um es umzusetzen, aber in Massen einen Neubau andenken, der dann weniger kostet?“

Lesen Sie zum Thema Eishalle als Hintergrund: Stadt und Politik kassieren den Bürgerentscheid ein – Bürger werden neu befragt

5 KOMMENTARE

  1. Das zeigt ja noch deutlicher das die CDU ( Christlich Demokratische Union)wirklich oder soll ich lieber sagen immer noch nicht über denn Tellerrand schauen kann!?
    Lieber Herr Fröhlich ist es wirklich ihr Ernst!? Kindern die Kulturszene , Bibliothek oder VHS nahe zu legen?!(als Freizeitgestaltung)
    Und das Bornekamp Bad gibt es auch nur noch weil sich Menschen gefunden habe um es zu erhalten und es ehrenamtlich pflegen
    ( Nicht mit Blumen anderer schmücken)
    Und zum Thema“eine Kommune kann nicht alles bietet“ ABER es VER bieten?? Das Mountainbiken und die Eishalle sind ja keine neue Erfindung in Unna.Sondern passen nur nicht in IHR Zeitgeschehen!?
    Vielleicht gibt es ja mal zeitnah aus der Politik ein Zeichen wie es weitergeht?!
    Und vielen lieben Dank an Frau Becker

  2. Und wieder einmal zeigt H. Fröhlich wie weit entfernt er von den Wählern und den Bedürfnissen aller hier in Unna ist.
    Natürlich kann eine Kommune nicht alles bieten, aber was sie zu bieten hat sollte für alle zugänglich sein.
    Allergisch reagiere ich mittlerweile auf die Kulturszene deren Budget vom Landesrechnungsamt als reichlich überzogen beschrieben wird und nur von einem beschränkten, wenn überhaupt interessierten, Teilnehmerkreis beansprucht wird / werde kann.
    Ein Frechheit ist es das Bornekamp Bad anzusprechen dessen Erhalt einzig und allein dem Engagement freiwilliger Enthusiasten zu verdanken ist.
    Lächerlich die Ausstattung der Sportanlagen zu erwähnen. Wie lange hat es gedauert bis das Herder Stadion überhaupt für Leichtathletik zu nutzen war? Zumindest so lange bis es keine aktiven Leichtathleten in Unna mehr gibt und das kann man sicher auf die Ausstattungen der weiteren Sportanlagen umlegen sofern sie überhaupt noch vorhanden sein sollten.
    Eigentlich müsste er sich selbst zu (keine Ahnung was) vorkommen um eine Bibliothek, VHS Kurse und Festa Italiana etc. als Freizeitangebot für Kinder aufzuführen.
    Und Gespräche hinsichtlich Massen sind bei der derzeitigen Haushaltslage und den weiteren bevorstehenden „Denkmäler unserer Politiker“ eh nur „ruhig stellen“ und somit eine Farce.

  3. Mit dem Verweis in Massen etwas zu planen will die Politik doch nur ablenken und Druck vom Kessel nehmen. Wenn die Eishalle endgültig beerdigt ist, heißt es dann, man weiß noch nicht ob das Projekt in Massen umgesetzt werden kann und es wird jahrelang nach Alternativstandorten gesucht. Letztendlich wird es dann heißen: leider ist momentan kein Geld dafür vorhanden.
    In die Stadthalle wurde viel Geld gesteckt. Ich kann mich erinnern das dort früher interessante Veranstaltungen für 20-40 jährige statt fanden und ich somit des öfteren in der Stadthalle war. Mittlerweile war ich ewig nicht mehr dort da keine interessanten Konzerte oder ähnliches mehr geboten werden. ( Vor -Corona Zeit ).
    Die Stadthalle ist ein Prestigeobjekt der Politik. Ich hätte hier auch gerne einen Bürgerentscheid gehabt, frei nach dem Motto: sollen wir die Stadthalle sanieren auch wenn wir dann die Grundsteuer erhöhen müssen? Aber die Grundsteuerkeule wird ja nur genutzt wenn es dem Rathaus passt.

  4. Ha Ha Ha Ha die Politik ist schon witzig….alles was aufgezählt wurde, wir von privaten Personen oder von Vereinen geleistet. Allen Bürgern gerecht werden?? Es gibt einen Bürgerentscheid der gültig ist ……schämen sie sich hr Fröhlich….

  5. Wie hoch beziffern sich mittlerweile die Kosten für das Asylantenheim ?
    13 Luxushütten ?
    Sorry, bin ich jetzt böse , das ich diese Frage stelle ?

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