Mit Polizeifoto aus Nachbarkreis Fake-New zum Schrecken von Hundehaltern verbreitet

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Hundeköder - dieses Foto stellte die Kreispolizei Märkischer Kreis am 30. März auf ihrem Blaulichtportal ein. Die Köder waren in einer Wohnsiedlung in Herscheid gefunden worden. (Foto: Kreispolizei MK)

Die Warnung machte auf Facebook die Runde und wurde sogar – ohne Rückfrage bei der zuständigen Polizei – von der örtlichen Presse aufgegriffen:

In einer Facebookgruppe aus dem Kreis Soest warnte eine Frau in der letzten Woche vor ausgelegten Ködern.

„Achtung Hundebesitzer! Wurde in Erwitte beim Freibad gefunden!“ Darunter war eine längs aufgeschnittene „Knackwurst“ abgebildet, in der man deutlich zwei Rasierklingenteile erkennen konnte.

Der Schrecken jedes Hundehalters.

„Auch die örtliche Presse druckte das Bild mit der Geschichte in der vergangenen Woche ab“, schildert die Kreispolizei Soest, unter unter dem Facebookpost gab es auch den Hinweis, dass die Polizei eingeschaltet wäre.

Komisch nur, dass die Polizei – die aus Erwitte – selbst gar nichts davon wusste.

Der Erwitter Bezirksdienstbeamte war auf den Facebookpost aufmerksam geworden. Da ihm der „Fall“, trotz Facebookhinweis, völlig unbekannt war, ging er der Sache nach. Auch beim Ordnungsamt war von den Ködern nichts bekannt.

Die Erstellerin des Posts gab an, das Bild von einer anderen Frau bekommen zu haben.

Das wollte der Polizeibeamte denn nun genau wissen – und klingelte kurzerhand bei der Frau an, die die Knackwurst mit den Rasierklingen angeblich am 20. März in ihrem Garten gefunden hatte.

Den Fund eines Wurststücks hatte sie per Online-Anzeige bei der Polizei gemeldet. Sie gab schließlich aber zu, weder in der Wurst noch in einem ebenfalls im Garten gefundenen Brötchen eine Rasierklinge gefunden zu haben.

Aber man müsse trotzdem vorsichtig sein – es könnte ja trotzdem so vorkommen… Sie habe das wiederum von einer anderen Frau gehört. Den Namen dieser Frau konnte sie jedoch nicht nennen.

Fakt ist, dass es KEINEN Fund von Würstchen mit Rasierklingen im Kreis Soest gegeben hat – jedenfalls keinen, der von der Polizei recherchiert werden konnte.

Das Foto stammte aus einer Pressemeldung der Polizei aus dem Märkischen Kreis vom 30.03.2021. Dies ließ sich mit einer einfachen Anfrage (Würstchen mit Rasierklingen) an eine Internetsuchmaschine leicht feststellen.

Die Polizei bittet darum, dass solche Meldungen nicht einfach ins Netz gestellt werden, ohne dass man genaue Hintergründe kennt. Das Prinzip „Stille Post“ hat hier hervorragend funktioniert. Zu dem Stück Wurst, über das man wirklich nicht reden muss, gesellten sich Rasierklingen und zum Schluss auch noch ein Foto, welches unrechtmäßig verwendet worden war und nichts mit dem Kreis Soest zu tun hatte. Der Post in der Facebookgruppe wurde jetzt gelöscht – und die erschreckten Hundehalter können wieder aufatmen.

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