Mieten in Unna stiegen in vier Jahren um 21 % – Bis 2030 fällt mehr als jede dritte Sozialwohnung aus der Preisbindung

0
158
Das Team des Mietervereins Kreis Unna. (Foto Mieterverein)

„Die Wohnungskrise in Unna spitzt sich zu“, warnt das Bündnis „Wir wollen wohnen!“. Es fordert eine soziale Wohnungspolitik in den Kommunen.

In einer Pressemitteilung nennen die Akteure vor Ort vom Mieterverein Unna beunruhigende Zahlen.

„Bezahlbares Wohnen ist eine der zentralen sozialen Fragen unserer Zeit, auch in Unna. Doch die Mieten steigen, Sozialwohnungen verschwinden, und Menschen mit geringem Einkommen werden verdrängt“, erklärt das Bündnis.

„Seit 2021 sind die Mieten in Unna um 21% Prozent gestiegen, wie Zahlen der Empirica Preisdatenbank zeigen. Zudem liegt die Leerstandsquote mit 1,20 Prozent unter den von Fachleuten empfohlenen 3 Prozent, was auf einen angespannten Wohnungsmarkt hindeutet.

Dass sich die Lage ohne entschlossenes politisches Handeln weiter verschärfen wird, zeigt eine Studie der NRW.Bank: Hiernach fallen bis 2030 über 36 Prozent der Sozialwohnungen in Unna aus der Preisbindung und können dann zu Marktpreisen vermietet werden.

„Das Thema Wohnen gehört ganz oben auf die kommunalpolitische Agenda“, betont Gerd Bendiks vom Mieterverein Kreis Unna. „Wer zur Kommunalwahl antritt, muss sagen, wie er oder sie bezahlbares Wohnen sichern will und kann nicht nur auf Bund und Land
verweisen. Alle politischen Ebenen können und müssen ihren Beitrag für bezahlbares Wohnen leisten.“

Bendiks tritt selbst für die Unnaer SPD bei der Kommunalwahl an.

Durch seine Arbeit beim Mieterverein weiß er: „Zwar sind Bund und Länder für das Mietrecht und die Finanzierung der sozialen Wohnraumförderung verantwortlich. Doch auch die Kommune verfügt über Instrumente, eine soziale Wohnungspolitik zu stärken.“

Eine wichtige Stellschraube für eine soziale kommunale Wohnungspolitik sei die kreiseigene Unnaer Kreis-Bau- und Siedlungsgesellschaft (UKBS). Der öffentliche Wohnungsbau müsse ausgeweitet werden und solle allein der Versorgung der Bevölkerung mit bezahlbarem Wohnraum dienen.

„Zudem kann die Kommune bei Neubauprojekten Vorgaben zum Anteil von Sozialwohnungen machen“, so Bendiks.

Gerd Bendiks, Mieterverein Kreis Unna. (Foto Bendiks)

„In Unna fallen bis 2030 mehr als ein Drittel der Sozialwohnungen, bis 2035 mehr als die Hälfte, weg. Wir brauchen mindestens 30 % als verbindlichen Standard in allen Projekten. Und überall, wo die Stadt selbst steuert, müssen wir deutlich drüber gehen.“

Er warnt:

„Zu uns kommen immer mehr Menschen, die mit ihren Wohnkosten überfordert sind – nicht nur wegen steigender Kaltmieten, sondern auch durch massiv gestiegene Energiekosten. In der Summe führt das zu einer Gesamtbelastung, die für viele Haushalte kaum noch tragbar ist.“

Hintergrund:
Die Mietsteigerungen beziehen sich auf die Angebotsmieten. Sie sind ein Indikator für die Preisdynamik des Mietwohnungsmarktes und spiegeln die aktuelle Marktlage wider. Stark steigende Angebotsmieten erschweren Umzüge und Mobilität; sie führen dazu, dass
Menschen weite Pendelwege zur Arbeit zurücklegen und / oder in Wohnungen bleiben, die nicht zu ihrer Lebenssituation passen.

Mit Leerstand ist hier der marktaktive Leerstand gemeint. Das bedeutet, dass diese Wohnungen innerhalb von drei Monaten bezugsfertig sind. Eine Leerstandsquote von etwa 3 Prozent wird als Indikator eines „gesunden Wohnungsmarktes“ gesehen. Schon geringe Abweichungen nach unten erhöhen den Konkurrenzdruck bei der Wohnungssuche. Besonders für Menschen mit wenig Einkommen oder ohne festen Wohnsitz verschärft das die Situation erheblich.

Die Zahlen sind den neuesten Zensusdaten von 2022 entnommen. Die Angaben zum Sozialwohnungsbestand beziehen sich auf den Zeitraum von 2024 bis 2030. In vielen Fällen werden weniger Sozialwohnungen gebaut als aus der Bindung fallen, weswegen der Bestand weiter abnimmt.

Das NRW-Aktionsbündnis „Wir wollen wohnen!“ ist ein Zusammenschluss bestehend aus Deutscher Mieterbund NRW e.V., Deutscher Gewerkschaftsbund NRW, Paritätischer Wohlfahrtsverband NRW e.V., Landesarbeitsgemeinschaft der Arbeiterwohlfahrt NRW, Caritas in NRW, Diakonisches Werk Rheinland-Westfalen-Lippe e.V., Sozialverband Deutschland NRW e.V., Sozialverband VdK NRW e.V.. Er setzt sich ein für den Erhalt und den Ausbau des Mieterschutzes in NRW und für die Schaffung von mehr bezahlbarem Wohnraum.

www.wir-wollen-wohnen-nrw.de

PM: Mieterverein Unna / G. Bendiks

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here