Meinung: „Vorurteile auf Empfang – und die Realität im Kreis Unna“

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Bild: KI-generiert
  • Ein Meinungsbeitrag unserer freien Mitarbeiterin Michaela Neu

„Im Kreis Unna leben mehrere tausend Menschen, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind. Sie wohnen in Bergkamen, Kamen, Lünen oder Schwerte. Sie stehen morgens auf, bringen Kinder zur Schule, gehen zu Terminen, suchen Arbeit, kämpfen mit Krankheit oder schlicht mit zu wenig Geld. Und doch reicht oft ein Begriff, um sie zu stigmatisieren: „Bürgergeld-Empfänger“.

Dabei ist das Bürgergeld längst Geschichte. Seit Jahresbeginn greift eine neu strukturierte Grundsicherung. An den Vorurteilen hat das wenig geändert. Die Bilder im Kopf sind geblieben – gespeist aus Fernsehsendungen, die Armut seit Jahren zur Kulisse machen. Formate auf RTL II prägen das öffentliche Bild stärker als jede Statistik: laut, zugespitzt, konfliktgeladen.

Was dabei regelmäßig untergeht, ist die regionale Realität – auch hier im Kreis Unna. Die meisten Menschen in der Grundsicherung sind keine Fernsehfiguren. Sie sind Aufstocker, Alleinerziehende, Langzeiterkrankte, Menschen in Übergangsphasen. Viele arbeiten bereits oder haben jahrzehntelang gearbeitet. Der Leistungsbezug ist für sie kein Dauerzustand, sondern ein Sicherheitsnetz – oft ein beschämendes.

Die neue Grundsicherung bedeutet keineswegs weniger Kontrolle. Im Gegenteil: Mitwirkungspflichten sind klar definiert, Termine verbindlich, Sanktionen wieder schneller möglich. Wer zumutbare Arbeit ablehnt oder Termine ohne Grund versäumt, muss mit Kürzungen rechnen. Wohnkosten gelten nur bis zur Angemessenheitsgrenze. Rücklagen werden geprüft. Jeder Antrag ist ein Offenlegen des eigenen Lebens.

Von „bequemem Durchkommen“ kann keine Rede sein. Die Grundsicherung sichert kein gutes Leben – sie sichert das Existenzminimum. Punkt.

Trotzdem hält sich das Misstrauen. Vielleicht, weil es leichter ist, pauschal zu urteilen, als hinzuschauen. Vielleicht auch, weil Armut im Fernsehen seit Jahren als persönliches Versagen erzählt wird. Wer diese Bilder oft genug sieht, glaubt irgendwann, sie seien die Regel.

Doch im Kreis Unna zeigt sich ein anderes Bild: steigende Lebenshaltungskosten, angespannter Wohnungsmarkt, prekäre Beschäftigung. Wer hier den Anschluss verliert, fällt schnell – und braucht Hilfe, um wieder aufzustehen.

Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht, wie streng ein System sein muss. Sondern wie fair eine Gesellschaft mit denen umgeht, die es auffängt. Solange Vorurteile lauter sind als Fakten, bleibt soziale Sicherung ein politisches Streitthema – und für Betroffene eine tägliche Rechtfertigung.

Vielleicht wäre es an der Zeit, weniger über Klischees zu sprechen und mehr über die Menschen vor der eigenen Haustür.“

3 KOMMENTARE

  1. Ich vermute, die meisten Vorurteile betreffen eine Gruppe von Bürgergeldempfängern, die hier nicht erwähnt und gelegentlich als „Rosa Elefant im Raum“ bezeichnet wird…

  2. Ich hoffe, die Dame arbeitet nicht als freie Mitarbeiterin journalistisch beim Rundblick:

    „Dabei ist das Bürgergeld längst Geschichte. Seit Jahresbeginn greift eine neu strukturierte Grundsicherung.“
    Das ist schon mal Quatsch und die erste Falschbehauptung. Die Grundsicherung soll erst am 01.07.2026 eingeführt werden. Es gibt sie noch gar nicht.

    Außer der neuen Bezeichnung wird sich nicht sonderlich viel ändern.
    Etwas mehr Druck zum regelmäßigen Termin zu erscheinen ist für den Empfänger kein großes Problem, solange er beim Termin keine verpflichtende Tätigkeit aufgebrummt bekommt. Stärkere Verpflichtungen zur Aufnahme von Tätigkeiten werden mit der Grundsicherung nicht eingeführt !!!
    Nach ständiger Rechtsprechung des Bundessozialgerichts dürfen Meldeversäumnisse nur bei schuldhaftem Verhalten sanktioniert werden. Krankheit, psychische Krisen oder objektive Hinderungsgründe gelten als wichtige Gründe und müssen aufgeklärt werden. Eine vollständige Kürzung wie populistisch angekündigt ist vom Bundesverfassungsgericht her gar nicht möglich. Vielleicht wird noch die Karenzzeit bei der Überprüfung von Vermögen etwas verkürzt. Die Regelsätze bleiben unverändert.
    Das war es dann auch.
    Es gab früher mal harte H4 Zeiten beim Jobcenter in Unna. Die sind aber vorbei.

    Die Ausführung von Frau Michela Neu, das die meisten Menschen in der Grundsicherung Aufstocker, Alleinerziehende, Langzeiterkrankte oder Menschen in Übergangsphasen sind, stellt ebenfalls ein verzerrtes Bild dar. Sie zählt einseitig nur die auf, die kaum Vorurteilen ausgesetzt sind.

    Viele Mitbürger werden durch das bequeme Bürgeld zur Dauerarbeitslosigkeit erzogen.
    Zudem wird verschwiegen, das Bürgergeldfamilien tatsächlich oft mehr Einkommen beziehen als berufstätige Familien. Die Aufnahme einer Tätigkeit sich also finanziell nicht rechnet.

    Die SPD will ihre Klientelpolitik weiterführen. Viele wählen entsprechend ihrer Ahängigkeit vom Bürgergeld links. Die CDU will ihre Wählerschaft durch die bekloppte Umbenennung psychologisch etwas beschwichtigen.

    Persönlich habe ich Null Ressentiments gegen Bürgergeldempfänger und keinerlei Sozialneid.

    Die 50 Millarden Euro für alle Bürgergeldempfänger jedes Jahr sind weitaus weniger als die Bundeswehr mit ihren 180.000 Soldaten erhält. 50 Milliarden Euro wurden bisher alleine in den Ukrainekrieg gepumpt. Über 1 Billon Euro wurden während der Coronamaßnahmezeit umgeschichtet. Fast 1 Billion Euro durch die Klimaagenda. Die Kosten für Bürgergeldempfänger sind nicht das große Ausgabenproblem des Landes, zumal ein wesentlicher Teil durch Steuern wieder zurück geführt wird. Ein wesentlicher Anteil der Bürgergeldkosten geht auch in die Verwaltung und den Personalaufwand.
    Im Öffentlichen Dienst wird weitaus mehr Geld verballert als bei den Bürgergeldempfängern.

    Durch die öffentlichen Berichte von Frau Michaela Neu von ihrer Tätigkeit als stolz geboosterte Mitarbeiterin im Testzentrum wird sie sicherlich keinerlei Symphatien und Mitgefühl für mich gehabt haben, der sich nie testen ließ, nie eine Maske getragen hat, nie Abstand gehalten hat und in der Zeit viel unter Menschen war. Als man mich deshalb wie Millionen andere von der Gesellschaft ausschließen wollte. Vor Bürgergeldempfänger habe ich persönlich mehr Respekt als wie vor Mitarbeiter des Coronamaßnahmeregimes, die sich zudem für verschärfte Maßnahmen für mich ausgesprochen haben und dabei noch von meinen Steuern mitfinanziert wurden. Denen nehme ich persönlich das ehrliche Mitgefühl für andere Menschen nicht mehr ab.

    Die undifferenzierten Ausführungen von Frau Michaela Neu über den Bürgeldbezug wirken auf mich ebenfalls wirklichkeitsfremd.

  3. Sehr geehrte Michaela Neu,
    wie wäre es mit Zahlen, Daten, Fakten als wie immer die gleich linke Heulkultur.

    Beantworten Sie mir doch mal folgende Fragen:
    1. Welche Staatsangehörigkeit haben die Bürgergeldempfänger?
    2. Wie lange sind die nichtdeutschen Bürgergeldempfänger im Land?
    3. Welche Qualifikationen liegen bei denen vor?
    4. Wie kann es sein, dass überall im Kreis Mitarbeiter gesucht werden? Auch und vor allem mit einer geringen Qualifikation? Diese Arbeitsstellen seit Jahren unbesetzt sind. Siehe Punkt 3
    5. Nach der neuen „Bürgergeldreform“ dürfen erst Kürzungen vorgenommen werden, wenn es drei vergebliche Versuche einer Kontaktaufnahmen gegeben hat.
    VORHER muss noch ein Hausbesuch erfolgen!
    6. Was kostet es, diese Hausbesuche durchzuführen = weiteres Personal notwendig!
    7. Wie viele Dolmetscher müssen den Hausbesuch begleiten. z.B. Bei einer irakischen Familie (Arabisch, Kurdisch, Turkmensich)
    8. Was macht es mit der Boomergeneration, wenn sie diese Entwicklung beobachten? Kann es sein, dass sie die Nase mittlerweile gestrichen voll haben. Ihr Berufsleben war entbehrungsreich, anstrengend und nahezu ohne jegliche Unterstützung! Kann dies vielleicht auch ein Grund sein, weshalb sie sich vorzeitig mit Abzügen in Rente verabschieden?
    9. Warum steigen die Krankenkassenbeiträge ins Unermessliche?
    10. Welchen Einfluss hat dies auf die Arbeitskosten und damit auf die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Produkte, und damit auf die Unternehmer, und damit auf die Arbeitslosenzahlen und damit auf die Anzahl der Bürgergeldempfänger?
    Usw. usw.
    Ich könnte noch viel weitere Punkte hinzufügen…
    Deutschland im freien Fall in den Abgrund, aber der Sozialstaat „kommt ja aus der Steckdose“

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