Kampfhahn „Elkan“ aus Holzwickede findet Dauernistplatz bei „seinen“ Tottenham Hotspurs

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 Standesgemäß ging es für den Kampfhahn mit dem Mannschaftsbus von Borussia Dortmund nach London.

Holzwickede, Dortmund, München und nun schlussendlich Tottenham Hotspurs:

Beim traditionellen Champions Lunch der Vereinsrepräsentanten von Tottenham Hotspur und Borussia Dortmund vor dem Champions League Match übergab der Präsident der Auslandsgesellschaft Dortmund, Klaus Wegener, eine originalgetreue Skulptur des Wahrzeichens und Logos des Londoner Traditionsvereins aus dem Londoner Stadtteil Haringey.

Die Freude bei den Gastgebern war groß, denn mit dem Geschenk schloss sich ein Kreis. In den 60er Jahren war der vom legendären Dortmunder Künstler und Bildhauer Benno Elkan gestaltete Kampfhahn (Fighting Cockerei“) spurlos verschwunden, hatte also den sprichwörtlichen Abflug gemacht und war nicht wieder aufzufinden.

Originalgetreue Nachbildung durch Holzwickeder Diplomdesignerin Elke Strauch

Die Designerin Elke Strauch aus Holzwickede bildete um die Jahreswende 2013 den „Kampfhahn“ in wochenlanger Arbeit, nach langen Recherche-Studien und vielen Materialprüfungen originalgetreu nach. Bei der Nachbildung musste die Holzwickeder Diplomdesignerin auf Fotos und Beschreibungen zurückgreifen.

Diplomdesignerin Elke Strauch aus Holzwickede bildete den „Kampfhahn“ in wochenlanger Arbeit, nach langen Recherche-Studien und vielen Materialprüfungen originalgetreu nach.

„Fighting Cockerei“ war Geschenk von Arsenal London an den alten Rivalen Tottenham Hotspur

Benno Elkan hatte den „Fighting Cockerei“ 1949/50 im Auftrag von Sir Bracewell Smith, Präsident von Arsenal London, gestaltet. Die 43 cm große Skulptur schenkten die „Gunners“ im März 1950 den „Tottenham Hotspurs“ als Dank dafür, dass man ab 1941 auf dem Platz der „Spurs“ trainieren und spielen durfte. Das eigene Sportgelände von Arsenal London in Highbury war 1941/42 von deutschen Brandbomben dem Boden gleichgemacht worden. Das Geschenk war ein echtes Versöhnungs- und Aussöhnungs-Zeichen, denn beide Clubs stammen aus dem Londoner Norden und lieferten sich 1919 heftige Fan-Fehden. Die Elkansche Arbeit stellt also im weiteren Sinne einen „Kampfhahn der Versöhnung“ dar.

Elke Strauch, Gerd Kolbe und Klaus Wegener: Mutter und Väter des Werks 

Dass der Original-Kampfhahn ein Comeback feierte, ist neben der Künstlerin Elke Strauch zwei Männern zu verdanken. Gerd Kolbe, ehemaliger Pressesprecher der Stadt Dortmund und von Borussia Dortmund, erforschte intensiv das Leben der Familie Elkan. Die jüdische Familie Elkan zog in den 1870er Jahren nach Dortmund und wohnte in der Brückstraße. Salomon, der Vater, war Schneidermeister und Mitinhaber des „Herrenkleidermacher-Geschäfts Braun und Elkan“ in der Reinoldistraße.

Der leidenschaftliche Schachspieler war Mitbegründer, Motor und Präsident des Dortmunder Schachvereins 1875 und ist der wichtigste bekannte Schachpionier Dortmunds. Der Sohn Benno, 1877 geboren, entwickelte sich im 20. Jahrhundert zu einem der wichtigsten Künstler aus Dortmund.

Er studierte an den Kunstakademien in München und Karlsruhe, zeitweise auch in Paris und Rom und ließ sich 1911 mit seiner Familie zunächst in Alsbach an der Bergstraße und später in Frankfurt am Main nieder. Benno Elkan war ein bedeutender Bildhauer, Plastiker, Skulpteur und Medailleur, dessen frühe Werke in Dortmund auf dem Ostfriedhof und im Museum Ostwall zu bewundern sind. In der NS-Zeit wurde er mit Berufsverbot belegt und emigrierte 1934 nach London. Dort entstand in den 1950er Jahren sein wichtigstes Werk, die „Große Menorah“, ein fast fünf Meter hoher siebenarmiger Leuchter, der seit 1958 vor dem israelischen Parlament, der Knesset, in Jerusalem steht.

Während seines Sprachenstudiums in einem Schweizer Internat lernte der 17-jährige Benno von den Söhnen der englischen Oberschicht das Fußballspielen. Nach seiner Heimkehr gründete er 1895 mit Freunden den ersten Dortmunder Fußballverein, den DFC 1895, später DSC 1895 und heute TSC Eintracht 48/95. Am 27. Februar 1900 wurde er in seiner Münchener Studentenzeit einer der Gründer des FC Bayern München. Benno Elkan verstarb am 10. Januar 1960, im Alter von 83 Jahren, in London.

Benno Elkan – einer der großen Söhne der Stadt Dortmund

Wie Gerd Kolbe war auch der Präsident der Auslandsgesellschaft der Stadt Dortmund, Klaus Wegener, begeistert von der Idee, „Fighting Cockerei“ wieder aufleben zu lassen und damit Benno Elkan als einen der großen Söhne der Stadt Dortmund zu ehren und ihm und seinen Werken zu gedenken. Also vergab Wegener die Auftragsarbeit, ein möglichst originalgetreues Abbild des „Kampfhahnes“ zu gestalten, an Elke Strauch. 

Premiere im Februar 2014

Die daraufhin erarbeitete Skulptur bekam nach ihrer Fertigstellung sprichwörtlich Flügel und flog als Erstes im Februar 2014 in die säulenumrandete, 20 Meter hohe Rotunde im Dortmunder Museum für Kunst- und Kulturgeschichte anlässlich der weltweit-bekannten Schachtage in Dortmund ein. Dort feierte der „Gockel“ im Rahmen einer Feierstunde der Auslandsgesellschaft der Stadt Dortmund und des Historischen Vereins vor über 200 Gästen aus Kunst, Kultur, Wirtschaft, Politik und Sport seine Premiere. Seine Schöpferin, Elke Strauch, übergab die Skulptur im Rahmen einer Feierstunde offiziell. Nach dem „Chess-Meeting“ und vielen staunenden Blicken fand der „Fighting Cockerei“ seinen nächsten Ehrenplatz im Foyer des Orchesterzentrums Dortmund. Ein symbolträchtiger Ort, denn exakt hier, in der Brückstraße 47, hatte Benno Elkan 1877 als Sohn des jüdischen Ehepaares Rosalie und Salomon Elkan das Licht der Welt erblickt.

2019 Wechsel zum FC Bayern München

Viele tausend Menschen begrüßte der „Kampfhahn“ in seiner Vitrine im Eingangsbereich des Orchesterzentrums. Doch wie im Fußball üblich, wurden „Scouts“ auf die Skulptur aufmerksam. Ein Wechsel, eine spektakuläre Ausleihe stand ins Haus. 2019 zog es den Hahn zu keinem Geringeren als den Deutschen Rekordmeister FC Bayern München. Markus Wittner, der Leiter der Erlebniswelt des deutschen Rekordmeisters in der Allianz-Arena, „überredete“ Gerd Kolbe und Klaus Wegener, den „Kampfhahn“ ausleihen zu dürfen. Und zwar als Exponat für eine große Ausstellung, die unter dem Titel „Zwischen Atelier und Fußballplatz – Die Gründer des FC Bayern,“ stand, und am 27. Februar 2019 eröffnet wurde.

Ein Jahr lang sollte die Leihe betragen – doch es wurde mehr und länger, viel länger. Zunächst wurde die Ausstellung aufgrund der großen Besucherresonanz um mehrere Wochen verlängert. Und dann kam die Corona-Pandemie mit einer Besucherpause. Erst im Frühjahr 2021 sollte es für den „Fighting Cockerei“ wieder nach Hause gehen – und die Skulptur wieder einen Platz im Orchesterzentrum finden.

Überarbeitung im Januar 2026 – standesgemäße Anfahrt nach London im BVB-Mannschaftsbus  

Ein „Facelifting“ erfuhr der Kampfhahn Anfang 2026 für seinen Karrierehöhepunkt – der Unterbringung im Museum von Tottenham Hotspur. Nach der ganz starken Fußballkarriere über zwölf Jahre war die Auffrischung und das „Trainingslager“ bei Elke Strauch in Holzwickede notwendig. Standesgemäß ging es dann im Mannschaftabus von Borussia Dortmund nach London – und damit zum Champions League Lunch und ins Tottenham-Museum an exponierter Stelle.   

Elke Strauch: Ein Zeichen der Versöhnung

„Das in mich gesetzte Vertrauen, eines der bekanntesten Werke dieses großen Künstlers wieder zum Leben zu erwecken, ist eine ganz besondere Ehre“, sagt Elke Strauch. „Gerade in der heutigen Zeit sind, so Elke Strauch, die von Benno Elkan in seinen Werken transportierten Botschaften aktueller denn je. „Fighting Cockerei“ war ein Freundschaftsgeschenk, ein Angebot zur Versöhnung und Aussöhnung. „Der Dreiklang von Kunst, Kultur und Sport kann helfen, Gräben zu schließen“, so Elke Strauch aus Holzwickede.

  Der Präsident der Auslandsgesellschaft Dortmund, Klaus Wegener, übergab beim Champions Lunch im Rahmen des Champions League-Spiels zwischen Tottenham Hotspur und Borussia Dortmund den „Kampfhahn“ (Fighting Cockerei) an die Vereins-Repräsentanten der „Spurs“.

Quelle für Text und Fotos: Pressemitteilung E. Strauch / G. Kolbe

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