NS-Zeit: Stadt Unna legt Untersuchung zu Ex-Bürgermeistern, Stadtdirektoren und Ehrenbürgern vor

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Davidstern - Foto: S. Rinke


Die Kreisstadt „setzt sich aktiv mit der Aufarbeitung ihrer Geschichte während der Zeit des Nationalsozialismus auseinander“, teilt das Rathaus mit.

Grundlage dafür ist eine neue Quellenlage:

Seit März dieses Jahres ist die Mitgliederkartei der NSDAP im Nationalarchiv der USA online zugänglich, was eine präzisere Überprüfung von NS-Belastungen ermöglicht.

Auf dieser Basis wird sich der Kulturausschuss in seiner Sitzung am Montag, 14. September, mit einer wissenschaftlichen Einschätzung des Historischen Archivs der Stadt Unna zur Rolle ehemaliger Bürgermeister und Stadtdirektoren befassen.

Die Stadtverwaltung schlägt darin einen transparenten und differenzierten Umgang mit dem historischen Erbe vor.

Kern der Vorlage ist eine detaillierte Untersuchung von Dr. Frank Ahland, Leiter des Historischen Archivs, die auf Grundlage der neu zugänglichen Quellen und der Entnazifizierungsakten im Landesarchiv die Biografien von Funktionsträgern beleuchtet, die vor 1927 geboren wurden.

Ziel ist eine bewusste und öffentliche Auseinandersetzung mit der eigenen Stadtgeschichte.

„Die gründliche Recherche liefert eine unterschiedliche Einschätzung der individuellen Belastung der Personen und kommt zu dem Schluss, dass diese nicht pauschal beurteilt werden kann. Die Verwaltung folgt diesem differenzierten Ansatz in ihrem Vorschlag an die Politik“, erklärt die Pressestelle der Stadt.

Die Untersuchung des Historischen Archivs schätzt die Biografien unterschiedlich ein. Einige ehemalige Mandatsträger werden auf Grundlage der Quellen als überzeugte Nationalsozialisten und Karrieristen eingeschätzt.

Dazu gehören der ehemalige Bürgermeister Wilko Freiherr von Witzingerode (NSDAP-Mitglied seit 1929) sowie der ehemalige Bürgermeister Dr. Josef Fischer (NSDAP-Mitglied seit 1933).

Besonders schwer wiegt die Einschätzung zu dem ehemaligen Bürgermeister Emil Rasche, der sich u. a. aufgrund seiner Tätigkeit als Chefredakteur eines NSDAP-Parteiblatts als überzeugter NS-Propagandist darstellt.

Bei anderen Funktionsträgern, wie dem langjährigen Bürgermeister und späteren Ehrenbürger Erich Göpfert, legt die Recherche nahe, dass sie nicht aus Überzeugung, sondern aus Karrieregründen oder zum Selbstschutz in die NSDAP eingetreten sind.
Ein konkreter Fall, mit dem sich der Kulturausschuss am 14. September befassen wird, ist die nach dem ehemaligen Gemeindevertreter und späteren Ehrenbürger Emil Bennemann benannte Straße in Massen.

Die Recherche führt zu der Einschätzung, dass Bennemann als Opportunist handelte. Die Verwaltung schlägt vor, die Straße nicht umzubenennen, aber die Straßenschilder mit einer erklärenden Legende zu versehen, die seine Rolle im Nationalsozialismus historisch einordnet.

Der Kulturausschuss berät in seiner Sitzung am Montag, 14. September, über den Bericht des Historischen Archivs und die Verwaltungsvorlage. Die Entscheidung im Kulturausschuss dient als Empfehlung an den Rat, der dann final entscheidet, wie mit den Befunden umgegangen wird.

Die Sitzung des Kulturausschusses beginnt um 18 Uhr und ist öffentlich.

Quelle Stadt Unna

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