Schuon – Wigant, Müller – Freck: Unna und Fröndenberg haben die ähnliche Wahl

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Ähnliche Konstellationen bieten sich den Wählern für die Bürgermeisterstichwahl am 27. September. (Fotos: RB/Webseiten der Kandidaten, Collage: RBU)

Die erste „Frau Bürgermeisterin“, mit SPD-Parteibuch? Oder ein CDU-Bürgermeister mit langjähriger Verwaltungserfahrung, der bereits im Rathaus seinen Arbeitsplatz als Beigeordneter hat?

Die Bürgermeisterstichwahl heute in einer Woche, am 27. September, bietet in Unna und Fröndenberg vergleichbare Konstellationen:

In beiden Städten möchte für die Sozialdemokraten erstmals eine Frau das höchste höchste Verwaltungsamt bekleiden, während die Christdemokraten einen Beigeordneten nominiert haben, in Fröndenberg zusammen mit der FDP.

Diese stellt sich in Unna für die Stichwahl ebenfalls hinter den CDU-Kandidaten, ebenso weitere Mitglieder kleinerer Parteien (WfU und FW).

Unna: Katja Schuon oder Dirk Wigant?

In Unna zog bei der Kommunalwahl am vorigen Sonntag (13. 9.) die SPD-Kandidatin Katja Schuon an CDU-Mann Dirk Wigant vorbei. Dieser lieferte sich ein dramatisches Kopf-an-Kopf-Rennen mit Claudia Keuchel (B90/Grüne), bis es schließlich zum hauchdünnen Sieg reichte.

Anders als aufgrund der programmatischen Nähe vielleicht zu erwarten gewesen wären, geben Unnas Grüne für die Stichwahl keine offizielle Wahlempfehlung für die SPD-Bewerberin ab, obwohl diese ein ausgeprägt „grünes“ Programm bietet.

So legt Katja Schuon, derzeit Leiterin des Kreisjugendamtes Unna, schon eingangs auf ihrer Homepage ihre Prioritäten fest:

MEINE VISION FÜR UNNA – GRÜN, LEBENDIG UND RUHIG

Screenshot aus Katja Schuons „Bewerbungsvideo“.

Ich lebe mit meiner Familie recht zentral in Unna. Wir haben kurze Wege zur Schule, zur Arbeit, zum Bäcker, zu Geschäften, Freizeitangeboten, Cafés und Restaurants. Im Sommer radele ich früh morgens vor der Arbeit durch die Stadt zum Fitnesstraining. Zu dieser Zeit herrscht einen tolle Stimmung. Es ist angenehm warm, die Luft ist gut, es ist noch ruhig, die Vögel singen.

Im Laufe des Tages wird es dann hektisch und laut. Mein „Hier ist es richtig schön“-Gefühl verschwindet. Ich möchte aber genau davon mehr über den Tag retten. Ich wünsche mir Unna als eine Stadt mit kurzen Wegen, mit viel Grün, möglichst wenig Lärm und möglichst viel guter Luft…“

Homepage Katja Schuon

Für Dirk Wigant, Beigeordneter der Stadt Unna u. a. für Ordnung und Sicherheit, stehen Bürgerbeteiligung auf allen Ebenen sowie ein neues Mobilitätskonzept im Mittelpunkt seiner Bürgermeisterbewerbung. Das von ihm avisierte Mobilätskonzept für Unna müsse alle Verkehrsteilnehmer gleichrangig berücksichtigen und nicht z. B. Radfahrer einseitig bevorzugen.

CDU-Bürgermeisterkandidat Dirk Wigant privat. / Screenshot – Website Dirk Wigant

„Ausgleichen und integrieren, Prozesse anstoßen und moderieren, Projekte steuern, Mehrheiten finden, Sitzungen leiten, die Stadt repräsentieren, die Verwaltung mit über 600 Mitarbeitenden und mehreren Töchtern und Beteiligungen wirtschaftlich organisieren, steuern und leiten, um den Bürgerwillen mit Rat und Verwaltung umzusetzen. Das alles und noch viel mehr sollte Unnas Bürgermeister können!
Für dieses höchste und zugleich vielseitigste Amt unserer Stadt sollte man sie dazu noch aus dem Effeff kennen sowie neben Führungserfahrung vor allem vielfältige Verwaltungs- und Fachkenntnisse haben.“

Dirk Wigant wird in der Stichwahl von WfU, FDP, FW und dem Vorstand des Bürgervereins Alte Heide offiziell unterstützt.

Homepage Dirk Wigant

Fröndenberg: Sabina Müller oder Heinz Günter Freck?

Quelle Kreis Unna.de

Ähnlich wie in Unna ist die Konstellation in Fröndenberg, wo der gemeinsame Bewerber von CDU und FDP am Wahlsonntag allerdings die Nase mit leichtem Vorsprung vorn hatte. Ob er ihn in der Stichwahl behaupten bzw. ausbauen kann, ist offen.

In Fröndenberg gab es mit vier Bewerbern nur halb so viele wie in Unna, entsprechend höher fiel auch die jeweilige Stimmenausbeute aus. Freie Wählergemeinschaft (FWG) wie auch Grüne geben jeweils eine Wahlempfehlung für die SPD-Kandidatin.

Die FWG aus explizit einem Grund: Anders als ihr konservativer Mitbewerber wohnt Sabina Müller in Fröndenberg und ist hier seit Jahrzehnten verwurzelt.

Unterwegs zu den Bürgern: SPD-Bürgermeisterkandidatin Sabina Müller und Landratskandidat Mario Löhr bei einem Sonntagsbesuch auf dem Hof Sümmermann mit Dr. Sümmermann. (Foto SPD Fröndenberg)

Sabina Müller führt derzeit Fröndenbergs größte Ratsfraktion, lebt seit 1994 in der Ruhrstadt. Zwei Jahre zuvor trat sie in die SPD ein. Sie ist selbstständige Buchhalterin: „Der Umgang mit Bilanzen, Gewinn- und Verlustrechnungen gehört zu meinem Alltag“, schreibt Müller auf ihrer Homepage.

Sie will sich insbesondere für Bürgernähe und soziale Gerechtigkeit einsetzen. Zusammen mit den Grünen setzte die von ihr geführte SPD-Fraktion die Schließung des Marktplatzes für Durchgangsverkehr und parkende Autos durch. Die FWG – die sie jetzt in der Stichwahl gleichwohl unterstützt – versuchte dagegen mit einem Bürgerentscheid anzugehen, scheiterte jedoch an formalen Fehlern.

„Als Tochter eines Stahlbauschlossers und einer Sparkassen-Mitarbeiterin wuchs ich in einer großen Vier-Generationen-Familie  mit einem Bruder auf. Hier lernte ich früh das Miteinander und den Zusammenhalt der Generationen schätzen. Seit über einem Vierteljahrhundert lebe ich jetzt bereits in Fröndenberg. Ich habe diesen Ort lieben gelernt und möchte mich auch weiterhin mit vollem Herzblut für Fröndenberg engagieren.“

Homepage Sabina Müller

Heinz Günter Freck bringt aus Sicht seiner Kritiker das Manko mit, dass er nicht in Fröndenberg wohnt und als Bürgermeister auch nicht von Werl in die Ruhrstadt ziehen würde. Fröndenberg bekäme damit nach dem Mendener Friedrich-Wilhelm Rebbe den wohnt, den zweiten Bürgermeister in Folge, der täglich in „seine“ Stadt ein- und wieder auspendelt.

Hingegen ist der Wohnsitz für die Unterstützer des erfahrenen Verwaltungsfachmanns kein ausschlaggebendes Wahlkritierium. Heinz Günter Freck ist seit mehr als 8 Jahren Kämmerer der Stadt Fröndenberg, kann einen sanierten Haushalt vorweisen und mit fast vier Jahrzehnten Verwaltungserfahrung punkten. Unter dem Motto „FRECK für FRÖNDENBERG“ wirbt der momentane Bürgermeisterstellvertreter für sich als „Teamplayer mit dem Gespür für den richtigen Weg“:

Der Kandidat privat – Screenshot von Heinz Günter Frecks Homepage.

“Ich möchte Fröndenberg weiter voranbringen!”

Fröndenberg hat in den letzten Jahren einen guten Weg genommen. Der Rat der Stadt hat in den letzten zwei Jahren etliche ambitionierte Projekte beschlossen, die es nun umzusetzen gilt. Ich denke da zum Beispiel an die Maßnahmen zur Innenstadtentwicklung und den Neubau von drei Feuerwehrgerätehäusern zur Umsetzung des Brandschutzbedarfsplans.

Die Stadtverwaltung zu führen und diese Projekte verantwortlich zu steuern, erfordert Fachkenntnisse. Ich habe diese Fachkenntnisse in meiner mehr als 38-jährigen Tätigkeit in der Kommunalverwaltung erworben und möchte sie zum Wohle der Stadt und ihrer Einwohner einsetzen. Hier in Fröndenberg arbeite ich inzwischen im neunten Jahr in leitender Funktion. Ich kenne die Stadt und ihre Menschen. Auch ohne in Fröndenberg zu wohnen, empfinde ich Verantwortungsbewusstsein und fühle mich den Menschen verbunden.“

Homepage Heinz Günter Freck

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