Demo für Kita- und Schulöffnungen: „Kinder sind systemrelevant!“

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Demonstrierende Eltern und Kinder in Düsseldorf. /Foto: F. Reiss

„Kinder sind systemrelevant – nicht Autos und Freizeitparks!“

Erneut gingen am vergangenen Wochenende zornige Eltern in der Landeshauptstadt auf die Straße, um gegen die weiterhin nur zögerliche Öffnung von Kitas und Schulen zu protestieren.

Hier Auszüge aus den Reden von Nele Flüchter (die die Demo organisiert hatte), Uta Heber-Wenzel und Franziska Reiss.

Nach zehn Wochen heißt es heute für die gesamte Bundesliga: Anpfiff. Ich freue mich für alle Fußballfans. Ich frage mich aber, warum unsere Kinder von der Landesregierung die rote Karte gezeigt bekommen. Dieser Platzverweis heißt „Betretungsverbot“ für alle Schulen und Kitas. Und bedeutet nichts anderes als „Betreuungsverbot“ und „Bildungsverbot“.

Fakt ist: Kitas haben seit dem 14.März – das sind jetzt neun Wochen – geschlossen. Betreut wurden zunächst nur Kinder von systemrelevanten Eltern in Schlüsselpositionen, seit kurzem auch Vorschulkinder mit besonderem Förderbedarf, ab Ende Mai alle Vorschulkinder. Dabei ist jedes Kind systemrelevant!

Fakt ist: Unser Familienminister rühmt sich, weil alle Kinder nochmal vor der Sommerpause in die Kita gehen dürfen. Zwei Mal. Und zwar – wie erst auf Nachfrage klargestellt wurde – zwei Mal insgesamt, nicht etwa zwei Mal in der Woche. Bis September. Seit März. Also zweimal Kita in einem halben Jahr. Chapeau! Für unsere Kleinen ist das eine Ewigkeit.

Erst im September soll der eingeschränkte Regelbetrieb für alle Kinder aufgenommen werden. Wobei bislang niemand weiß, wie dieser aussehen wird. Nur eines weiß man. Nämlich, dass es sich nicht um Kita handeln wird, wie unsere Kinder sie kennen.

Kita, wie wir, wie unsere Kinder sie kennen, soll es laut Familienminister Stamp erst geben, wenn ein wirksamer Impfstoff zur Verfügung steht. So haben es Frau Gebauer und Frau Karlicek auch für den Schulunterricht angekündigt.

Fotos von der Kundgebung am 16. Mai in Düsseldorf / Bildrechte: Franziska Reiss

Fakt ist: Niemand weiß, wie lange das dauern wird. Fakt ist: Unterricht an den Grundschulen findet in einem rollierenden System statt. 1,2 Tage pro Woche sollen unsere Kinder Unterricht erhalten. An den übrigen Tagen: Hausaufgaben per E-Mail, daneben mit viel Glück virtueller Unterricht in geringstem Umfang. Und so soll es nach dem Willen von Frau Gebauer, von Herrn Lauterbach, von Frau Karlicek auch bleiben. Kein regulärer Unterricht bis zum Impfstoff.

Wie und wann soll mein ältester Sohn, der im August in die Schule kommen soll, so lesen und schreiben lernen? Wie kann man es verantworten, Kinder bei diesen Aussichten einzuschulen?! Wie sollen Kinder, in deren Elternhaus eine andere Sprache gesprochen wird, so Deutsch lernen? Wie soll so Integration gelingen? Und wie können Kinder so vor häuslicher Gewalt und Missbrauch geschützt werden?

Die Antwort ist einfach und ernüchternd: Gar nicht! Und zwar auf Monate oder Jahre hinaus!

Deutschland, das Land der Dichter und Denker… Unseren Kindern droht eine Bildungskatastrophe und unsere Regierung zuckt nur die Schultern!

Auf Kosten der Zukunft dieses Landes, auf Kosten unserer Kinder, wird statt Schulen und Kitas lieber alles andere wieder geöffnet. Und ich spreche nicht von Autohäusern, Baumärkten und Bundesliga. Nein, auch Freizeitparks, Freibäder und Kontaktsport – das alles geht. Nur Bildungs- und Betreuungseinrichtungen – das geht nicht.

Weil unsere Kinder kleine Virenschleudern sind. Hat der Prof. Drosten gesagt. Muss also stimmen. Wurde deshalb in Deutschland auch in den letzten neun Wochen nicht durch gezielte Forschung überprüft. Ich frage mich: Wie machen das bloß unsere Nachbarn in Island, Dänemark, Norwegen, Schweden oder der Schweiz? Die Kitas und Schulen entweder gar nicht erst geschlossen oder bereits wieder geöffnet haben? Handeln die alle unverantwortlich oder setzen sie einfach die Prioritäten richtig?

Zum Schluss: Was ist mit uns Eltern?  Home Office ist keine Lösung, sondern ein Problem. Seit neun Wochen stehen Eltern morgens um 4 auf und sitzen bis tief in der Nacht vorm Rechner, um tagsüber ihre Kinder zu umsorgen und zu beschulen. Wir Eltern wissen, was Schlafentzug ist. Aber das halten selbst wir nicht monatelang durch! Und aus Angst von uns Erwerbstätigen, in der Mega-Rezession, auf die unser Land zusteuert, unseren Job zu verlieren, möchte ich lieber nicht wissen, wie viele von uns die Kinder vor der Glotze parken müssen, um präsent im Home Office zu sein. Und wie viele von uns geben irgendwann einfach auf und kündigen? Und was macht es mit den Kindern, wenn ihre Eltern mindestens erschöpft und frustriert sind und teilweise größte Existenzsorgen haben? Nichts Gutes, jedenfalls das steht fest.

Und das ist genau der Grund, warum Kinderbetreuung ein Kinder- und nicht nur ein Elternrecht ist!

Die Rechte von Kindern und Eltern müssen endlich ernst genommen werden! Kinderrechte sind Menschenrechte!

Daher fordern wir: Die Öffnung von Kitas und Schulen für ALLE Kinder und das konsequente Bemühen, einen echten Regelbetrieb auf die Beine zu stellen!

  • Dazu müssen für Schulen und Kitas mehr Gelder für Personal zur Verfügung gestellt werden, welches auch aus angrenzenden Berufsbereichen kommen kann oder in Form von Bufdis, Studenten etc.
  • Dazu muss für mehr Sicherheit mehr Testung auf Corona in Schulen und Kitas stattfinden.
  • Die Forschung zur Rolle von Kindern muss intensiviert werden und dabei darf nicht nur auf einen Virologen gehört werden, selbst wenn er der Chef-Virologe der Charité ist.
  • Es muss in den sofortigen Ausbau von Kitas und Schulen investiert werden.
  • Es braucht mehr kreative und engagierte Lösungen für die Betreuung und Beschulung unserer Kinder, z.B. durch Unterricht und Betreuung in der Sporthalle oder im Gemeindehaus, durch Waldkindergarten und Open-Air-Unterricht auf dem Schulhof.

Unsere Kinder leiden nach wie vor unter der Situation – und wir leiden mit ihnen. Erst vor wenigen Tagen habe ich mit meinen Kindern einen Spielplatz besucht und bin dort auf eine Mutter mit ihren beiden Töchtern getroffen. Die 5-jährige weinte bitterliche Tränen. Sie war den ersten Tag in der Notbetreuung und hatte sich so auf den Kindergarten gefreut. Nun war ihre Welt völlig erschüttert, weil im Kindergarten nichts mehr so war wie früher.

Mit dem Hochfahren der Wirtschaft steigt auch der Druck auf uns als Beschäftigte unserer Firmen und Behörden, das Home Office zu verlassen und wieder an den Arbeitsplatz in der Firma zurückzukehren. Aber wie soll das funktionieren, wenn es keine Perspektiven für Kitas und Schulen gibt?

Wir wollen verbindliche Zusagen und zeitliche Perspektiven. Herr Minister Stamp: Kinder sind systemrelevant, nicht Autos!

Kinderrechte sind Menschenrechte! Das steht in der Kinderrechtskonvention der Vereinten Nationen, die Deutschland unterzeichnet hat. Die Würde der Kinder ist unantastbar!

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