
Die Saatkrähe und der Mensch. Man kommt sich immer öfter in die Quere.
Die Antwort der nordrhein-westfälischen Landesregierung auf eine Kleine Anfrage des heimischen Landtagsabgeordneten Hartmut Ganzke (SPD) zur stark wachsenden Saatkrähenpopulation im Kreis (wir berichteten HIER) enttäuscht und ärgert die Sozialdemokraten.
Ganzke kritisiert die Haltung der Landesregierung: „Die betroffenen Menschen und Kommunen werden mit dem Problem weitgehend allein gelassen. Statt konkrete Lösungen aufzuzeigen, versteckt sich die Landesregierung hinter Zuständigkeiten und rechtlichen Hinweisen.“
Ausgangspunkt der Anfrage waren anhaltende Nutzungskonflikte in mehreren Städten des Kreises Unna insbesondere in Unna und Holzwickede. Dort führen große Saatkrähenkolonien seit Jahren zu erheblichen Belastungen für die Bevölkerung, hatte die SPD eruiert.
Anwohner berichten über massive Lärmbelästigungen in den frühen Morgenstunden, starke Verschmutzungen durch Kot sowie Einschränkungen bei der Nutzung von Spielplätzen, Freizeitflächen und öffentlichen Verkehrsbereichen.
Auch im Ausschuss für Sicherheit und Ordnung (FSO) im Stadtrat Unna waren die Krähen jüngst Thema. Hier klagte der Billmericher Ortsvorsteher und Landwirt Bernhard Albers (CDU), dass ihm die hochintelligenten Vögel die Maisfelder plündern und sogar verdächtige Fahrzeuge anhand ihrer Felgenfarben unterscheiden können.
Sie zu vertreiben sei ein Ding der Unmöglichkeit. Albers brachte mehr oder weniger unverhohlen sogar den Abschuss der streng geschützten Vögel ins Gespräch.
Während sich die Unnaer Politiker erst einmal weiter schlau machen und mit Nachbarkommunen kurzschließen möchten, bestätigte die Landesregierung in ihrer Antwort an Hartmut Ganzke, dass der Bestand der Saatkrähen in Nordrhein-Westfalen mittlerweile bei rund 20.000 Brutpaaren liege. Gleichzeitig räumte sie ein, dass keine genaueren Erkenntnisse darüber vorliegen, wie viele Kolonien sich in innerstädtischen Bereichen befinden.
Für Ganzke ist das ein unbefriedigendes Ergebnis:
„Wenn die Landesregierung selbst keine belastbaren Daten darüber hat, wo genau die Konflikte auftreten, wird deutlich, dass dieses Problem bislang nicht ernsthaft politisch angegangen wurde.“
Besonders kritisch bewertet Ganzke, dass das Land den Kommunen kaum konkrete Unterstützung anbietet. Nach Angaben der Landesregierung beschränkt sich die Hilfe im Wesentlichen auf rechtliche und fachliche Beratung durch das Umweltministerium und die Vogelschutzwarte. Eine finanzielle Unterstützung für Kommunen ist ausdrücklich nicht vorgesehen.
„Die Städte stehen mit den praktischen Problemen vor Ort da, mit Beschwerden der Bevölkerung, mit verschmutzten öffentlichen Flächen und mit erheblichen Nutzungskonflikten. Wenn das Land dann lediglich auf Beratung verweist, hilft das den Kommunen kaum weiter“, so Ganzke.
Auch bei der Frage nach möglichen Änderungen der rechtlichen Rahmenbedingungen bleibt die Landesregierung aus Sicht des SPD-Abgeordneten vage. Aufgrund der europäischen Vogelschutzrichtlinie seien derzeit „keine rechtlichen Änderungen auf Landes- oder Bundesebene vorgesehen“, heißt es in der Antwort. Was natürlich schon eine klare Aussage ist: Es bleibt bis auf Weiteres alles, wie es ist.
„Damit wird das Problem faktisch vertagt. Minister Krischer liefert keine Antworten darauf, wie mit stark konzentrierten Populationen in dicht besiedelten Bereichen künftig umgegangen werden soll“, kritisiert Ganzke.
Parallel zu seiner Kleinen Anfrage hat auch die SPD-Kreistagsfraktion Unna das Thema aufgegriffen. Sie hat beantragt, dass der Kreis Unna im Rahmen der geltenden Rechtslage alle zulässigen Maßnahmen prüft, um besonders betroffene Kommunen zu entlasten und transparent darzustellen, welche rechtlichen Vorgaben weitergehenden Maßnahmen entgegenstehen.
Ganzke betont: „Wir stellen den Artenschutz nicht grundsätzlich in Frage. Aber wenn in dicht besiedelten innerstädtischen Bereichen tausende Menschen über Jahre hinweg erheblich beeinträchtigt werden, muss Politik eine nachvollziehbare Güterabwägung treffen.“ Der SPD-Landtagsabgeordnete fordert deshalb, dass die Landesregierung das Thema endlich aktiv aufgreift: „Die Menschen erwarten zu Recht, dass Politik Lösungen organisiert.“
Quellen Landtagsbüro Ganzke, RB-Archiv


































