Dezidierte Corona-Infos an 7 Wochentagen: So gründlich informiert Dortmund – und so spärlich der Kreis Unna

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Symboldbild Corona - Archiv RB

Regelmäßig kritisieren Leserinnen und Leser die spärlichen Informationen, die das Kreisgesundheitsamt Unna zur Entwicklung des Pandemiegeschehens veröffentlicht. Und ebenso regelmäßig bekommt unsere Redaktion bei Nachfragen entsprechend spärliche Erklärungen.

Etwa auf die ständig wiederkehrende Frage, die sich beim Betrachten der Fallzahlentabellen aufdrängt: Wieso sind die Zahlen gerade in Lünen (oder aktuell auch in Bergkamen) nahezu jeden Tag derart hoch, machen oft die Hälfte aller Neuinfektionen im ganzen Kreisgebiet aus?

Die Antwort der Kreispressestelle darauf ist stets vage: Lünen sei die größte Stadt im Kreis, das Infektionsgeschehen sei „diffus“, heißt, es gebe keine Spreader-Ereignisse und keine herausragenden Stadtteile.

Ebenso unbefriedigend sind die Aussagen des Kreises zu den Covid-Patientinnen und -patienten, die in Kliniken behandelt werden müssen oder die verstorben sind. „Im Zusammenhang mit Corona verstorben“ heißt es zu den Todesfällen stets lediglich allgemein.

Die „stationären Fälle“ werden weder nach Intensiv- noch nach Beatmungspatienten aufgeschlüsselt, ebenso wenig gibt es Auskünfte zu der Zahl der Menschen im Kreis, die sich aktuell in Quarantäne befinden.

Und an Wochenenden und Feiertagen gibt es überhaupt keine Neumeldungen vom Kreis Unna: Die letzte Fallzahlenmeldung wird freitags gegen 13 Uhr auf Kreis Unna.de eingestellt, die nächste Aktualisierung erfolgt dann erst wieder am folgenden Montag zwischen 15 und 16 Uhr.

Zu Beginn der täglichen Statistiken im vorigen Jahr berichtete der Kreis noch regelmäßig, wo die Neuinfektionen stattfanden, z. B. in Pflegeheimen, Kitas, Schulen. Diesen Service stellte er im Verlaufe der zweiten Jahreshälfte ein – mit der kurzen Erklärung, das sei nicht mehr leistbar, da sich die Infektionsketten nicht mehr rückverfolgen ließen.

Unsere Redaktion kann daher stetig und aktuell lediglich über Infektionsfälle an Unnaer Schulen berichten, denn diese teilt die Stadtverwaltung selbst initiativ mit – stets sehr aktuell auch an Wochenenden. Von anderen Ausbruchsherde, Quarantänen oder auch Schließungen erfahren wir nur, wenn uns Betroffenen selbst informieren.

Dass es auch anders und viel transparenter geht, beweisen praktisch alle umliegenden Gesundheitsämter (welche, wenn es sich um Kreise handelt, zumeist auch die Inzidenzen der einzelnen Kommunen des Kreisgebietes auflisten; so ist es täglich beim Märkischen Kreis und beim Kreis Soest der Fall).

Auch diese Inzidenzwerte für die einzelnen Städte und Gemeinden bleibt der Kreis Unna schuldig. Diese muss sich, wer sich dafür interessiert, selbst anhand der täglich gemeldeten Zahlen ausrechnen. Wenngleich es auch für Verschärfungen und Lockerungen der Coronabeschränkungen im Kreis Unna nicht relevant ist, welche Inzidenz nun Unna aufweist, welche Holzwickede und welche Lünen: Von Interesse bei der jeweiligen Bürgerschaft sind solche Unterschiede allemal.

Wohl die umfassendste und gründlichste Information über das Covid-Geschehen liefert an 7 Tagen in der Woche die Stadt Dortmund. Ein normales Corona-Update an einem Samstag sieht dort heute wie folgt aus:

82 weitere positive Testergebnisse – Inzidenzwert bei 104,5 – drei weitere Todesfälle – etwas mehr Freiheiten für Schulen, Kitas und Sport

„Heute sind 82 positive Testergebnisse hinzugekommen. Von diesen Neuinfektionen sind 33 Infektionsfälle 17 Familien zuzuordnen.

Zurzeit befinden sich 2.627 Menschen in Quarantäne. Seit dem ersten Auftreten der Erkrankung in Dortmund liegen insgesamt 27.061 positive Tests vor. 25.155 Menschen gelten als genesen. Aktuell sind 1.531 Menschen in Dortmund mit dem Virus infiziert.

Nach der Berechnung der Stadt Dortmund anhand der RKI-Methodik wird der Inzidenz-Wert mit den heutigen Zahlen 104,5 betragen. Der tatsächliche Wert des RKI wird erst ab 0 Uhr abrufbar sein und ist von da an verbindlich – leichte Abweichungen sind bis dahin möglich.

Zurzeit werden in Dortmund 113 Corona-Patienten stationär behandelt, darunter 29 intensivmedizinisch, davon wiederum 24 mit Beatmung.

Bedauerlicherweise sind dem Gesundheitsamt heute drei weitere Todesfälle gemeldet worden. Es handelt sich um:
– eine 62-jährige Frau, stationäre Aufnahme am 14.04.2021, am 12.05.2021 verstorben, ursächlich an COVID-19
– ein 83-jähriger Mann, stationäre Aufnahme am 10.05.2021, am 14.05.2021 verstorben, ursächlich an COVID-19
– ein 77-jähriger Mann, stationäre Aufnahme am 09.05.2021, am 15.05.2021 verstorben, nicht ursächlich an COVID-19, schwere chronische Grunderkrankungen.

In Dortmund starben bislang 259 Menschen ursächlich an Covid-19, weitere 116 mit SARS-CoV-2 infizierte Patient*innen starben aufgrund anderer Ursachen.

Virusvarianten
Bis jetzt sind insgesamt in Dortmund 4.987 Infektionsfälle mit Virusvarianten nachgewiesen, davon 4.975 mit britischer Variante (B.1.1.7), neun Fälle mit südafrikanischer Variante (B.1.351) und drei Fälle mit brasilianischer Variante (B.1.1.28.1 – P.1). Dies ist keine Teilmenge der tagesaktuellen Neuinfektionen, sondern eine Teilmenge der gesamten Infektionsfälle. (Grund: Die Sequenzierung dauert mehrere Tage.)

Trotz aktuell sinkender Inzidenz breiten sich die ansteckenderen Virusvarianten weiter aus. Daher lautet der Appell an die Dortmunder weiterhin: Halten Sie die Hygieneregeln konsequent ein! Lassen Sie sich auf jeden Fall bei Auftreten von Symptomen testen und meiden Sie nicht notwendige Kontakte. Wir alle müssen Verantwortung für uns und unsere Mitmenschen übernehmen.

Wechselunterricht an Schulen
Das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes NRW hat am heutigen Samstag mit einer Allgemeinverfügung bestätigt und bekannt gemacht, dass in Dortmund die Voraussetzungen gegeben sind für den Übergang aus dem Distanz- in den Wechselunterricht ab Montag, den 17. Mai 2021. Die Inzidenz liegt an fünf Werktagen in Folge unter dem Schwellenwert 165.
Weil diese Tendenz abzusehen war, konnten sich die Schulen sowie die beteiligten Ämter bez. Dienstleister (Reinigung und Beförderung) bereits darauf vorbereiten. Für die Ausgestaltung des Wechselunterrichtes gelten die bereits bekannten Bestimmungen des Schulministeriums.

Kitas im eingeschränkten Regelbetrieb
Die sinkende Inzidenz ermöglicht auch, dass die Tagesbetreuung der Kinder ab Montag in den eingeschränkten Regel-/Pandemiebetrieb wechseln kann. Die bedarfsorientierte Notbetreuung wird damit beendet. Im Rahmen des eingeschränkten Regelbetriebs können ab Montag wieder alle Kinder frühkindliche Bildungs- und Betreuungsangebote wahrnehmen. Mit dem Ende der Notbetreuung müssen Eltern nun auch keine Arbeitgeber-Bescheinigungen mehr vorlegen.
Um die notwendigen Hygienemaßnahmen sicherzustellen, werden die Bildungs- und Betreuungsangebote weiterhin in getrennten Gruppen umgesetzt und dies mit einer um 10 Stunden pro Woche reduzierten individuellen Betreuungszeit.
Seit dem 26. April 2021 galten in den Dortmunder Kindertageseinrichtungen die Regeln der Bundesnotbremse, die ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 165 an drei aufeinander folgenden Tagen eine bedarfsorientierte Notbetreuung vorsieht. Die kurzfristig notwendig gewordenen Einschränkungen bedeuteten große Herausforderungen für Eltern, Erzieher*innen und Kinder. Dortmunder Familien und die Beschäftigten der Kindertageseinrichtungen haben durch ihr verantwortungsvolles Verhalten mit dazu beigetragen, die Entwicklung des Infektionsgeschehens positiv zu beeinflussen.

Training für Kinder auf Sportplätzen
Auch im Sportbereich führt die sinkende Inzidenz zu Änderungen. Die Regelungen für den Dortmunder Sport werden ab Montag wieder durch das Bundesinfektionsschutzgesetz bestimmt. Die am Sonntag ablaufende, mit dem Land NRW abgestimmte Allgemeinverfügung der Stadt Dortmund mit strengeren Regelungen (Sportplätze blieben komplett geschlossen) wird nicht mehr verlängert.
Das Bundesinfektionsschutzgesetz (§ 28b IfSG) sieht vor, dass fünf Kinder (bis 14 Jahre) mit bis zu zwei getesteten Übungsleitern Sport machen dürfen. Die Sportplätze im Außenbereich können also ab Montag wieder für diese Art des Betriebs öffnen.

Weitere Corona-Informationen online
· Antworten rund um Corona und die Situation in Dortmund: corona.dortmund.de oder corona-inzidenz.dortmund.de
· Übersicht, welche betrieblichen Angebote zulässig sind und welche Betriebe öffnen dürfen: dortmund.de/corona-gewerbe
· Informationen zum aktuellen Stand der Impfungen im Impfbericht der KVWL: corona-kvwl.de/impfbericht
· Impffahrplan mit den aktuell anspruchsberechtigten Personengruppen: dortmund.de/corona-impfung
· Überblick zu den Schnellteststellen in Dortmund inklusive mehrsprachiger Hinweise zu Regelungen im Falle eines positiven Schnelltests: dortmund.de/corona-schnelltest
· Infos und Anmeldung für an Restimpfdosen Interessierte: dortmund.impfbruecke.de“

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