Inzidenz im Kreis Unna sinkt auf 56: Was das – nicht – bedeutet

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Die Entwicklung der Inzidenz in NRW zum Samstag, 6. März, zwei Tage vor Inkrafttreten der neuen Coronaschutzverordnung. NRW-weit ist der Wert leicht gestiegen, im Kreis Unna deutlich gesunken, zwei Nachbarregionen (Hamm und MK) sind hingegen wieder Ü100-Hotspots. (Screenshot: RKI-Dashboard)

Nach über zweiwöchigem Pendeln um Werte zwischen 65 und 80 ist die für die Coronamaßnahmen weiterhin maßgebliche 7-Tages-Inzidenz – Neuinfektionen in einer Woche je 100.000 Einwohner – zum heutigen Samstag, 6. März, erstmals wieder im 50er-Bereich angekommen.

Das Robert-Koch-Institut weist das Kreisgebiet mit Inzidenz 56 aus (Sonntag: 56,2), deutlich unter dem NRW-weiten Wert, der sich auf knapp 65 sogar leicht erhöht hat.

Dass die kreisweite Inzidenz samstags niedriger liegt als an den übrigen Tagen, ist generell nicht neu, da die letzten Fallzahlenmeldungen des Kreisgesundheitsamtes freitags bereits am Mittag erfolgen und die weiteren Meldungen erst nachträglich in die Statistik einfließen. Zudem wird an den Wochenenden weniger getestet.

Dennoch: Einen 50er-Wert hatte der Kreis schon seit Längerem nicht mehr.

Was ist an der 50 so bedeutsam?

Grafik der Öffnungsschritte – Quelle Bundesregierung

Inzidenzen unterhalb der 50 gelten in der komplizierten neuen 5-stufigen Öffnungsstrategie von Bund und Ländern als Maßstab vieler Dinge. Unterhalb der 50 dürfen alle Einzelhändler wieder ohne umständliche Terminvergaben Kunden bedienen, dürfen Gastronomen draußen unangemeldete Gäste bewirten und weitere Bereiche gelockert werden.

Immer indessen unter zahlreichen Bedingungen und stets nur bei „verstetigtem“ niedrigen Wert: Sobald er wieder drei Tage lang über die „magische Grenze“ steigt, geht es mit den Lockerungen wieder zurück auf die nächst strengere Stufe. Es greift dann die sogenannte Notbremse.

Was bedeutet die in den 50er-Bereich gesunkene Inzidenz für den Kreis Unna?

Konkret für Öffnungen und Lockerungen bedeutet sie erst einmal gar nichts. Der Richtwert, wonach geöffnet und gelockert werden darf oder geschlossen und verschärft werden muss, ist die NRW-weite Inzidenz, an diesem Samstag 64,8. Erst wenn sich dieser Durchschnittswert für ganz Nordrhein-Westfalen stetig unterhalb der 50 einpendelt, sind – ebenfalls NRW-weit – weitere Lockerungen möglich.

Der Kreis hat also im Hinblick auf die Coronamaßnahmen gar nichts davon, seine Neuinfektionen längerfristig zu senken?

Jein. Sofern der Wert nur knapp unterhalb des Schwellenwerts 50 verharrt (bei gleichzeitig höherer NRW-weiter Inzidenz, gilt für unseren Kreis wie auch für jede andere Region: mitgefangen – mitgehangen. Die NRW-Regierung schließt eine kleinteilige regionale Öffnungsstrategie aktuell aus, um keinen Shopping-Tourismus zu provozieren.

Beispiel:

  • Sowohl die Stadt Hamm als auch der Märkische Kreis sind derzeit Hotspots, ihre Inzidenzen liegen über 100.
  • In Hamm bei 108, im MK sogar bei 125.
  • Beide grenzen direkt an den Kreis Unna.
  • Sowohl in Hamm als auch im Märkischen Kreis müsste bei rein regionaler Betrachtung auch ab Montag weiterhin alles geschlossen bleiben, was nicht bisher schon öffnen darf – hingegen ist im direkt angrenzenden Kreis Unna Einkaufen mit Termin im gesamten Einzelhandel möglich ist.
Die Vielfarbigkeit der Corona-Landkarte für unsere Region zeigt: Derzeit entwickeln sich die Neuinfektionen sehr unterschiedlich. (Screenshot / RKI-Dashboard)
  • Vom MK zum Südkreis Unna (Fröndenberg) ist es nur einen Sprung über die Ruhrbrücke, Hamm geht praktisch nahtlos in den Nordkreis Unna über. Man kann sich also unschwer ausmalen, was passieren würde.
  • Ähnlich liegt der Fall zwischen Dortmund (Ü60) und Bochum (U50) und erst recht im Vergleich vom Hotspot Hamm mit dem benachbarten Kreis Coesfeld, der mit Inzidenz 20 glänzt und sich weitreichende Lockerungen erlauben könnte.

Überhaupt könnte bzw. würde wohl Einkaufstourismus ins Münsterland losfluten, welches seit Wochen deutlich unter 40, teils sogar in 20er-Werten liegt. Dort dürften alle Läden ohne Termine Kunden bedienen.

Gibt es gar keine Ausnahmen vom Mitgefangen – Mitgehangen?

Doch, die sieht die Coronaschutzverordnung zumindest theoretisch vor: Hält sich eine Region tatsächlich für längere Zeit deutlich unter dem Wert 50, kann sie versuchen, mit der Landesregierung individuelle Lockerungen auszuhandeln.

Die Erlaubnis dafür hängt allerdings von vielen örtlichen Faktoren ab, etwa von der Nähe zu Nachbarregionen: So wäre es kaum vorstellbar, dass im dicht besiedelten Ruhrgebiet, wo Städte bzw. Kreise oft nahtlos ineinander übergehen, solche Sonderregelungen gestattet würden.

Letztendlich gilt die Extrawurst allerdings auch für den negativen Fall: Würde die Inzidenz im Kreis Unna plötzlich deutlich über den kritischen Wert 100 schießen und dort mehrere Tage verharren, während der Landesschnitt signifikant darunter bleibt, könnte es passieren, dass der Landrat zusammen mit der Landesregierung Verschärfungen anordnen würde bzw. müsste.

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