Die „Regenbogentreppe von Neheim“ mit ihrer schwarz-rot-goldenen Übermalung und dem von einer politisch aktiven Gesamtschulleiterin hergestellten Bezug zum Rechtsextremismus hat in der vergangenen Woche bundesweiten Bekanntheitsgrad erlangt. Jetzt hat sich auch die Elternevertretung der GSF eingeschaltet – mit einem Statement an die Stadt Fröndenberg, die Bezirksregierung Arnsberg und alle Eltern der Fröndenberger Gesamtschüler.
Wie berichtet, prüft die Bezirksregierung Arnsberg derzeit die Aussagen von Schulleiterin Verena Verspohl prüft, die diese in ihrer Funktion als Arnsberger Grünensprecherin getätigt hatte. Sie stellte das Übermalen einer von Schülern gestalteten „Regenbogentreppe“ in Neheim als „rechtsextremistische“ Handlung dar, was zu einer bundesweiten Empörungswelle in den sozialen Medien führte.
Daraufhin bezeichnete Verspohl selbst einer WhatsApp-Nachricht an die Eltern die teils extrem heftige Kritik an ihren Aussagen als überörtliche Hetzkampagne. Die Meinung der Bevölkerung dazu sei eine ganz andere als in „den nationalen, radikalen Internetforen und -Gruppen“, behauptet Verspohl und spricht von überwältigendem Zuspruch der Bürger, von Umarmungen durch Fremde auf der Straße.
Die Elternvertreter wiederum schickten am Dienstag (10. Februar) nach einer Sondersitzung mit dem Thema „Schulleitung“ ihre Positionierung an die Eltern, die Bezirksregierung Arnsberg als übergeordnete Schulbehörde sowie an die Stadt Fröndenberg als Schulträger.
In dem Schreiben, das unserer Redaktion als Screenshot vorliegt, distanziert sich die Elternvertretung klar von Extremismus in jeder Form, bescheinigt der Schulleiterin bisherige politische Neutralität in der Schule, verdeutlicht jedoch eindringlich, dass das schulische Umfeld neutral zu gestalten sei, in dem demokratische Meinungsvielfalt herrschen müsse und das nicht mit poltitschem Mandat vermengt werden dürfe.
Einen schulinternenr Terminhinweis im vorletzten Absatz hat unsere Redaktion unkenntlich gemacht.


Lesermeinung: Lokaler Konflikt wurde zu Grundsatzdebate über „Wokeness“ an Schulen hochstilisiert
Ein politisch interessierter Rundblickleser aus Fröndenberg, Holger van de Pol, kommt in einer sachlichen Bewertung der eskalierten Farbgebungsdiskussion zu dem Ergebnis, dass in der GSF jetzt vor allem Ruhe einkehren müsse. Er wirbt für einen neutralen Mediator / Moderator, mit demselben Ziel, das sich auch die Elternvertretung wünscht: Unterschiedliche Sichtweisen müssen konstruktiv, sachlich, unaufgeregt und gegenseitig respektvoll diskutiert werden dürfen, und einseitige Parteipolitik hat in einer Schule nichts zu suchen.
Holger van de Pohl schreibt:
„Die Gemengelage ist komplex, da hier verschiedene Ebenen aufeinandertreffen:
Die Schule (und insbesondere die Schulleitung) agierte im Sinne einer inklusiven, „bunten“ Wertevermittlung. Das Schulamt wiederum verlangt nach Neutralität und die Einhaltung formaler Dienstwege.
Durch die mediale Aufmerksamkeit und die Einmischung externer Akteure wurde ein lokaler Konflikt zu einer Grundsatzdebatte über „Wokeness“ an Schulen hochstilisiert. Lehrkräfte, Eltern und Schüler stehen zwischen den Fronten. Verunsicherung und ein Gefühl der Beobachtung behindern den normalen Schulalltag.
Um das Ziel – die Rückkehr zur pädagogischen Sacharbeit – zu erreichen, könnten folgende Schritte hilfreich sein:
Moderierte Mediation:
Ein neutraler, externer Mediator sollte den Dialog zwischen der Schulleitung, dem Kollegium und dem Schulamt begleiten. Es gilt, Missverständnisse auszuräumen, ohne dass eine Seite das Gesicht verliert.
Klarheit durch Leitbilder:
Die Schule muss (gemeinsam mit der Elternschaft) ein Leitbild festigen, das auf dem Beutelsbacher Konsens basiert: Überwältigungsverbot und die Behandlung kontroverser Themen als kontrovers. Das gibt den Lehrkräften Rechtssicherheit und nimmt Kritikern den Wind aus den Segeln.
Transparente Kommunikation:
Offene Elternabende, in denen die pädagogischen Ziele (z. B. Toleranz und Vielfalt) klar als Teil des staatlichen Bildungsauftrags benannt werden, können Ängste abbauen und Vertrauen zurückgewinnen.
Fokus auf das Kerngeschäft:
Priorisierung von Lerninhalten und Projekten, die den Zusammenhalt der Schulgemeinschaft stärken, fernab von tagespolitischen Symbolen.
Zusammenfassend betrachtet:
Eine Schule ist kein politikfreier Raum, da sie Kinder auf das Leben in einer Demokratie vorbereitet. Sie darf aber nicht zum Instrument politischer Grabenkämpfe werden. Die Rückkehr zur Sachlichkeit erfordert von allen Beteiligten – auch von der Schulaufsicht – ein feines Gespür für die Balance zwischen notwendiger Haltung und professioneller Distanz.“



































