- Von unserer Mitarbeiterin Michaela Neu
Die Zahl der Verkehrsunfälle ist 2025 im Kreis Unna zwar gesunken. Gleichzeitig wurden aber mehr Menschen verletzt oder getötet. Besonders im Fokus der Polizei: Radfahrer, Pedelec-Fahrer, Kinder, Jugendliche und vor allem E-Scooter-Nutzer.
Weniger Unfälle insgesamt, aber mehr Verletzte und mehr Tote: Die neue Verkehrsunfallstatistik für den Kreis Unna zeigt für 2025 ein widersprüchliches Bild. Während die Gesamtzahl der Unfälle zurückging, stieg die Zahl der Menschen, die bei Verkehrsunfällen verletzt oder getötet wurden. Genau darin sieht die Kreispolizeibehörde Unna das eigentliche Warnsignal.
Wie Direktionsleiter Verkehr Benedikt Schlüchtermann bei der Vorstellung der Zahlen erklärte,sank die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle im Kreis um 3,6 Prozent. Gleichzeitig stiegen die Unfälle mit Personenschaden um 6,6 Prozent. Insgesamt wurden 1124 Menschen bei Verkehrsunfällen verletzt oder getötet. Die Zahl der Leichtverletzten erhöhte sich auf 997, die Zahl der Verkehrstoten stieg von zwei auf fünf. Lediglich bei den Schwerverletzten gab es einen Rückgang.
„Jede Zahl, die da steht, verbirgt ein menschliches Schicksal“, sagte Schlüchtermann. Hinter schweren Unfällen stünden häufig tragische Folgen, die Betroffene und Angehörige noch lange belasteten.
Besonders aufmerksam schaut die Polizei auf sogenannte vulnerabel Verkehrsteilnehmer – also Menschen, die im Straßenverkehr ohne schützende Karosserie unterwegs sind.
Dazu zählen Fußgänger, Radfahrer, Pedelec-Fahrer und Nutzer von Elektrokleinstfahrzeugen wie E-Scootern. Gerade in diesem Bereich sieht die Behörde einen strategischen Schwerpunkt.
Auffällig ist vor allem die Entwicklung bei Rad und Pedelec. Beide Gruppen machen zusammengenommen inzwischen einen großen Teil der Unfälle mit Personenschaden aus.
Lesen Sie dazu auch unseren gesonderten Bericht HIER.
Die Zahl der verunglückten Pedelec-Fahrer stieg im Kreis von 121 auf 145. Bei den Fahrradunfällen blieb das Niveau mit 202 Verunglückten nahezu stabil und lag nur leicht unter dem Vorjahreswert von 206. Die Zahl der verunglückten Fußgänger sank von 97 auf 87. Dagegen nahm die Zahl der verunglückten Nutzer motorisierter Zweiräder von 187 auf 198 zu.
Die Polizei schaut dabei nicht nur auf absolute Zahlen, sondern auch auf das Risiko einzelner Altersgruppen. Bei Fahrradunfällen sind Erwachsene zwar zahlenmäßig am häufigsten betroffen.
Rechnet man die Fälle jedoch auf die Größe der Altersgruppen herunter, verschiebt sich das Bild deutlich: Dann tragen Jugendliche statistisch das höchste Risiko, gefolgt von Kindern und jungen Erwachsenen. Gerade Schulwege und typische morgendliche Verkehrssituationen spielen dabei eine Rolle.
Ein ähnliches Bild zeigt sich bei den Pedelec-Unfällen. Dort fallen in absoluten Zahlen vor allem Erwachsene und Senioren auf. In der Risikobetrachtung rücken laut Polizei aber erneut Jugendliche und junge Erwachsene stärker in den Fokus. Damit wird deutlich, dass die reine Fallzahl nicht immer ausreicht, um Gefährdungen realistisch einzuordnen.



Besonders klar äußerte sich die Polizei beim Thema E-Scooter. Nach ihren Angaben betreffen 99 Prozent der erfassten Elektrokleinstfahrzeug-Unfälle im Kreis Unna private E-Scooter. Verleihsysteme wie in größeren Städten gibt es hier nicht. Trotzdem sieht die Behörde in diesem Bereich ein wachsendes Problem.
An 47 Prozent der E-Scooter-Unfälle waren Kinder und Jugendliche beteiligt. Kinder dürften diese Fahrzeuge eigentlich gar nicht fahren, betonte die Polizei, denn erlaubt ist die Nutzung erst ab 14 Jahren.
Viele dieser Unfälle entstehen nach Einschätzung der Beamten nicht durch klassische Zusammenstöße mit Autos, sondern durch Stürze, Kontrollverlust, Bordsteinkanten oder das verbotene Fahren zu zweit. Die Bauweise der Fahrzeuge mit kleinen Rädern und kurzer Lenkstange mache sie besonders anfällig.
„Wenn E-Scooter-Fahrer stürzen, dann sind sie fast immer verletzt –die Frage ist nur, wie schwer“,
sagte Schlüchtermann.
Auch Landrat Mario Löhr verwies auf die Problematik. Kommunen mit E-Scooter-Verleihsystemen hätten häufig deutlich höhere Unfallzahlen. Im Kreis Unna sei man deshalb eher froh, dass es bislang keine Leihangebote gebe.
Bei den Unfallursachen sieht die Polizei weiterhin vor allem menschliches Fehlverhalten im Vordergrund. Strukturelle Probleme wie Schlaglöcher oder schlechte Straßenverhältnisse spielen in der Statistik nach Angaben der Behörde nur eine untergeordnete Rolle. Der überwiegende Teil der Unfälle gehe auf Fehler von Verkehrsteilnehmern zurück.
Als zentrale Faktoren nannte die Polizei unter anderem Geschwindigkeit, Alkohol und Drogen. Gerade bei E-Scootern komme außerdem Ablenkung hinzu, etwa durch Handynutzung oder mangelnde Aufmerksamkeit im Straßenverkehr.
Dass die Polizei in diesem Bereich stärker kontrolliert, zeigen auch die Zahlen aus der Präsentation.
2025 wurden im Kreis Unna 32.160 Geschwindigkeitsverstöße festgestellt, nach 29.552 im Vorjahr. Die Zahl der Alkohol- und Drogenverstöße stieg von 369 auf 445, die der Handyverstöße von 1870 auf 1923. Insgesamt registrierte die Polizei 45.632 Maßnahmen nach 42.272 im Jahr 2024. Darunterfielen auch 1552 Verstöße von Rad-, Pedelec- und Elektrokleinstfahrzeug-Fahrern, nach 1469 im Vorjahr.
Neben Kontrollen setzt die Kreispolizeibehörde weiter auf Prävention. Für 2026 kündigte sie an, die Verkehrssicherheitsarbeit konsequent auf besonders gefährdete Gruppen auszurichten.
Ziel ist es,die Zahl der verunglückten Fußgänger, Rad-, Pedelec- und E-Scooter-Fahrer zu senken – mit besonderem Fokus auf Kinder, Jugendliche und Senioren.
Geplant sind unter anderem Pedelec-Trainings zur Verringerung von Alleinunfällen, „Crash-Kurs-NRW“-Veranstaltungen an weiterführenden Schulen und Berufsschulen, Radfahrausbildung in vierten Klassen,Verkehrserziehung in Kindergärten und Grundschulen sowie Präventionsangebote für ältere Menschen.
Auch der Blick in die einzelnen Kommunen zeigt, wie unterschiedlich sich die Lage entwickelt. In Bergkamen stieg die Zahl der Verunglückten zum Beispiel von 134 auf 169 deutlich an, in Fröndenberg von 48 auf 56, Kamen verzeichnete bei den Gesamtunfällen einen Rückgang von 446 auf 427, gleichzeitig aber mehr Unfälle mit Personenschaden.
Unterm Strich zeigt die neue Verkehrsunfallstatistik damit eine klare Tendenz: Weniger Unfälle bedeuten nicht automatisch mehr Sicherheit. Gerade dort, wo Menschen ungeschützt unterwegs sind, bleibt das Risiko hoch – und in mehreren Bereichen ist es sogar gestiegen.



































