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Zuständigkeitschaos: Trauerndes Flüchtlingspaar konnte totes Baby nicht würdevoll bestatten

Als „Schmerz, den man mit niemandem teilen kann“ beschreibt ein junges Flüchtlingspaar aus Syrien seine Gefühle, als es zwei Tage nach der Geburt sein Töchterchen verlor. Und zu dieser Tragödie kam ein  würdeloses Gerangel um Kompetenzen: Denn niemand fühlte sich für die Bestattung des toten Babys zuständig. Man schickte die verzweifelten Eltern, die in Dortmund als anerkannte Flüchtlinge leben, von einem Amt zum anderen.

Sie selbst konnten die Beerdigungskosten nicht bezahlen. Aber auch keine Behörde wollte sie zunächst bezahlen. Ein für das trauernde Paar würdeloses und zutiefst deprimierendes Geschacher, das erst ein Ende hatte, als ein Reporterteam sich einschaltete.

Zuvor pilgerte das Bürgerkriegsflüchtlingspaar buchstäblich von einem Amt zum anderen: Das Beerdigungsinstitut wies die Trauernden an die Stadt weiter, das Sozialamt erklärte sich als „nicht zuständig“ – der Vater des toten Babys solle sich „ans Jobcenter wenden“. Das tat er – und wurde auch hier abgewiesen: Er müsse eine Bescheinigung vorlegen, dass das Sozialamt die Kosten nicht übernehme. Doch das Sozialamt habe ihn erneut zurückgeschickt, erzählt der Syrer.

In diesem Kompetenzgerangel ging es vor allem der Mutter des gestorbenen Frühchens immer schlechter. Ihr Ehemann beschreibt die Verzweiflung seiner Frau: So lange sie ihr Kind nicht würdig beerdigen könne, sei das Mädchen für sie noch auf der Welt…

Gestern schaltete sich der WDR ein – und klar wurde: Es herrschte offenbar Behördenchaos. Das Sozialamt ist für solche traurigen Fälle nämlich sehr wohl zuständig. Das junge Paar hat einen anerkannten Flüchtlingsstatus, insofern sei es „ein furchtbar trauriger, aber für das Sozialamt eigentlich ganz normaler Fall“, hieß es als Stellungnahme der Stadt Dortmund. Angeblich habe sich das Paar bisher nicht beim Sozialamt gemeldet – der Vater des toten Kindes versichert, das habe er sehr wohl getan.

Egal, wie es am Ende war. Die trauernden Eltern können jetzt endlich Abschied nehmen von ihrem Töchterchen.

Kommentare (16)

  • Sven Arnt via Facebook

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    Schrecklich und leider nicht selten so ein bürokratisches hin und her. Den Eltern gilt mein tiefstes Mitgefühl?.

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  • Daniela Biermann via Facebook

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    Mein aufrichtiges Beileid

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    Ein unwürdiger Behördenklassiker: „Tut uns leid, dafür sind wir nicht zuständig“… :-/

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  • Heike Harnagel via Facebook

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    Mein Aufrichtiges Beileid den Eltern ??
    Und an denjenigen vom Sozialamt Dortmund…. SCHÄMEN sollten sie sich. ?

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  • Christine Krämer via Facebook

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    Danke das ihr recherchiert habt und die Eltern endlich ihr Kind würdevoll beisetzen dürfen. Danke für eure Hilfe. Es war meinen Freunden und mir eine Herzensangelegenheit. Danke Rundblick Unna.
    Cornelia Tuneke schau.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Christine Krämer – das haben wir gerne getan, diese Geschichte hat uns sehr angerührt. Es kann nichts Schrecklicheres für Eltern geben, als ein Kind zu verlieren.

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    • Cornelia Tuneke via Facebook

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      Vielen lieben Dank für eure Hilfe…ich hätte alles auf die Beine gestellt um den armen Eltern eine würdevolle Beerdigung ermöglichen zu können……mein Herz ist bei dem Bericht im WDR zerbrochen …wie pietätlos wird mit dem Ehepaar umgegangen….mein Dank gehört ihnen?

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Es ist schade, dass oft erst öffentlicher Druck Änderungen erzielt. Eltern mit einem toten Baby allein zu lassen ist natürlich besonders perfide. Evtl. zeigt sich hier aber auch „nur“ die (derzeitige) Überforderung der Behörden. Man will niemandem bösen Willen unterstellen.

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  • Helga Drees via Facebook

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    Fremdschämen ist angesagt. Den Eltern herzliches Beileid.

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  • Nejla Topaloğlu via Facebook

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    Wo ist als Behörden Angestellter die Menschligkeit geblieben ?? Unfassbar ….

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  • Daniela Biermann via Facebook

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    Wie kann man mit trauernden Eltern so umspringen? Es wird soviel Geld unnütz rausgeworfen aber bei so einer Tragödie ist keiner Zuständig.Unfassbar für mich. Schöne Bürokratie. …

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Unglaublich!! Mein Beileid der Familie. Was die deutschen Behörden angeht, kann ich ein Lied davon singen. Scheinbar machen die Beamten nur das, was ihnen aufgetragen wurde und trauen sich nicht, Eigeninitiative zu zeigen. Bei mir läuft eine Anfrage an die Deutsche Rentenversicherung wegen meiner Rente über die Jahre, die ich in Deutschland gearbeitet habe. Unglaublich, was für ein Berg an Formularen schon in meinen Briefkasten gefallen ist und was da noch kommen wird.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Zur Bürokratietis in Deutschland hat seinerzeit ja Reinhard Mey ein sehr passendes Lied getextet: „Einen Antrag zur Erteilung eines Antragsformulars“… das war in den 70er Jahren und ist leider zeitlos aktuell.

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    • Helmut Brune via Facebook

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      Genau, da ist in 40 Jahren nicht viel gelernt worden.

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  • Heidi Friedrich via Facebook

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    Ich habe selbst ein Kind mit fünf Wochen verloren und finde es äußerst grausam, wie da mit den Eltern umgegangen wurde! I-wer gehört da bestraft …

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