„Verwahrloste“ Flüchtlingsunterkunft: Medialer Druck auf Gemeinde Bönen

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Screenshot aus dem WDR-Lokalzeit-Beitrags über die Zustände in der Bönener Unterkunft. / https://www1.wdr.de/mediathek/video/sendungen/lokalzeit-dortmund/video-lokalzeit-aus-dortmund---808.html

Im Streit um die laut Flüchtlingshelfern unhaltbaren Zustände in einer kommunalen Unterkunft in Bönen verhärten sich die Fronten. Nach einem WDR-Dreh vor Ort, in dem Ehrenamtliche der Flüchtlingshilfe zusammen mit Bewohnern der Unterkunft die mangelden hygienischen Verhältnisse und defekte Einrichtungsgegenstände kritisierten, ging „Zuflucht Bönen e.V.“ jetzt medial in die Offensive.

Es handelt sich um drei Häuser und einen Container am Nordkamp, bewohnt von derzeit ca. 40 Menschen. Geflüchtete sind hier untergebracht und auch Obdachlose, entweder Alleinstehende oder Paare (keine Familien).

14 Bewohner haben eine Aufenthaltserlaubnis, könnten in eine Mietwohnung umziehen, doch diese sei schwer zu bekommen. 20 Personen haben eine Aufenthaltsgestattung, 11 eine Duldung (zunächst wird von Ausweisung abgesehen).

In der WDR-„Lokalzeit“ forderte Deniz Werth von Zuflucht Bönen am Dienstag (29. 9.) nun erneut die Gemeindeverwaltung zum Handeln auf, assistiert von der Moderatorin, die die Position der Verwaltung lediglich mit einem Nebensatz erwähnte und unterschwellig durchklingen ließ, dass sie die Gemeinde in der Bringschuld sieht.

Am gestrigen Mittwoch, 30. 9., folgte auf den WDR-Nachrichten ein weiterer Kurzbericht unter dem Titel „Bönen: Hygienische Zustände in Flüchtlings- und Obdachlosenheim bleiben katastrophal“. Darin heißt es unter anderem:

„Inzwischen hat die Gemeinde Bönen immerhin in Sachen Brandschutz reagiert. Kabel und Starkstromanschlüsse hängen jetzt nicht mehr blank aus der Wand. Die Gemeinde hat sie notdürftig abgeklebt.“ In Sachen Hygiene „ist die Unterkunft immer noch in einem schlimmen Zustand. Daran, sagt die Gemeinde, seien einige wenige Flüchtlinge schuld. Die würden sich nicht benehmen.“

Genau so ist es auch, betont der zuständige Fachbereichsleiter Jörg-Andreas Otte, der am Donnerstagmorgen (1. 10.) auf Nachfrage unserer Redaktion deutlich unterstrich: „In dieser Sendung wurden falsche Behauptungen aufgestellt.“

So habe die Gemeinde angeblich „gegenüber dem WDR angekündigt, dass  die Problemunterkunft bald geräumt werden soll“, heißt es auch in dem Kurzbericht auf der WDR-Hompage, „Die Flüchtlinge sollen dann auf andere Einrichtungen verteilt werden.“

Eine solche Ankündigung habe es nie gegeben, widerspricht Otte.

Ebenso weist er den Vorwurf zurück, die Gemeinde ignoriere in der vom WDR besuchten Unterkunft ungesicherte Steckdosen, was lebensgefährlich besonders für Kinder werden könne:

„In diesen Unterkünften sind gar keine Kinder untergebracht. Die Steckdose, die in dem Fernsehbericht zu sehen war, war bei der Übergabe der Räumlichkeiten einwandfrei in Ordnung, genauso wie die gesamte Elektrik und die Unterkunft generell.“ Diese Steckdose führe auch überhaupt keinen Strom mehr.

Auf dem (völlig verdreckten) Herd, auf dem – so behauptete ein Flüchtling beim WDR-Dreh – zwei Platten kaputt seien, „wurden bei unserer Überprüfung sofort alle vier Platten heiß“, stellt Otte klar.

Der Fachbereichsleiter betont:

„Wir nehmen selbstverständlich solche Hinweise ernst. Es ist vielleicht etwas simpel, zu sagen: ,Die sollen einfach putzen.´ Es braucht eine Struktur und Reinigungspläne. Darum kümmern wir uns durch unseren Integrationsbeauftragten und den Hausmeister gemeinsam mit den Bewohnern. Und das tun wir jetzt auch noch einmal verstärkt.“

Jörg-Andreas Otte machte in unserem Gespräch allerdings eines klar:

„Wir haben die Unterkünfte in ordnungsgemäßem Zustand übergeben.“ Und er finde es ausgesprochen bedauerlich, dass durch einige wenige Bewohner nun die gesamte Gruppe in Verruf gerate.

Im Hauptausschuss am heutigen Donnerstag geht es erneut um das Thema: Dort steht der Antrag der SPD auf der Tagesordnung, die einheitliche Standards für die Flüchtlingsunterkünfte der Gemeinde fordert. Wir berichteten HIER.

Der Lokalzeit-Bericht am Dienstag endete mit der Feststellung, dass den Geflüchteten nur der Umzug in eine eigene Wohnung helfen könne, die jedoch schwer zu bekommen sei. Da könne jetzt jeder helfen, „da sind wir jetzt alle gefordert“, stellte die Moderatorin übereinstimmend nickend mit ihrem Studiogast Deniz Werth fest.

2 KOMMENTARE

  1. Egal wo, deutschlandweit gibt es seit Jahren Probleme mit Sauberkeit und Hygiene in Flüchtlingsunterkünften
    Da gibt es professionelle Grundreinigungen, Erneuerung der Geräte und Einrichtung, Ersatz für zertretene Türen.
    Es gibt /werden Putzpläne aufgestellt mit klaren Aufgaben, die Reinigung und Ordnung obliegt bei den Flüchtlingen. Es werden Gespräche dazu geführt. Mit welchem Erfolg wohl?? 3 Monate dieselben unwirklichen Zustände. Verdreckte Zimmer, die Öfen voller Dreck und Speck, zertretene Türen, siffige Toiletten.
    Und auch in Bönen ist das Thema nicht neu.
    Bereits im Februar fühlte sich die SPD Bönen gemüßigt den Rat persönlich und mit teilweisen unter der Gürtellinie vorgebrachten Beschuldigungen zu dem Thema anzugehen um nachher festzustellen dass vieles nicht den Tatsachen entspricht.
    Und auch N. Krämer als Integrationsbeauftragte der Gemeinde stellt am 7.3.20 gegenüber WA Bönen fest: „Das ist wie in jeder WG: Die Leute befinden sich in einer Zwangssituation und wohnen ja nicht freiwillig zusammen. Da gibt es die üblichen Probleme, dass keiner putzt oder den Müll runterbringt.“
    Offensichtlich haben aber einige der SPD Bönen und des Vereins Zuflucht Profilneurosen.
    Es ist durchaus legitim diese neuerlichen Zustände, für die einzig und allein die Bewohner selbst zuständig sind, aufzuzeigen.
    Aber so ein Fass aufzumachen und den, wie wir jüngstens mehrfach feststellen konnte, sehr stark links ausgerichteten und sicher nicht neutralen Sender aus Köln zu involvieren stößt zumindest bei mir auf Unverständnis.
    Es steht dem Verein und der SPD frei durch Bönen zu ziehen und Ersatz für die wieder fehlenden Einrichtungsgegenstände aufzutreiben.
    Vielleicht finden sie auch jemanden der freiwillig putzt und jemanden der die zertretenen Türen erneuert.
    Die Verantwortung wieder einmal der Allgemeinheit aufzubürden ist nicht legitim.
    Schließlich hat der Rat dafür zu sorgen dass auch sorgfältig mit den Steuereinnahmen umgegangen wird.

  2. es ist überall das gleiche – vielleicht sollten die welche die Flüchtlinge her geholt haben dort putzen und Arbeitseinsätze machen, Reparaturen durchführen und so weiter

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