Um einen einzigen alten Baum in seiner Ökobilanz zu ersetzen, braucht es bis zu 400 Jungbäume.
In einer nicht ganz glücklichen Pressemitteilungs-Doppelung lobt die Stadtverwaltung Unna am heutigen Mittwoch (3. 2.) vormittags ihre euen Baumanpfanzungen und kündigt nachmittags neue Fällungen an.
Diese seien mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt, versichert die Stadtpressestelle extra und betont damit eine eigentliche Selbstverständlichkeit.
Besagte Fällungen sind laut Stadt für die Erweiterung des Regenrückhaltebeckens an der Werler Straße notwendig.
„Der Beirat der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Unna hat den geplanten Baumfällungen dort zugestimmt“, heißt es in einer Mitteilung aus dem Rathaus. „Die Arbeiten können noch in der laufenden brutfreien Zeit bis zum 28. Februar durchgeführt werden und werden absehbar in der kommenden Woche beginnen.
Die Bäume müssen entfernt werden, da sie innerhalb des Beckens stehen und damit in dem Bereich, in dem erforderliche Arbeiten zur Erhaltung des Beckens notwendig sind.“
Da durch Regenwasser im Laufe der Zeit sich der kalkhaltige Untergrund teilweise aufgelöst habe, seien umfangreiche Absackungen und Hohlräume in den einzelnen Becken entstanden, erläutert die Verwaltung den Hntergrund der Arbeiten am Rückhaltebecken. „Um die Funktionstüchtigkeit der Anlage wiederherzustellen, müssen diese abgedichtet werden. Außerdem wurde bei der hydraulischen Überprüfung (Berechnung) eine zu geringe Speicherkapazität festgestellt, sodass die Becken zusätzlich vertieft werden müssen.
Das Regenrückhaltebecken dient der geregelten Einleitung von Oberflächenwasser in den Mühlbach. Hier werden Fauna und Flora vor Schaden geschützt. Durch die Erweiterung wird die Funktionsfähigkeit der Anlage langfristig gesichert.“
„Mehr neue Bäume für Unna – Stadtverwaltung verzeichnet deutliches Plus im Baumbestand 2025“ heißt es in einer zweiten Pressemitteilung dieses Tages, die am Vormittag verschickt wurde.
Darin unterstreicht die Stadt ihr Engagement für den Naturschutz:
„In Unna wurden im vergangenen Jahr deutlich mehr neue Bäume gepflanzt als gefällt.“
Nach dem jüngsten Bericht zur Baumbestandssatzung wurden 175 neue Bäume gesetzt, davon 43 Straßenbäume.
Demgegenüber standen 69 gefällte Bäume, von denen 36 Straßenbäume betrafen.

„Wo Fällungen unvermeidlich waren – etwa aus Gründen der Verkehrssicherheit oder durch Bauvorhaben –, sorgt die Verwaltung für geeignete Ersatzpflanzungen„, streicht die Stadt heraus. „Damit konnte der öffentliche Baumbestand 2025 netto um mehr als 100 Bäume vergrößert werden – ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz und zur Verbesserung des Stadtklimas“, so die Behauptung.
Die Rechnung geht jedoch in keiner Weise auf. Denn ein alter Baum ist in seiner Ökobilanz in keiner Weise mit der eines Jungbaumes vergleichbar.
Zum Tag des Baumes am 25. April, der 1952 von der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald ins Leben gerufen wurde, rückte der Forstwissenschaftler Prof. Andreas Roloff – Forstauskenner mit großer Expertise für sehr alte Bäume – „Baumsenioren“ besonders ins Rampenlicht rücken.
400 Jungbäume für einen Senior
Roloff errechnete ein Forschungsergebnis, das ihn zunächst selbst skeptisch machte, ob da nicht ein Rechenfehler vorliege. Zu gewaltig schien ihm die Summe.
Doch auch nach mehrmaligem Nachrechnen mit unterschiedlichen Methoden blieb das Ergebnis gleich:
Es brauche etwa 400 junge Bäume, um die Umweltleistungen eines Altbaums mit einem Kronendurchmesser von etwa 20 Metern zu ersetzen – konkret also um genauso viel Luft zu filtern, Schatten zu werfen, zu kühlen und CO2 zu speichern.
Das Forschungsergebnis mache umso deutlicher, wie viel mehr Altbäume in unserer Umgebung geachtet und gepflegt werden müssten. Sie dürften insbesondere nicht leichtfertig gefällt werden, um etwa Baufreiheit zu schaffen, betont der Forstwissenschaftler.
Die Stadt Unna ließ 2024 bekanntlich unter anderem sieben gesunde, viele Jahrzehnte alte große Linden an der Hertingerstraße fällen, um dort einen neuen Kreisverkehr und Hol- und Bringzonen für die neue Grundschule zu bauen.
Denn die derzeit bei Fällungen angeordneten Ersatzpflanzungen von ein bis drei Jungbäumen haben laut Kritik von Forstwissenschaftler Roloff allenfalls eine Alibifunktion.
Die Gegenüberstellung der Stadt Unna, die alte und junge Bäume in ihrem Wert für den Umweltschutz 1:1 gegenüberstellt, ist daher aus wissenschaftlicher Sicht nicht zu halten und reine Schönfärberei.
Nach einem weiteren Absatz des Selbstlobes („Die Zahlen zeigen deutlich, dass wir unsere Verantwortung für Klima und Umwelt ernst nehmen“, wird der Grüne Beigeordnete Sandro Wiggerich zitiert) folgt in der Pressemitteilung der Stadt noch ein Hinweis auf die Baumbestandssatzung der Stadt Unna, die seit Ende 2023 den Erhalt und die Entwicklung der Bäume auf öffentlichen Flächen regelt.
Unerwähnt lässt Bürgermeister Dirk Wigants (CDU) Pressestelle, dass die Baumschutzsatzung für private Grundstücke in Unna schon vor vielen Jahren laut Mehrheitsbeschluss vom Rat abgeschafft wurde und auch unter Schwarzgrün in der vergangenen Ratsperiode nicht wieder in Kraft gesetzt wurde.




































Wofür brauchen wir Bäume? Das erklärt die schlechte Luft in Unna.
Mit Ehrlichkeit hat es das Stadtverwaltungsteam um diesen schwachen Wiegand ja bekanntlich nicht so sehr.
Bei der nächsten Kommunalwahl den richtigen Kandidaten wählen!!!!!
Diese Sichtweise, einem alten Baum einen Jungen gegenüberzustellen ist irreführend. Es wäre auch absurd, wenn man für einen Baum, der entfällt, 400 neue BHäume pflanzen würde. Schon daren zeigt sich die Naivität dieser Sichtweise oder auch die Böswilligkeit.
Betrachtet man den Bestand von Bäumen in einem Gebiet über einen gewissen Zeitraum, so ergibt sich ein anderes positiveres Bild. Abgängige Bäume müssen so durch Neupflanzungen ersetzt weden, dass der Bestand mindestens gleich bleibt. Dies ist hier geschehen und sogar noch mehr. Die Bilanz ist positiv.
Um auf die Baumschutzsatzung zurück zu kommen, so war der Bürgermeister Wiegand durchaus aufgeschlossen, sie wieder einzuführen, scheiterte aber an dem Widerstand von SPD und CDU. Nur eine Partei war dafür und diese gehört nicht zu den Neulingen im Rat.
Die von Ihnen nicht namentlich gwnannten Neulinge im Rat waren bei der letzten Diskussion um die Wiedereinführung der Baumschutzsatzung für private Grundstücke noch gar nicht im Rat vertreten, Herr Griesohn-Kluth, insofern ist Ihre Bemerkung unverständlich, es sei denn, Sie möchten hier lediglich Ihre eigene Partei ein bisschen durch die Blume promoten. „Böswillig“ ist es unseres Erachtens wohl eher, den Bürgen mit selbstlobtriefenden Rathauspressemitteilingen strahlende Umweltbilanzen vorzugaukeln. Dass Sie einem renommierten Wissenschaftler naive Sichtweisen unterstellen, lassen wir dahingestellt. Es war im Übrigen nicht Ihre Partei, die wenigstens den Versuch gemacht hat, die Fällung der sieben über 80 Jahre alten Linden an der Hertingerstraße zu verhindern. Das war damals die FLU. Beste Grüße von der Redaktion.
Berichtigung meine Mailadresse:
mgriesohn@posteo.de
Früher bestanden Pressemitteilungen der Behörden noch eher aus neutrale Informationen für die Bürger. Inzwischen werden sie immer mehr zu politische PR Werbeerzählungen. Ohne Nachrichtenportale wie der Rundblick Unna kann die Politik unwidersprochen Pressemitteilungen von sich geben. Es findet ja sonst keinerlei öffentliche Revision statt.
Der Pressesprecher der Stadt Unna ist der ehemalige Redaktionsleiter der einzigen verbliebenen Tageszeitung in der Stadt dessen Berichterstattung hinter Bezahlschranken verborgen ist. Es gibt zwar diese privaten „Wir in unserer Stadt“ Foren in den sozialen Netzwerken, die werden aber nicht profesionell journalistisch betreut.
Den mündigen Bürgern kann ich nur eines empfehlen:
Übernehmt nicht einfach nur ungefragt jede städtische Mitteilung sondern hinterfragt sie und lest auch zwischen den Zeilen !
Dieser Empfehlung können wir uns nur dringend anschließen, Schmunzler.
Genau das habe ich auch gedacht. Wo sind die hunderte Ersatzpflanzungen für die Riesen der Hertingerstr die dem Schulneubau geopfert wurden ?
Fragt mal die Autobahn GmbH, die rund um Unna B1,A44, A1 T A U S E N D E Bäume gefällt haben und wahrlichen Kahlschlag auch bei Sträuchern betrieben haben, welche Wälder sie demnächst an Ort und Stelle nachpflanzen und vor allem WANN ?!
Bei jedem Bau egal ob Haus, Straße, Schule, Firma, Feuerwache wird großzügig kahl geschlagen und dann ein paar Bleistiftpseudoersatzbäumchen vor der Tür gepflanzt.
Damit wird aber auch jeder Bürger kalt gestellt und eingelullt.
Ich rate den aufgebrachten „Baumschützern“ sich in Rat und Ausschüssen zu informieren.
Sprechen sie auch gerne die Ortvostehenden und Vertreter im Stadtrat an.
Was von aussen so einfach erscheint, sieht manchmal anders aus, wenn man gut informiert ist.
Das besorgt auch unsere Presse, die für ihre Arbeit auch bezahlt werden möchte. Was nichts kostet …. Der Spruch ist bekannt.
Ich habe neinen Klarnamen genannt. Warum ist das hier bei den anderen nicht üblich?
Ihre Kommentare hier haben aufschlußreiche Einblicke in die Psyche eines Ratsmitgliedes der Partei die GRÜNEN in Unna offenbart. Gehen sie ruhig öfters namentlich an die Öffentlichkeit um ihre Positionen darzustellen. Auch für ihre relativ kleine Wählerschaft.
Die Opposition im Rat fände das sicherlich auch gut.
Michael Griesohn-Kluth: Keine Ahnung warum, aber seltsamerweise fordern immer die Mitbürger eine Klarnamenpflicht, welche sich selber dadurch am meisten bloß stellen.