
Im Regelfall, verkündete der Automobilclub ADAC zu Beginn der Kar-Woche, erreichen die Kraftstoffpreise vor dem Osterwochenende ihren Höhepunkt und sinken bereits ab Ostermontagabend wieder deutlich ab. In diesem Jahr ist infolge des Irankriegs alles anders.
Der eine Teil der Regel bewahrheitete sich durchaus. Nicht erst von Karfreitag an, sondern bereits seit Beginn der „12-Uhr-Spritpreisregel“ am 1. April kennt die Spritpreisentwicklung im Durchschnitt nur noch eine Richtung, und zwar nach oben. Am Ostersonntag sprang der Dieselpreis an verschiedenen Tankstellen, z. B. bei Aral in Menden, zeitweilig auf 2,75 Euro.
Teil zwei der Oster-Regel des ADAC wurde in diesem Jahr ausgehebelt.
An der Tankstation Hemmerde (Capalm an der B1), seit Beginn der neuen Spritpreisregeln fast durchgehend die günstigste in Unna und eine der günstigsten im gesamten Kreis, herrschte am Dienstag nach Ostern (7. April) Hochbetrieb an den Zapfsäulen. Die Regel, dass der Spritpreis nur noch einmal am Tag erhöht werden darf – um 12 Uhr mittags – haben offenbar viele Autofahrer bereits verinnerlicht, so dass sich ab 11.30 Uhr in der Warteschlange langsam Nervosität breitmachte.
2,34,9 Euro kostete vor 12 Uhr der Liter Diesel an dieser günstigsten Tankstation, 2,17,9 der Liter Super. Neben Auto- und Lieferwagenfahrern nutzten auch mehrere Wohnmobolisten die Zeit vor dem berüchtigten „High Noon“ nochmals zum Volltanken.
Das Pächter-Paar Melanie und Ahmet Imran rechnet selbst eher damit, dass es mit denn Preisen weiter aufwärts geht. „Es ist aber tatsächlich unmöglich vorherzusagen, wie das alles weitergeht.“
Dass weniger getankt wird, hat Melanie Imran dabei noch nicht bemerkt.
Um Punkt 12 Uhr schnellten die Preise erwartungsgemäß hoch: für Diesel auf 2,49,9 Euro, für Super auf 2,24,9 Euro.


Den Preis senken dürfen die Tankstellen ab der Erhöhung dann beliebig während der nächsten 24 Stunden. Bisher haben sich die Preise seit Beginn dieser „High Noon“-Regel aber kontinuierlich weiter nach oben bewegt – was Kritiker schon vorausgesehen hatten. Zu diesen Kritikern gehört auch der Automobilclub ADAC. Er fasst die Entwicklung wie folgt zusammen:
Teurer als 2022: Dieselpreis erreicht Allzeithoch
An den fünf Tagen nach Einführung des sogenannten Österreich-Modells (1. April 2026) hat der Dieselpreis im Tagesdurchschnitt jeweils ein neues Allzeithoch erreicht. Am Ostermontag, 6. April, kostete ein Liter Diesel im bundesweiten Durchschnitt 2,443 Euro und lag damit um 0,3 Cent über dem Vortag.
Der bisherige Rekordwert von März 2022 wird damit inzwischen um über 11,8 Cent übertroffen, rechnet der ADAC vor.
Auch Super E10 verteuerte sich weiter und erreichte mit 2,192 Euro je Liter den höchsten Stand des Jahres. Zum höchsten E10-Preis aller Zeiten am 14. März 2022 kurz nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine fehlt nur noch ein Cent.
Verglichen mit dem letzten Tag vor Einführung der 12-Uhr-Regel am 1. April hat sich E10 seither um weitere 8,5 Cent pro Liter verteuert, Diesel um 12,7 Cent. Im Vergleich zum letzten Tag vor Kriegsausbruch ist es noch deutlich mehr: gut 41 Cent bei E10 und fast 70 Cent bei Diesel.
„Derzeit zeigt sich aber, dass die Neuregelung das aktuell hohe Preisniveau nicht senkt. Stattdessen führt die geringere Flexibilität von Mineralölkonzernen offenbar eher dazu, dass Unsicherheiten wie ein gegebenenfalls steigender Ölpreis vorweggenommen werden.“
Inwiefern die Möglichkeit, Preise jederzeit zu senken, genutzt wird, ist fraglich.
Verstöße gegen die neue Regel können übrigens mit einer Geldbuße bis zu 100.000 Euro geahndet werden. Teil des „Kraftstoffmaßnahmenpakets“ ist auch eine Verschärfung des Kartellrechts. Das Bundeskartellamt bekommt mehr Befugnisse gegen überhöhte Preise.
ADAC fordert Absenkung der Energiesteuer
Der ADAC spricht sich dafür aus, vorübergehend die Energiesteuer auf Kraftstoffe abzusenken. Diesel könnte auf den EU-Mindeststeuersatz für Energie abgesenkt und Benzin vergleichbar reduziert werden. Das würde für ca. 15 Cent Entlastung je Liter Kraftstoff sorgen.
Keine Engpässe beim Sprit zu befürchten
Um die Märkte zu beruhigen, geben Deutschland und die anderen 31 Mitgliedsländer der Internationalen Energieagentur (IEA) nun einen Teil der nationalen Ölreserven frei.
Sprit-Engpässe wären laut Bundeswirtschaftsministerium ein absoluter „Worst Case“, der nur durch eine anhaltende militärische Eskalation im Nahen Osten, kombiniert mit einer dauerhaften Blockade der Straße von Hormus, entstehen könnte. Derzeit gelangt jedoch weiterhin Rohöl ohne Einschränkungen nach Deutschland und die Lieferketten funktionieren – wenn auch zu deutlich höheren Preisen.
Engpässe gibt es deshalb aktuell nicht. Entspannung könnte nach Ansicht von ADAC Kraftstoffexperten eintreten, wenn die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC+) ab April ihre Fördermengen erhöht. Zusätzlich verfügt Deutschland über strategische Ölreserven, die eine Versorgung für rund 90 Tage selbst ohne jegliche Importe sicherstellen.
Da die Importe bislang allerdings weiterlaufen und die Reserven noch gut gefüllt sind, ist die Versorgung in Deutschland für mehrere Monate gesichert. Sollten sich die globalen Lieferbedingungen verschlechtern, würden die Preise zwar (weiter) stark steigen, gleichzeitig aber wohl auch der Verbrauch von Benzin und Diesel sinken. Deshalb ist davon auszugehen, dass die physische Versorgung – im Gegensatz zum Preisniveau – auch längerfristig stabil bleibt, schließt der Automobilclub.



































