Klinikgesellschaft: Keine bundesweite Überlastung – Statt härterer Regeln vorhandene strikt anwenden

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Krankenhausbetten - Symbolbild Pixabay

Statt über erneut härtere Maßnahmen zu diskutieren, sollten die vorhandenen konsequent angewendet werden.

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) hält eine Verschärfung der Coronamaßnahmen in Form eines harten Lockdowns mit bundesweiten Ausgangssperren nicht für notwendig. Eine bundesweite Überlastung der Kliniken drohe nicht.

Die Politik müsse „keine neuen Maßnahmen erfinden, sondern dafür sorgen, dass die vorhandenen umgesetzt werden“.

Aus dem Kreis Unna wurden mit Stand Gründonnerstag, 1. April (an Feiertagen und Wochenenden aktualisiert das Kreisgesundheitsamt nicht), 55 Patientinnen und Patienten mit Covid-19-Infektionen in Krankenhäusern behandelt. Wie viele von ihnen intensivmedizinische Versorgung benötigen, schlüsselt der Kreis nicht auf. Zum Vergleich: In Dortmund werden zum heutigen Ostersonntag, 4. April, 84 Corona-Patient/innen stationär behandelt, darunter 26 intensivmedizinisch, davon wiederum 18 mit Beatmung.

In einer Pressemitteilung vom Samstag, 3. April, bewertet der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Krankenhausgesellschaft Dr. Gerald Gaß die aktuelle Situation auf den Intensivstationen wie folgt:

„Die Beschäftigten in den deutschen Krankenhäusern und insbesondere die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Intensivstationen haben in den letzten zwölf Monaten großartige Arbeit geleistet, damit viele Menschenleben gerettet und die Bevölkerung vor noch dramatischeren Folgen der Pandemie geschützt. Sie haben in dieser Zeit Außergewöhnliches geleistet. Und es ist völlig außer Frage, dass es hier zu Überlastungen und Erschöpfung kommt.

Es wird aber in den kommenden Wochen nicht zu einer kompletten  bundesweiten Überlastung der Kliniken kommen, die dazu führt, dass wir Bilder wie in Bergamo erleben müssen, dass Patienten keine Beatmung mehr erhalten können und wir möglicherweise sogar das benachbarte Ausland um Unterstützung bitten müssen. Diese Unterscheidung müssen wir treffen.

Das Intensivregister der Vereinigung der Intensivmediziner (DIVI) zeigt  täglich selber auf, dass es neben aktuell 3.800 freien Intensivbetten gut 10.000 Reserveintensivbetten gibt. Diese Betten können wir im Notfall durch das deutliche Zurückfahren der Regelversorgung binnen 7 Tagen aktivieren.

In allen Bundesländern existieren Notfallpläne der einzelnen Regionen, wie die Patienten umgesteuert werden, wenn einzelne Intensivstationen keine weiteren Aufnahmen mehr möglich machen können. Diese regionale Koordinierung in der Verantwortung der Krankenhäuser hat auch zu den Spitzenzeiten der 2. Welle funktioniert.

Aktuell melden die Krankenhäuser im DIVI Register zu 36 Prozent einen regulären Betrieb, 33 Prozent sehen den Betrieb teilweise eingeschränkt und rund 25 Prozent melden einen eingeschränkten Betrieb.

Selbstverständlich muss es unser Ziel sein, neue Höchstmarken auf den Intensivstationen und die damit verbundene Belastung der Krankenhausmitarbeiter zu vermeiden.

Die Politik muss dazu keine neuen Maßnahmen erfinden, sondern das konsequent umsetzen, was im Rahmen der sogenannten Notbremse vereinbart wurde“.

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Zur Erklärung der Krankenhausgesellschaft gibt es auch Widerspruch – der „Tagesspiegel“ z. B. berichtete am 4. April darüber. Demnach hätten am Ostersonntag erstmals seit Anfang Februar in Deutschland wieder mehr als 4000 Covid-19-Patienten auf der Intensivstation gelegen, wie dem Divi-Intensivregister zu entnehmen sei. Demnach wurden 4051 Patienten intensivmedizinisch behandelt. Das sind 133 Patienten mehr als am Vortag. Rund 55 Prozent der Covid-19-Patienten auf Intensivstation werden derzeit invasiv beatmet. Stand Sonntagmittag waren den rund 24.000 als nutzbar gemeldeten Intensivbetten in Deutschland noch 3900 frei.

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