„Stadt hat wieder zwei Bäume getötet!“ Wut im Netz über Fällungen im Stadtgarten – Gründe interessieren nicht

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Auf der Wiese im Stadtgarten wurden zwei Rotbuchen gefällt. (Foto Privat/ Screenshot Facebook)

+++Update, weitere Hintergründe+++

Wut und Empörung ergießt sich im Netz über die Stadt Unna. Der Grund sind zwei Baumfällungen im Stadtgarten.

Die beiden großen alten Buchen standen zusammengewachsen auf der Wiese. Mitte der Woche kreiste die Säge. Gepostete Fotos der Baumstümpfe ließen die Emotionen in den sozialen Medien hochkochen.

So warf eine Userin auf Facebook der Stadt wütend vor, „wieder zugeschlagen“ und „zwei alte Bäume getötet“ zu haben. Damit sei ein wertvolles Kleinbiotop in der Innenstadt unwiderbringlich zerstört. Verbunden wurde die Anklage mit dem Rückverweis auf die Fällungen zweier anderer uralter Bäume in der jüngeren Vergangenheit: der „Polizeibuche“ (am Nordring gegenüber der Polizeiwache) und der „Postbuche“ (vor der Hauptpost Unna). Mit beiden Fällungen hatte die Stadt freilich nichts zu tun, der Kreis entschied sie – aus jeweils ausführlich erklärten Gründen.

An Erklärungen war in den empörten Diskussionen auf Facebook allerdings kaum jemand interessiert.

Wir fragten am Freitag (14. 1.) bei der Stadt nach.

Bei den beiden frisch gefällten Bäumen im Stadtgarten handelte es sich demnach um zwei alte Rotbuchen, berichtete uns Rathaussprecher Christoph Ueberfeld. Beide Bäume hatten einen Pilzbefall (Riesenporling) am Stammfuß.

Dieser Befall gefährdete die Standsicherheit der großen Bäume mitten im Park, so Ueberfeld. „Aus diesem Grund mussten sie gefällt werden.“

Befall mit Riesenporling

Der Riesenporling, Meripilus giganteus, ist einer der wichtigsten Schadpilze bei Buchen. In vielen Veröffentlichungen wird er als gefährlicher Wurzelzerstörer beschrieben. Der Riesenporling ist ein Schwächeparasit, der geschädigte, geschwächte oder absterbende Wurzeln älterer Bäume besiedelt. In den meisten Fällen ruft ein Befall aufgrund von Versorgungsstörungen deutliche Reaktionen in der Krone hervor. Zunächst ist ein allmähliches Auslichten der Krone zu beobachten. Es beginnt damit, dass der Kronenmantel lichtdurchlässig wird. Danach setzt an verschiedenen Stellen Spitzendürre bzw. Totholzbildung im Feinastbereich ein und die Blattgröße verringert sich. Schließlich sterben die Bäume meist sehr rasch, d.h. innerhalb von ein bis zwei Vegetationsperioden, ab. Bei deutlichen Kronenreaktionen ist die Lebenserwartung der befallenen Buchen nur noch gering. Eine Verbesserung der Situation, z.B. durch Standortverbesserung o.ä., ist dann nicht mehr möglich. Neben den Kronensymptomen ist auch der Rindenzustand der Wurzeln und Wurzelanläufe von Bedeutung. Solange die Rinde intakt ist, sind die oberflächlich erkennbaren Wurzelbereiche versorgt. Der Baum kann Zuwachs machen und den pilzbedingten Holzabbau zumindest teilweise kompensieren. Wenn der Schadpilz schließlich in die oberflächennahen Wurzeln eindringt, treten Rissbildungen und Absterbeerscheinungen in der Rinde auf. Häufig wird dann die geschädigte und geschwächte Rinde sekundär durch schwache Folgeparasiten wie Chondrostereum purpureum besiedelt. In dieser Phase des Befalls sind die tiefer liegenden Wurzeln bereits weitgehend abgebaut. Deshalb werden mit der Ausdehnung des Pilzes in die oberen Wurzeln die letzten für die Versorgung und die Statik relevanten Wurzelbereiche zerstört.
Die beschriebenen Rindensymptome zeigen daher das Ende des Baumlebens an.

Quelle: https://www.tree-consult.org/upload/mediapool/pdf/baumkontrolle/riesenporlinganbuche.pdf

Fällung der Postbuche am 23. November 2019

Über 100 Jahre lang thronte die weit ausladende Blutbuche vor der Unnaer Hauptpost, ehe sie Ende November 2019 wegen der Buchenkomplexkrankheit gefällt werden musste.

Die wunderschöne uralte Buche vor der Unnaer Post musste am 23. November 2019 gefällt werden.

Was machte die Fällung dieses herrlichen Naturdenkmals unausweichlich? 

Dazu übermittelte der Kreis Unna eine umfangreiche Stellungnahme des zuständigen Fachbereichs.

„Bei der Blutbuche vor der Post in Unna handelt es sich um ein Naturdenkmal. Der Baum ist über 100 Jahre alt, etwa 21 Meter hoch, hat einen Kronendurchmesser von rund 17 m und (in 1 Meter Höhe) einen Stammumfang von etwa vier Metern. Der Entscheidung, den Baum zu fällen, geht eine lange Krankengeschichte voraus.

Im Zuge einer vom Kreis Unna beauftragten Kronenpflege am Naturdenkmal wurden im Dezember 2016 erste Rindennekrosen und Rindenabplatzungen auf der Südseite des Stammes festgestellt. Außerdem musste auf der Südseite das meiste Totholz aus der Krone entfernt werden. Bereits bei vorhergegangenen Baumkontrollen war Schleimfluss an wenigen, kleinen Stellen aufgefallen, damals gab es aber noch keine weiteren Symptome. Im Herbst 2017 wurden dann großflächige Rindennekrosen und –abplatzungen festgestellt. Ein Befall durch Schadpilze (Brandkrustenpilz und andere) wurde festgestellt.

Die Diagnose lautete: „Buchenkomplexkrankheit“. Der Baum wurde als abgängig eingestuft und die Baumkontrollen verstärkt.

Im Sommer 2019 wurde eine weitere Baumpflegemaßnahme erforderlich. Dabei wurden aus Gründen der Verkehrssicherheit ein trockener Starkast und weiteres Totholz über der Zuwegung zur Post aus der Baumkrone entfernt. Der Eigentümer wurde vom Kreis über den Zustand des Baumes informiert. Wie gerade erwähnt, leidet der Baum unter der Buchenkomplexkrankheit. Die wird in der Literatur wie folgt beschrieben:

„Ein prädisponierendes Klimaereignis führt zu einem vermehrten Befall durch die kleine Wollschildlaus. Diese überträgt Nektria-Pilze, die die Rinde infizieren und Schleimfluss hervorrufen. Später kommt es in rasch zunehmendem Umfang zu Rindennekrosen und Rindenabplatzungen. Weitere Schadorganismen (z.B. Käfer, Pilzarten, Viren) erobern den Baum und führen innerhalb weniger Jahre zum Absterben.“

Die Blutbuche vor der Post prägte das Stadtbild seit langer Zeit. Die Erkrankung des Baumes ist jedoch bereits so weit fortgeschritten, dass die Standfestigkeit stark gemindert ist. Angesichts des Standortes in der belebten Fußgängerzone / vor der Post ist es aus Sicherheitsgründen nicht länger verantwortbar, den Baum weiter stehen zu lassen. Daher hat der Kreis Unna schweren Herzens eine Freigabe für das Fällen des Baumes erteilt.“

Fällung der Polizeibuche am 27. Dezember 2018

Die 200 Jahre alte Blutbuche an der Unteren Husemannstraße/Nordring gegenüber der Polizeiwache musste am 27. 12. 2018 zum erklärten Bedauern des Kreises Unna gefällt werden. Die Verkehrssicherheit war akut gefährdet. (Foto Rinke)

Unna stand still. Stundenlang ging am 17. Dezember 2018 von nachmittags an gar nichts mehr. „Schuld“ war die alte Blutbuche am Beethovenring/Obere Husemannstraße, die einen riesigen Ast zu verlieren drohte.

Am 19. 12. 2018 gab die Kreisverwaltung bekannt: „Die Buche muss gefällt werden.“

Das stehe nun nach erneuter genauer Untersuchung fest. Durch den Riss in einem Starkast direkt am Stamm müsste die Krone so stark einseitig beschnitten werden, dass danach die Standsicherheit des ohnehin kränkelnden Baumes nicht mehr gewährleistet wäre.

„Es tut uns in der Seele weh, dass ein so schöner und markanter Baum gefällt werden muss. Aber die Sicherheit der Menschen, die sich täglich in der Nähe des Baumes und damit in einem nun bekannten Gefahrenbereich aufhalten, hat Vorrang“,

so Peter Driesch, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde beim Kreis Unna.

3 KOMMENTARE

  1. „zwei Bäume getötet“…

    Oftmals schreibt sowas jemand der auch unbedingt die Abschaltung von Kraftwerken will, aber nicht verstehen kann oder will, das im Gegenzug teils riesige Gebiete für die Reichskrafttürme äääähh, ich meinte natürlich die Windkraftanlagen gerodet werden.

    PS: Die Grünen, die von oben beschriebenen Personen überwiegend gewählt werdenden, planen übrigens eine Fläche in der DREIFACHEN Größe des Saarlandes für Reichskr…. ach Man, ich verwechsel aber auch ständig Braun und Grün, sieht sich halt so ähnlich…

    • Das stimmt nicht ganz. Nur das Saarland soll komplett gerodet werden. Jeder, der Fläche zu Verfügung stellt, bekommt ein Penthouse auf jedes Windrad geschenkt.

      Die essbaren Vögel (Tauben, Rebhühner und Wildhähnchen), die vom Windrad ermordet werden, dürfen außerdem selbst verzehrt werden.

      Wenn sich die Bewohner des Windrades von demselbem nachts gestört fühlen, dürfen sie die Anlage abschalten.

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