Kitas im Pandemiebetrieb: Bis zu 50 % der Kinder werden auch im Kreis Unna gebracht

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Sehnsüchtige Botschaft am Zaun einer Kita im Frühjahr 2020, als nur Kinder von Eltern aus systemrelevanten Berufen betreut wurden. - Archivbild Rundblick Unna

Während die Schulen weiter im kompletten Distanzunterricht bleiben, bleiben die Kindertagessstätten in NRW weiterhin geöffnet. Und dies sorgt für zunehmend kritische Diskussionen.

Bisher hält Familienminister Joachim Stamp (FDP) an seinem Konzept des „Pandemietriebs“ fest: Eltern sollen ihre Kinder zwar möglichst zu Hause betreuen, dürfen sie aber in die Kita bringen – zu reduzierten Betreuungszeiten (10 Stunden weniger pro Woche), doch ohne ihre Entscheidung mit einem „systemrelevanten Beruf“ belegen zu müssen, wie es noch im Frühjahr vorgeschrieben war.

Zu dieser Ungleichbehandlung wolle er nicht wieder zurück, hatte Minister Stamp vor dem Ende der Weihnachtsferien verdeutlicht. Daher dürfen seit dem 11. Januar alle Eltern, die es möchten, ihre Kinder weiterhin in der Kita betreuen lassen, ohne sich dafür erklären oder rechtfertigen zu müssen.

Das führt in den Kitas zu extrem unterschiedlichen Auslastungen. Für die Kindertagesstätten in Trägerschaft des Kirchenkreises Unna erklärte uns Pressesprecher Dietrich Schneider:

„Wie viele Kinder zur Betreuung gebracht werden, schwankt sehr von Standort zu Standort.“ Die niedrigste Zahl sei 7 Prozent – mit 3 von 45 Kindern -, es gebe aber auch Kitas, in denen 33 von 65 Kindern zur Betreuung gebracht werden, also jedes Zweite.

Der Kirchenkreissprecher bilanziert:

„Im Schnitt sind es wohl um die 40 % Kinder, die betreut werden. Die Tendenz ist in diesen Tagen und mit Dauer der Einschränkungen steigend.“

Ähnlich sieht es im benachbarten Kirchenkreis Soest-Arnsberg aus. Hier zeigte sich nach einer Bestandsaufnahme ein sehr inhomogenes Bild. „Die Erwartung, dass in städtischen Gebieten berufstätige Eltern oft keine Wahl haben, als ihre Kinder weiter in die Kita zu geben, und ländlich gelegene kleine Kitas weniger stark ausgelastet sind, bestätigt sich nicht überall.“

So gebe es auch ländlich gelegene Kitas mit einer Auslastung von an die 50 Prozent. Ein Leiter einer solchen Kita (in Borgeln) sieht das mit gemischten Gefühlen:

„Bei vielen Eltern ist es einfach nicht anders machbar. Natürlich gibt es aber auch immer einige Eltern, die die Dringlichkeitsappelle ignorieren. Hier sind uns die Hände gebunden, wir können nur bitten, umsichtig zu sein.“

NRW-Familienminister Joachim Stamp stellte am 6. Januar vor der Presse den weiteren Betrieb in den Kitas vor. / Screenshot_aus dem Livestream der Pressekonferenz

Minister Stamp lehnt „Ampelmodell“ für Kitas ab:

NRW-Familienminister und Vize-Ministerpräsident Joachim Stamp lehnte laut Medienberichten vom Montag (1. 2.) eine flexible Kita-Öffnung nach einem Ampel-Modell ab. Er befürchte „Chaos für Eltern, Personal und Träger“.

Der Vorschlag von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) sei „praxisfremd und völlig naiv“, sagte Stamp (FDP).

Nach dem Ampelmodell soll die Öffnung einer Kita davon abhängen, wie viele Personen infiziert und in Quarantäne sind:

  • Kein Coronafall, Quarantäneanteil unter 10 Prozent – Ampel auf Grün, normaler Betrieb.
  • Eine infizierte Person, Quarantäneanteil bis zu 25 Prozent – Ampel auf Gelb, eingeschränkter Regelbetrieb;
  • Ab 2 Coronafälle und sehr viele Personen in Quarantäne: Rote Ampel, Kita wird geschlossen bis auf Notbetreuung.

„Das würde zu einem völligen Chaos für Kita-Personal, Eltern und Träger führen“, sagte der Minister. „Wir setzen den eingeschränkten Pandemiebetrieb mit festen Gruppen und Stundenreduzierung fort und appellieren an die Eltern, nach Möglichkeit bis zum 14. Februar die Kinder selbst zu betreuen. Wie es ab dem 15. Februar weitergeht, werden wir unter Berücksichtigung der Pandemieentwicklung mit Trägern, Eltern und Gewerkschaften in der kommenden Woche beraten.“

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