„Sie halten sich für den Inklusionspapst“ – JU: „Landrat lässt Jugendliche mit Behinderung links liegen“

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Landrat Mario Löhr - Foto c/o Kreis Unna

Wird für Jugendliche und Kinder mit Beeinträchtigungen im Kreis zu wenig getan? Teile der CDU sagen dazu ausdrücklich: Ja.

Einen offenen Streit mit Landrat Mario Löhr (SPD) liefert sich jetzt der CDU-Nachwuchs des Kreises Unna. Nachdem Löhr den heimischen CDU-Bundestagsabgeordneten Hubert Hüppe in der letzten Kreistagssitzung abwehrend als „Inklusionspapst“ bezeichnet hatte, kontert die Junge Union (JU) heute mit der Breitseite:

„Der Landrat lässt Kinder und Jugendliche mit Behinderungen links liegen!“

In einer Pressemitteilung vom Mittwochabend (28. 6.) stellt sich die JU demonstrativ hinter ihren Bundestagsabgeordneten aus Werne und fordert, dass der Kreis Schülerinnen und Schülern seiner Förderschulen vermehrt Praktikumsplätze anbietet.

„In ihrer Anfrage vom 05.04.2023 hatte die CDU-Kreistagsfraktion unter anderem von der Verwaltung wissen wollen, wie viele Schülerinnen und Schüler der kreiseigenen Förderschulen in den Jahren 2022 und 2023 ein Praktikum beim Kreis Unna absolviert haben.

Auf mündliches Nachfassen von Hubert Hüppe MdB, der auch Mitglied des Kreistags ist, reagierte Landrat Löhr in der letzten Kreistagssitzung vor der Sommerpause am 13.06.2023 erstaunlich dünnhäutig.

Er warf Hüppe vor, sich für einen „Inklusionspapst“ zu halten. Inhaltlich lieferte der Landrat dagegen gar nichts.

Erst auf den öffentlichen Druck der CDU lieferte die Verwaltung am 14.06.2023 eine Antwort nach: Seit 2020 wurden keine solchen Praktika bei der Kreisverwaltung durchgeführt. Es habe in den Jahren 2022 und 2023 auch keine Bewerbungen gegeben.

Die Junge Union im Kreis Unna fordert vom Landrat deutlich mehr Engagement und aktiven Einsatz für die Schülerinnen und Schüler seiner Förderschulen, aber auch für alle anderen Schülerinnen und Schüler mit Behinderung. Die Zuschriften, die Hubert Hüppe MdB von betroffenen Eltern erhält, zeigen, dass er einen wunden Punkt in Sachen Inklusion und Teilhabe von Menschen mit Behinderung angesprochen hat.

Wenn der Kreis Unna wirklich Modellkreis „In Zukunft inklusiv“ sein will, ist es nicht hinzunehmen, dass nach Angaben des Landrates es in den Jugendheimen des Kreises nicht ein einziges ständiges Inklusionsangebot gibt. Gerade bei jungen Menschen müssen Berührungsängste zwischen Menschen mit und ohne Behinderung abgebaut werden. Die Junge Union fordert den Kreis Unna auf, endlich ein barrierefreies Angebot in allen Jugendtreffs zu machen.

Der Kreisvorsitzende Marcal Zilian ist sich sicher:

„Wenn die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung nicht von vornherein nur Praktikumsplätze in Behindertenwerkstätten auswählen können, dann können auch mehr Menschen mit Behinderung in den ersten Arbeitsmarkt integriert werden.“

Sein Stellvertreter Dr. Tilman Rademacher ergänzt: „Es klingt stark nach einer Ausrede, wenn sich der Landrat hinter fehlenden Bewerbungen versteckt. Wenn ihm das Thema eine Herzensangelegenheit wäre, dann würde er mit dem Angebot von Praktikumsplätzen aktiv auf die Förderschulen zugehen. Die emotionale Reaktion in der letzten Kreistagssitzung zeigt, dass der Landrat sich seiner Versäumnisse bewusst ist. Die fehlende Vorbereitung einer Antwort bei knapp zehn Wochen Vorlauf wirkt unprofessionell.“

  • Marcal Zilian, Kreisvorsitzender
  • Dr. Tilman Rademacher, stv. Kreisvorsitzender
  • für den Kreisvorstand der Jungen Union im Kreis Unna

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