„Platt, kaputt, genervt“ – ein Unnaer (Online-)Einzelhändler im zweiten Shutdown

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"Der Onlineshop hat uns aufgefangen": Dennis Bernhöft, Inhaber des "Körbchens" auf der Massener Straße, gestattete sich nach dem Ende des ersten Shutdowns im vorigen Sommer ein vorsichtiges Durchtatmen. (Archivfoto RB)

„Brandbrief des Handels an Merkel: Ganze Branche vor Existenzverlust“: Unter diesem Rundblick-Artikel vom 9. Januar 2021 kommentierten zahlreiche Leserinnen und Leser auf Facebook ihre zumeist düsteren Prognosen und Befürchtungen für die lokalen Einzelhändler vor Ort in ihrer Stadt.

Auch Einzelhändler Dennis Bernhöft, Inhaber des Geschäfts „Das Körbchen“ auf der Massener Straße in Unna, teilte seine Einschätzung der aktuellen Situation zwei ausführlichen Facebookkommentaren mit. Er ist damit einverstanden, dass wir seine Erfahrung hier als Lesermeinung wiedergeben.

Dennis Bernhöft startete zunächst als reiner Onlinehändler, der stationäre Laden kam erst später dazu. Er beschreibt seine aktuellen Situation im zweiten Shutdown ernüchtert und frustriert.

„Meine Erfahrung bis jetzt: Du kriegst nur Hilfe, wenn du alles runter fährst. Also Laden zu und am besten nichts Online verkaufen und auch nichts ausliefern und den Umsatz extrem gering halten. Dann hast du Anspruch auf Geld.

Online ist zwar ein Mittel, aber dein Augenmerk ist nun mal Laufkundschaft. Wenn ich nur noch Online verkaufen will, gehe ich nicht in die Fußgängerzone und zahle Mietkosten mal 10 bis 20 gegenüber einer Lagerhalle.

Ich habe es schon x-mal geschrieben. Nimm einer Familie 4 bis 5 Monatsgehälter im Jahr weg. Es mag zwar gutgehen, aber auf Dauer geht dir die Puste aus und Hilfe kriegst du nicht, da du ja noch immer über 50% deines Jahresgehaltes hast. Bei den nächsten Investitionen oder Warenkauf für Saisonware brauchst du deine Bank nicht mehr fragen, und schon kriegen wir Probleme.

Nach dem Sommer werden die ersten absaufen. Wer MHD Ware hat oder Bekleidung, wird sich auch freuen. Da kriegst du auch keine Hilfe für alte Klamotten oder abgelaufene Cremes und Lebensmittel. Wir haben auch viele Waren mit MHD für Weihnachten gekauft und müssen auch schauen, wie wir die jetzt schneller raus bekommen. Die Gastro Leute haben wirklich voll ins Klo gegriffen.

Ich denke gerade, ich bin eigentlich in einer schlechten Position zu jammern, da ich den Laden auf habe und auch Online verkaufe. Leider sehen die Leute immer nur die Fassade. Der Laden lohnt sich zur Zeit NULL. Es fühlt sich an, als hätten wir Hochsommer mit 40 Grad. Selbst da sind die Umsätze sogar noch besser als jetzt.

Ich würde nicht einmal einen 10-Jährigen für den Stundenlohn begeistern können. Online geht die Post ab, aber wir arbeiten mehr als vorher für weniger Geld. Wir verbringen zur Zeit jede Minute im Büro, um Hunderte Artikel online zu stellen, und daher lassen wir den Laden offen. Sonst würde ich abschließen.

Zur Zeit sind wir einfach nur platt und kaputt und genervt von der Situation. Obendrauf kommen 4 Jahre am Stück gearbeitet, ohne einen Tag frei zu machen.

Wir wollten eigentlich letztes Jahr Urlaub machen. Aber das wird auch dieses Jahr wohl nichts, da wir unser Geld zusammenhalten müssen.“

Dennis Bernhöft, „Das Körbchen“ Unna

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