Als „Trostpflaster statt verlässlicher Schwimminfrastruktur“, gar eine „Bankrotterklärung“ für die Kreisstadt kritisiert die Ratsfraktion „Wir für Unna“ (WfU) den geplanten Bäderbus für Unna.
Ein solcher Shuttle zu umliegenden Freibädern (wir berichteten) ersetze nicht die eigentlich notwendige Lösung: ausreichend Wasserfläche in Unna, ihres Zeichens immerhin Kreisstadt, was der Bürgermeister und seine Presseabteilung in jeder Verlautbarung Dutzende Male betonen.
Mit dem Bäderbus-Antrag im Stadtentwicklungsausschuss am 18. Februar hatte sich die CDU offiziell von einem neuen Unnaer Freibad als Ersatz fürs Massener Freizeitbad verabschiedet.
Unnas zweitgrößte Ratsfraktion bat um die Kostenprüfung einer neuen Buslinie, die in der Freibadsaison die Freibäder der umliegenden Städte und Gemeinden mit Unna verbinden soll. Der Antrag wurde bei Enthaltung von WfU angenommen.
Jetzt liegt die Kostenschätzung der Verwaltung vor: 35.000 bis 50.000 Euro würde ein solcher Bäderbus-Shuttle die Unnaer Steuerzahler jährlich kosten.
- Als Zielfreibäder wurden z. B. die Schöne Flöte in Holzwickede genannt.
- Fröndenberg, ebenfalls mit nur einem Drittel der Einwohner von Unna, hat gleich zwei Freibäder zu bieten – das bürgerschaftlich getragene in Dellwig sowie das von den Stadtwerken betriebene Löhnbad in der Stadtmitte.
- In der Nachbarstadt im Norden, Kamen, wurde im vergangenen Jahr wie berichtet das Sesekebad neu eröffnet.
Alle genannten Kommunen sind in weniger als 20 Minuten von der Kreisstadt aus erreichbar.
Der von der CDU visionierte „Bäderbus“ soll einer konkreten Route folgen, hieß es in dem Antrag.
„Das Ziel wäre eine unkomplizierte Teilhabe für Bürgerinnen und Bürger an der vorhandenen Infrastruktur.“
Obwohl Kamen und erst recht Fröndenberg und Holzwickede deutlich kleiner sind als Unna, rechtfertigte die CDU ihren unverhohlenen Abschied von einem neuen Freibad für Unna unter anderem mit der Kleinheit Unnas, gleichwohl Kreisstadt. Wörtlich hieß es in dem Antrag:
„Für kleinere Städte wird es zunehmend schwieriger, jeweils eine breit angelegte Freizeitanlagen-Infrastruktur vorzuhalten. Finanzielle Spielräume werden immer kleiner und Anlagen wie Schwimmbäder erfordern ein hohes Maß an operativer und technischer Betreuung. Im Umkreis Unnas gibt es noch verschiedene Freibäder, die man mit einem pendelnden Bus erschließen könnte.“
Zumal Unna damit praktische Nachbarschaftshilfe leisten könne, argumentieren die Christdemokraten:
„Das Freibad Schöne Flöte in Holzwickede ist z.B. eine große Anlage, für die auch Modernisierungsmaßnahmen geplant werden, um die Anlage ,zukunftsfest´ zu machen. Eine gute Anbindung mit öffentlichen Verkehrsmitteln wäre für Besucher aus Unna ein attraktives Angebot.“
Erst im letzten Satz kam die Bürgermeisterpartei zum eigentlichen Kern ihres Antrags:
„Wir sehen für Unna nicht die finanziellen Kapazitäten, den geplanten Ersatzbau des Hellwegbades Massen mit einem Außenbereich zu versehen.“
Daher würde man gerne andere Möglichkeiten untersucht wissen, um den Unnaern Freibadbesuche zu ermöglichen.

Komplett unerwähnt blieb im Antrag der CDU das vereinsgetragene Unnaer Bornekampbad, das seinen Freibadbetrieb in den letzten Jahren sogar stetig ausgeweitet hat (zuletzt auf Eisschwimmen im Winter). Aus Sicht der Christdemokraten stellt das „BB´chen“ aber offenbar keine ernsthafte Alternative für Unnaer Freibadgäste dar. Wie uns der Verein bestätigte, seien mit ihm vor diesem Antrag keinerlei Gespräche geführt worden.
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Wir für Unna steht diesem Bäderbus-Shuttle aus vielerlei Gründen sehr skeptisch gegenüber: „Wenn den Bürgerinnen und Bürgern nicht das ermöglicht wird, was eigentlich notwendig wäre – ausreichende Wasserflächen vor Ort -, dann werden sie in andere Gemeinden gefahren, die mit dem Thema offenbar anders umgehen„, merkt Sven Arnt, Fraktionsvorsitzender, an.
Nach bisherigen Angaben soll der sogenannte Bäderbus den angespannten städtischen Haushalt mit 35.000 bis 50.000 Euro belasten. Geplant seien bis zu vier Fahrten täglich, beginnend am Busbahnhof.
Damit richtet sich das Angebot nach Einschätzung der Fraktion vor allem an Menschen aus der Innenstadt, während viele Stadtteile außen vor blieben.
„Natürlich kann man prüfen, ob ein solches Angebot überhaupt angenommen wird. Aber man muss auch ehrlich sagen: Viele Bürgerinnen und Bürger aus den Stadtteilen profitieren davon kaum oder gar nicht“, so Arnt.
Besonders kritisch sieht Wir für Unna, dass für den Bäderbus offenbar zügig Gespräche geführt und Ergebnisse erzielt wurden, während bei anderen dringenden Mobilitätsfragen, etwa bei passenden Schulbuslinien und besseren Verbindungen für Schülerinnen und Schüler, aus Sicht der Fraktion keine vergleichbare Dynamik erkennbar sei.
„Es ist schon erstaunlich, wie schnell für dieses Trostpflaster Lösungen präsentiert werden. Bei adäquaten Schulbusverbindungen scheint es hingegen nicht einmal im gleichen Maße Gespräche gegeben zu haben“, kritisiert Arnt.
Für die Fraktion ist der Bäderbus letztlich ein Symbol für ein tieferliegendes Problem. Über viele Jahre hätten politische Mehrheiten es nicht geschafft, in Unna ein ausreichendes Angebot an Wasserflächen sicherzustellen.
„Dieser Vorschlag ist im Grunde eine Bankrotterklärung. Er zeigt, dass man über Jahre versäumt hat, den Bürgerinnen und Bürgern in Unna eine angemessene Schwimminfrastruktur zu schaffen. Statt das Problem an der Wurzel zu lösen, organisiert man nun den Transport dorthin, wo andere Kommunen besser aufgestellt sind“, so Sven Arnt abschließend.
Quellen: WfU, eigene Berichterstattung




































