Erneut protestieren bis zu 1000 Biker gegen Sonntagsfahrverbote und Streckensperrungen

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Gut 1000 Biker sammelten sich in Neuenrade zu einer in der Spitze 7 km langen Protestfahrt gegen Sonntagsfahrverbote. (Foto Dennis Mende)
  • UPDATE – Kurze Bilanz aus Sicht der Polizei: „Heute versammelten sich ab 10 Uhr insgesamt 1.000 Motorradfahrerinnen und -fahrer auf dem Parkplatz des Hagebau-Marktes in Neuenrade. Nach einer Kundgebung um 11.30 Uhr mit mehreren Redebeiträgen, fuhren die Teilnehmer gegen 12 Uhr über die B229 nach Balve und anschließend über die K12 wieder Richtung Neuenrade. Über den Kreisverkehr Neuenrade, Hüttenweg und K12 ging es in Gegenrichtung zurück nach Balve. Von dort aus fuhr der Aufzug über die B229 wieder zum Ausgangspunkt, wo er gegen 13.35 Uhr eintraf. Der Aufzug war dabei in der Spitze etwa 7 km lang und legte eine Strecke von 36 km zurück. Die Polizei war mit etwa 60 Einsatzkräften vor Ort, darunter auch Motorradpolizisten aus Hagen, Olpe und dem Hochsauerlandkreis. Die Versammlung verlief störungsfrei. Die Polizei bedankt sich für den reibungslosen Verlauf, die netten Gespräche am Rande und das Verständnis der Verkehrsteilnehmer.“

 

Düsseldorf, Dortmund, jetzt der Märkische Kreis.

Am Sonntag, 23. August 2020, demonstrieren erneut bis zu 1000 Motorradfahrer gegen Fahrverbote am Sonntag. Der von der Märkischen Polizei begleitete Aufzug findet in Neuenrade und Balve statt.

Die Anmeldung der Demo wurde heute, 18. 8.,  durch die Kreispolizeibehörde Märkischer Kreis bestätigt. Kooperationsgespräche zwischen der Polizei und dem Organisator der Versammlung haben stattgefundenm, teilt der Sprecher der MK-Polizei mit.

Das Thema lautet „Geplantes Sonntagsfahrverbot und Streckensperrungen im Märkischen Kreis“. Der Organisator erwartet 500 – 1.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmer.

Um 10 Uhr treffen sich die Biker auf dem Parkplatz des Hagebaumarktes in Neuenrade, Hüttenweg, zum motorisierten Aufzug durch Neuenrade und Balve. Die Kundgebung beginnt gegen 11 Uhr und soll circa 30 Minuten dauern.

Die Versammlung wird bis zum Ende durch Einsatzkräfte der Polizei begleitet. Mit Verkehrsstörungen ist zu rechnen. Ein Pressesprecher der Polizei befindet sich im Einsatzraum. Die Polizei postet am Sonntag aktuelle Informationen zum Einsatz auf Twitter unter dem Hashtag #Neuenrade2308: www.twitter.com/polizei_nrw_mk Zum Mitlesen ist kein eigenes Twitter-Konto erforderlich.

Worum geht es?

Einig ist sich die Länderkammer wie von uns berichtet darüber, dass die zulässigen Geräuschemissionen aller Neufahrzeuge künftig begrenzt werden. Künftig soll ein Maximalwert von 80 Dezibel (db/A) gelten, der in etwa der Lautstärke eines vorbeifahrenden Lkw oder eines Rasenmähers entspricht. Bei „gravierenden Lärmüberschreitungen“ soll jedes Fahrzeug sofort von der Polizei einezogen werden dürfen.

Außerdem soll Tuning härter bestraft werden, wenn das Motorrad dadurch erheblich lauter wird. Das Sound-Design, über das Fahrer die Geräuschkulisse selbst einstellen können, solle verboten werden.

Und: Die Länder wollen eben beschränkte Motorrad-Fahrverbote an Sonn- und Feiertagen ermöglichen.

Die Enscheidung darüber muss nun die Bundesregierung fällen. Feste Fristen gibt es hierfür nicht.

Der „Bundesverband der Motorradfahrer“ (BVDM) ging vor einigen Wochen mit einem offenen Brief in die Offensive.

Offener Brief an die führenden Motorradhersteller und den Industrieverband Motorrad (IVM)

Das Thema Motorradlärm wird seit Jahren kritisch in der Öffentlichkeit diskutiert. Anlass der Kritik ist die kontinuierliche Zunahme der Lärmemissionen in diesem Bereich. Die Ursachen hierfür liegen zum Teil in illegal modifizierten Auspuffanlagen und/oder unangemessener Fahrweise begründet. Etliche aktuelle Motorräder sind aber ab Werk laut. Viele Hersteller nutzen die aktuellen Zulassungs- und Messverfahren dahingehend aus, dass sie durch geeignete technische Maßnahmen (z.B. elektronisch gesteuerte Klappen im Auspuffsystem) den Lärmpegel der Maschinen außerhalb des Messbereichs erhöhen. Diese Maßnahmen sind aktuell legal und können daher von den Zulassungsbehörden bei der Typprüfung nicht beanstandet werden.

Das seitens der Hersteller vorgebrachte Argument, dass die Kunden laute Maschinen fordern, haben wir bei unseren Gespräche mit Motorradfahrern nicht feststellen können, im Gegenteil. Der gute Klang einer Maschine ist ihnen wichtig, dieser wird aber nicht besser, wenn er laut ist.

Vielen Kunden bleibt daher derzeit nur die Wahl, die hohe Lautstärke in Kauf zu nehmen – oder auf den Kauf zu verzichten.

Diese zusätzlichen Lärmemissionen reduzieren die gesellschaftliche Akzeptanz des Motorradfahrens. Anwohner attraktiver Motorradstrecken wenden sich vermehrt an die Politik und fordern Streckensperrungen und drastisch verschärfte gesetzliche Regelungen gegen Motorradlärm. Der Beschluss des Bundesrats zum Motorradlärm oder das beschlossene Fahrverbot in Tirol/Österreich sind hierfür sehr deutliche Signale.

Der BVDM fordert die Motorradindustrie daher auf, freiwillig Motorräder zu produzieren, die im realen Fahrbetrieb sozialverträglich leise sind!

Die Hersteller sollten jetzt signalisieren, dass sie die Zeichen der Zeit verstanden haben …

Leisere Maschinen sind … auch im längerfristigen Eigeninteresse der Industrie. Wenn es zu immer mehr Einschränkungen wie Streckensperrungen kommt, sinkt die Attraktivität des Motorrads deutlich und es lassen sich damit weniger Motorräder verkaufen.

…  Liefern Sie Öffentlichkeit und Politik nicht weiter die Argumente, die gegen das Motorrad eingesetzt werden.

Michael Lenzen, Vorsitzender BVDM

Der Bundesverband der Motorradfahrer krititsiert „die einseitige Fokussierung beim Thema Lärm auf die Motorräder“. Es sei ein Unding, mehr als vier Millionen Motorradfahrer wegen Fehlverhaltens einer Minderheit über einen Kamm zu scheren. „Bei Autofahrern, etwa bei den illegalen Straßenrennen in Städten, geht man auch gezielt gegen die Verursacher vor. Hier muss gleiches Recht für alle gelten.“

Der Hagener Umweltpsychologe und Lärmwirkungsforscher Dirk Schreckenberg hingegen sieht die Bundesrats-Entschließung als einen Schritt in die richtige Richtung. Bislang sei das Thema zu wenig beachtet und eher vernachlässigt worden.

Dabei sei Motorradlärm ein großes Problem – vor allem im ländlichen Raum, sagt Schreckenberg.

Der Motorradverkehr hier beiße sich mit Ansprüchen der übrigen Menschen, die dort sind: Touristen, die sich erholen möchten und Anwohnern, die sich dafür entschieden haben, auf dem Land in Ruhe zu wohnen. „Und auch noch zu Zeiten, in denen man besonderen Ruheanspruch hat – am Wochenende, insbesondere am Sonntag.“

Quellen: BVDM, ADAC, dpa

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