
Die geheimnisvollen Projektoren an der Wasserstraße und an anderen Stellen in der Unnaer City sorgen bereits seit Tagen bei unserer Leserschaft auf Social Media für Gesprächsstoff. Jetzt ist die Rätselei „Was kommt dort wohl hin…?“ beendet.
Am Donnerstagnachmittag, 15. Januar, lüftete das Stadtmarketing Unna das Mysterium mit folgender Pressemitteilung:
„In der dunklen Jahreszeit möchte Unna Marketing mit dem Projekt ,LichtMomenteUnna´ für mehr Helligkeit, Stimmung und Überraschung in der Innenstadt sorgen.
An ausgewählten Stellen setzen wir gezielte Lichtakzente, beleuchten einige Fassaden und rücken Straßen und Plätze neu in den Blick.
So entstehen kleine Lichtmomente, die zum Spazierengehen, Verweilen und Entdecken einladen – ganz einfach, aber wirkungsvoll. Ziel ist es, die City auch abends lebendig zu halten und Lust zu machen, Unna neu zu erleben.“
Das Besondere dabei, verrät das Unna-Marketing: „LichtMomenteUnna wird zwar inspiriert und in Teilen gecoached durch die Macher von world of lights (die zum Beispiel auch jedes Jahr im September bei den „Stadtlichtern“ den Westfriedhof illuminieren), dennoch erfolgt die Umsetzung weitestgehend mit eigenen Mitteln und durch das Team des Stadtmarketings.
Dieses bekommt seit zwei Jahren auf Ratsbeschluss jährlich 50.000 Euro extra aus dem städtischen Haushalt gezielt für die Attraktivierung der Innenstadt. Dazu zählten bisher z. B. Sitzgelegenheiten, Blumenpyramiden, Liegestühle oder der sommerliche „Beach“ an der Hertingerstraße.
„Es ist ein erster Versuch, ein Experiment, bei dem wir bewusst Neues ausprobieren“, erläutert die Marketinggesellschaft ihre neue Idee. „Das Projekt ist noch im Aufbau, kann wachsen und weiterentwickelt werden – je nachdem, wie es ankommt und welche Ideen entstehen.“
Daher bittet das Stadtmarketing um „etwas Nachsicht, wenn manches nicht ganz so perfekt erscheint: Es geht um Atmosphäre, Kreativität und den Mut, etwas auszuprobieren. Wichtig ist, dass es Spaß macht, mehr zu entdecken.“
Quelle: PM Unna-Marketing








































Unna ist einfach unattraktiv. Teuer und alt, keine Parkplätze, keine Boutiquen, keine kleinen Cafés. Was soll man in Unna? Shoppen auf der Massener Str. Ist einfach nicht genug.
Da ist Lünen viel anziehenden. Da kann man eine schöne Zeit verbringen. Auch ohne Licht.
Die Lichtinstallation ist für dessen räumliche Größe zu unprofessionell durchgeführt.
Für die einfache Masse reichen halt ein paar bunte Lichter irgendwo hingestellt aus. Da muß es einfach nur irgendwie „bunt“ sein. Erfahrene Fachleute betrachten so etwas aus einer anderen Perspektive aus.
Ein Veranstaltungstechniker, der bei der Stadtmarketing Unna im Öffentlichen Dienst ausgebildet wird oder dort arbeitet, hat in der echten freien Wirtschaft kaum Chancen. Die träumen verständlicherweise immer davon, mal ein großes Stadion richtig auszuleuchten. Klar sind die heiß darauf auch mal etwas größer ihre Spots zu verteilen. Das kann ich nachvollziehen weil man sich außerhalb der freien Wirtschaft bei einer kleinen örtlichen Stadtmarketingbehörde nicht richtig austoben kann. Mit dem breiten Spektrum in der freien Wirtschaft oder mit Veranstaltungen auf höhere Ebenen kommen die beruflich ja gar nicht in Kontakt.
Weniger bunt ist allerdings mehr. Es ist ein großer Unterschied, ob man eine Mallorcaparty, eine Gala, ein großes Festival, ein Stadion, ein Altstadtfest, eine Vorstandssitzung, einen Bundesparteitag, eine Kirmis, ein Ballet, eine hochwertige künstlerische Theatervorstellung ausleuchtet, oder eine altehrwürdige Stadt.
Zumindest bezeichnet es Stadtmarketing Unna ehrlicherweises nicht als „Lichtkunst“ und es wurde auch nicht ein ganz so extremes buntes Kirmisgeflacker wie sonst bei der Firma „world of lights“ installiert. Im künstlerischen Kulturbetrieb haben die keine sonderliche Erfahrung und Referenzen. Die konzentrieren sich sinnbildlich ausgedrückt eher finanziell erfolgreich auf das „RTL2“ anstatt auf das „Arte“ Publikum, was ja auch wirtschaftlich legitim ist.
Die einzelnen von innen beleuchteten kleinen Standtraversen mit der Hausse gehen meiner Ansicht nach unter und wirken deplaziert. Die helle Hausse kann schnell dreckig werden. Die abführenden schwarzgelben Kabelmatten auf dem Boden wirken sehr störend. Der Wassertank neben der einen Traverse stört das Gesamtbild ebenfalls. Das blaue Geflacker auf dem Boden wirkt eher zu aufdringlich anstatt wie ein nettes entspanntes Hintergrundambiente. Die aufwendig installierten bereits bestehenden Lichtleisten im Boden vom Markt aus Richtung der blauen Lichtsäule an der Lindenbrauerei werden farblich zu sehr übertüncht und schmälern dessen Effekt. Wenigstens oberhalb der bereits bunt beleuchteten neuzeitlichen Ladenzeilen hat Unna noch eine historische Architektur, die wird nun lediglich durch bunte „Farbbomben“ übertüncht.
Aber vor allem:
Die farblichen Effekte an den einzelnen Geschäften orientieren sich eher an die jeweiligen Farben des Firmenlogos und ergeben so kein stimmiges Gesamtkonzept über die ganze Fußgängerzone hinweg !
Andere Städte haben professionell witterungsbeständige Dauerinstallationen zur Beleuchtung in der Innenstadt installiert. Es gibt auch Fachfirmen die sich darauf spezialisiert haben. Dabei wird darauf geachtet das die Gesamtwirkung stimmig ist. Weniger bunt ist in der Regel mehr. Für ein paar Euro hätte man einen professionellen bundesweit renommierten Lichtdesigner dazu holen können anstatt lediglich nur auf regionale Kräfte zurück zu greifen. Einen bekannten Beleuchtungsmeister aus der Theaterwelt in Verbindung mit einem studierten Bühnenbildner hätte man auch zur Beratung hinzuziehen können.
Wirklich respektabel und ehrlich finde ich die Aussage von stadtmarketing Unna:
„Daher bittet das Stadtmarketing um „etwas Nachsicht, wenn manches nicht ganz so perfekt erscheint: Es geht um Atmosphäre, Kreativität und den Mut, etwas auszuprobieren. Wichtig ist, dass es Spaß macht, mehr zu entdecken.“
Allerdings repräsentiert die Fußgängerzone die über 1000 jährige Stadt Unna für tausende Besucher. Ein großer öffentlicher Raum mit Publikum ist kein Probierfeld, wo jemand herumprobiert und mit seiner „Kreativität“ herumspielt nur weil er bei der Stadt angestellt ist.
Für ein paar Tage kann man das ja mal aus Spaß machen und ich hätte kein Kommentar geschrieben, aber nicht dauerhaft über einen längeren Zeitraum.
Angenommen ein Veranstalter plant ein Event mit zehntausende Besucher und er bekommt so einen Vorschlag von einer Veranstaltungsfirma. Man erwartet dort ein stimmiges professionelles Gesamtkonzept von einer Firma mit viel Erfahrung und Referenzen.
Man engagiert dazu nicht einfach eine Firma nur weil sie gerade im selben Ort wie der Veranstalter sitzt damit die mal etwas „herumprobieren“ kann.
Schon gar nicht für eine Stadt die sich „Lichtkunststadt“ nennt und nicht „Kirmisstadt“ !
Die temporären Lichtinstallationen während der Fiesta Italiana in Unna finde ich sehr professionell und gelungen. Allerdings hat man für dieses größer angelegte Lichtkonzept auch nicht die Veranstaltungstechniker von Stadtmarketing Unna oder die Veranstaltungsfirma genommen nur weil sie halt im Ort ansässig sind. Musikbands, die zum Stadtfest kommen oder Veranstalter welche die Stadthalle mieten bringen meistens ihre eigenen Lichttechniker mit.
PS:
Die Technik und Elektronik ist so installiert nicht dauerhaft wetterbeständig. Die einzelnen kopflastigen hohen Standtraversen müssen schon ordentlich in den Boden gedübelt worden sein. Die Kosten für die Beaufsichtigung und Wartung werden wohl höher als die ursprüngliche Installation. Bei Stadtfesten habe ich oft erlebt das über Nacht ohne richtige Aufsicht technische Teile schnell gestohlen wurden. Ohne Nachtwache kann man bei einem Stadtfest eigendlich nichts über Nacht stehen lassen. Die 4 Bolzen aus der Traverse raus und das Teil mit den 4 kleinen Robes ist zum Beispiel innerhalb einer Minute wegtransportiert oder in einem Lieferwagen verschwunden.
(Trotzdem mein Dank und mein Respekt an Wolfgang Flammersfeld von world of lights aus der Zeit, als er noch mit seiner Slow Food Honka Bluesband im Rockpoint geprobt und das legendäre Bluesfestival organisiert hat. Die Zeit als ich Persönlichkeiten wie John Hammond, Alexis Korner, Luther Allison und andere Backstage erleben durfte. Als ich eine Veranstaltung mit den Ace Cats angedacht hatte und er mir erklärt hat, das ich bei dieser Planung in Unna an ihn nicht vorbeikommen würde 🙂 )
Ein kleiner Funfact nebenbei:
Was macht eigendlich der LKW von Stadtmarketig Unna mit Verbrennermotor in der Fußgängerzone auf dem Foto?
Die Stadt hat doch gerade erst im Rahmen der „Weltklimarettung“ und SMARTcityeinrichtung Cityhubs eingerichtet und die Anlieferung von Waren bis direkt in die Fußgängerzone herein verboten. Die müssen nun außerhalb der Fußgängerzone ausgeladen werden und umständlich per Hand in die Fußgängerzone geschleppt werden. Jeden Tag mehrere Tonnen Gewicht an Waren.
Die Stadt Unna mit ihren eigenen Mitarbeitern scheint kein Bock auf die eigenen verrückten Klimavorschriften zu haben die sie anderen aufdrückt.
So ein paar Traversen, Leuchtmittel oder Kabel hätte man doch auch ohne LKW von außen in die Fußgängerzone tranportieren können 🙂