Fernwärme, Wärmepumpe, Pellets – wie sollen und werden die Bürger künftig heizen und warmes Wasser bereiten, wenn die fossilen Energieträger Gas und Öl nicht mehr zur Verfügung stehen (dürfen)?
Bergkamen hat sich gemeinsam mit der Kamen und Bönen auf den Weg gemacht, eine interkommunale Wärmeplanung zu erstellen. Bis 2040 will die Nordbergstadt per Ratsbeschluss „treibhausgasneutral“ sein.
Der abschließende Endbericht, wie das gelingen könnte, ist jetzt fertig und soll am 10.12.2026 vom Bergkamener Rat beschlossen werden.
Maßgeblich für Bergkamen sei jedenfalls die vom Rat beschlossene „Treibhausgasneutralität 2040“, betont die Stadt. Dieses Ziel, binnen 13 Jahren weitgehend ohne Gas und Öl auszukommen, wirkt durchaus ambitioniert in einer Stadt, deren Bewohner derzeit noch zu fast 70 Prozent mit Erdgas, Heizöl oder Flüssiggas heizen.
Als Besonderheit in Bergkamen nennt der Wärmeplanungsbericht den hohen Energiebedarf für die regionale Industrie.
- Auf diese entfällt fast die Hälfte des gesamten Wärmeverbrauchs (48 Prozent), maßgeblich geprägt durch die Bayer AG.
- Die privaten Haushalte folgen mit rund 42 Prozent.
Die meisten Emissionen entfallen auf
- Erdgas für Raumwärme und Warmwasser (49,6 Prozent),
- Erdgas im Industriegebiet der Bayer AG (31,4 Prozent),
- Heizöl (6,7 Prozent).
Als Standortvorteil nennt der Bericht die Fernwärme. Schon jetzt liefern die GSW rund 40 GWh Fernwärme pro Jahr. Im Fernwärmegebiet Bergkamen stammt sie überwiegend aus dem Biomasseheizkraftwerk, im Jahr 2024 zu rund 77 %.
Im Gebäudebestand überwiegen ältere Baustandards. Die Sanierungsraten bleiben voraussichtlich niedrig. Es wird abgeschätzt, dass bis 2045 der Nutzwärmebedarf um etwa 17 % durch Sanierung und Effizienzmaßnahmen gesenkt werden kann.
„Bergkamen verfügt über bedeutende lokale Ressourcen für die Wärmewende“,
unterstreicht der Bericht. „Dazu zählen erhebliche Einsparpotenziale durch Sanierungs- und Effizienzmaßnahmen (technisch rund 85 GWh pro Jahr), das kontinuierlich verfügbare Grubenwasser am Standort Haus Aden, die bereits genutzte Abwärme des Biomasseheizkraftwerks, Solarthermie auf Freiflächen, Umweltwärme als Quelle für Wärmepumpen sowie ausbaufähige Photovoltaik-Potenziale.“
Für Bergkamen sei zudem ein Knotenpunkt des geplanten Wasserstoff-Kernnetzes vorgesehen, wodurch sich perspektivisch eine Anschluss- und Entnahmemöglichkeit für Wasserstoff ergeben könne. Eine konkrete Versorgung des örtlichen Verteilnetzes oder einzelner Abnehmer ist damit jedoch noch nicht verbunden.
Eine zentrale Rolle für die zukünftige Wärmeerzeugung könne das Grubenwasser an Haus Aden mittels Großwärmepumpen übernehmen, heißt es im Bericht. In den übrigen Gebieten dominieren Wärmepumpen, kombiniert mit „Effizienzmaßnahmen“ an den Gebäuden.
Parallel wird das Gasnetz gemeinsam mit der GSW in einem geordneten Prozess transformiert – mit anderen Worten teilrückgebaut.
Dazu soll es „sozialverträgliche Übergangsfristen“ und frühzeitige Information der Betroffenen geben, wird versichert.
Finanzierung:
Aus- und Umbau der Wärmenetze müssen nach heutigem Planungsstand überwiegend die Stadtwerke finanzieren. Bund und Land flankieren die Wärmewende mit Förderprogrammen.
Allerdings erklärten bei jüngsten Befragungen durch den Verband kommunaler Unternehmen fast 70 Prozent der Stadtwerke, dass diese Fördergelder erheblich steigen müssen, da sonst die „Wärmewende“ nicht zu bezahlen sei.
Quelle: PM Stadt Bergkamen, PM VKU
































