Rundblick-Unna » Wo Polizei zensiert wird: „Rumänischer“ Flüchtiger mit „osteuropäischem“ Erscheinungsbild wird nur noch „Flüchtiger“

Wo Polizei zensiert wird: „Rumänischer“ Flüchtiger mit „osteuropäischem“ Erscheinungsbild wird nur noch „Flüchtiger“

Unterschlägt die Polizei bei Mitteilungen über Straftaten gezielt die Nationalität „nichtdeutscher“ Täter? Im Folgenden zwei aktuelle Beispiele, wie Polizei selbst „zensiert“ wird – einmal von einer hiesigen Tageszeitung, einmal von einem öffentlich-rechtlichen Sender.

In beiden Pressemitteilungen sucht die Polizei nach flüchtigen – nichtdeutschen – Kriminellen und erstellt daher ein ausführliches Beschreibungsprofil – inklusive Nationalität und Aussehen. Die Ruhr Nachrichten und das Online-Portal des WDR veröffentlichen die Polizeimitteilungen ohne diese Informationen.

Beispiel 1: Die Kreispolizeibehörde Unna stellte gestern eine Meldung über einen Trickdiebstahl in einem Verbrauchermarkt in Selm auf ihrem Presseportal ein, öffentlich für jeden einsehbar. In der Meldung geht es um einen mutmaßlichen Trickdieb, der von tatkräftigen Kunden festgehalten werden konnte. Die Polizei schreibt: „„Dabei handelt es sich um einen 40jährigen rumänischen Staatsangehörigen ohne Meldeanschrift in Deutschland.“ Die ältere Dame, die Opfer des Trickdiebs wurde, erwähnte bei der Beschreibung des Flüchtigen unter anderem: „südosteuropäisches Erscheinungsbild“.

Beides nahm die Polizeipressestelle Unna in ihre Meldung auf; aus gutem Grund: als fahndungsrelevante Details. „Im heutigen Artikel der Ruhr Nachrichten Selm dazu ist der Festgehaltene (und Flüchtige) nur noch ein Mann – ohne Staatsangehörigkeit;  und  der Flüchtige hat zwar eine ungefähre Größe und ein ungefähres Alter, aber kein ,südosteuropäisches Erscheinungsbild´ mehr“, wundert sich Polizeisprecherin Ute Hellmann.

Der medial erfahrenen Polizeibeamtin fielen die Auslassungen deswegen ins Auge, weil unsere Redaktion erst vor vier Tagen mit dem Presse-Trio der Kreispolizeibehörde u. a. über  das Thema „Nennung von Täternationalitäten in Polizeimeldungen“ gesprochen hatte. Die Polizeipressestellen,  erklärten Hellmann, ihre Kollegin Vera Howanietz und Pressechef Thomas Röwekamp, richten sich nach einem Erlass des Innenministeriums: Wenn für den jeweiligen Sachstand relevant, wird die Nationalität genannt. Beispiel: Die Information ist für die Fahndung wichtig. Oder (wie heute beim Bericht der Polizei Dortmund über die algerisch-marokkanische Kriminellenbande): Die jeweilige Straftat wird  überwiegend oder fast  ausschließlich von Tätern bestimmter Nationalitäten begangen.

„Wir wollen ja keine Nationalitäten verunglimpfen, sondern denken uns etwas dabei, wenn wir z. B. in eine Meldung wie die von gestern ,rumänischer Staatsangehöriger´ hineinschreiben“, unterstrich Ute Hellmann heute. Umso „interessanter“ fand sie es deshalb, dass die einzige Selmer Tageszeitung die Täterbeschreibung tatsächlich – wenn man so will – „zensierte“.

RN Selm Trickdiebstahl 18112015


Beispiel 2: In Menden gab es im Abstand von vier Tagen zwei schwere Überfälle auf Senioren – beide Opfer, 77 und 84 Jahre alt, erlitten schwere Verletzungen. Die Polizeibehörde Märkischer Kreis schrieb in beide Mitteilungen Hinweise zur Herkunft der Täter (evtl. in beiden Fällen derselbe). In der ersten Mittelung stand „osteuropäischer Akzent“, in der zweiten „osteuropäisches Erscheinungsbild“. Das WDR-Studio Siegen verkürzte die Beschreibung in einer gestrigen Zusammenfassung zu „unbekannter Täter“ bzw. „Mann“.

Alle hier erwähnten Polizeimeldungen haben wir auch auf Rundblick veröffentlicht – im vollen Umfang. Wir streichen aus Polizeimitteilungen grundsätzlich nie Informationen über Verdächtige bzw. Täter heraus. Da uns dies vereinzelt vorgeworfen wurde, hier noch einmal unsere Erklärung dazu. Zum einen maßen wir uns nicht an, Polizeibehörden zu „zensieren“, die sich bei der Formulierung von Pressemitteilungen mit Sicherheit etwas denken. Zum anderen gibt es den ganz nüchternen Grund: Alle Mitteilungen des  „Blaulicht“-Presseportals sind öffentlich für jedermann einsehbar. Unsere Leser könnten – und würden – uns daher zu Recht Unglaubwürdigkeit bzw. die Verkürzung von Fakten vorwerfen.

Kommentare (17)

  • Zwen Arn via Facebook

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    Sehr guter Bericht und danke dafür. Leider musste ich sowas schon mehrfach feststellen. Es ist auch gut, dass ihr erklärt wann die Polizei derartige Täterdetails wie z.B. Nationalitäten veröffentlicht und wann nicht. Leider führt genau diese „Zensur“ genau zu dem insofern berechtigten Vorwurf an Teile des Journalismus, er wolle irgendwie erzieherisch oder politisch Korrekt wirken. Das verursacht einen sehr gefährlichen Vertrauensverlust und ist im Hinblick auf eine sinnvolle Fahndung auch noch schädlich!

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Uns erscheint grundsätzlich diese Anmaßung, erzieherisch tätig sein zu wollen, sehr fragwürdig, Zwen Arn, vor allem wenn dieser selbstgerechte Erziehungsauftrag auch noch Polizeipressestellen einschließt, die damit irgendwie hingestellt werden, als wären sie entweder verantwortungslos oder unfähig. Schlimm.

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  • Claudia Freytag via Facebook

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    Das eine ist die Staatsangehörigkeit, die wird auch etwa bei Einbrecherbanden durchaus genannt. Aber was ist „südosteuropäisches Aussehen“? Ein Quatschwort ist das. Maßgeblich ist für Zeitungen übrigens nicht, was die Polizei so meint, was man schreiben soll und was nicht, sondern der Pressekodex.

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    • Burkhard

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      Das hat ja wohl nichts mit Pressekodex zu tun, sondern ehr mit Zensur! Hier soll ja niemand verunglimpft werden, sondern Tatsache bleibt, das diese Straftat halt von einer bestimmten Volksgruppe begangen wurde und das natürlich fahndungsrelevant ist.
      Was jedoch viel schlimmer ist, das viele Menschen den sogenannten überparteilichen und unabhängigen Medien vertrauen und damit nicht tatsachengemäß informiert werden. Diese Form der Selbstzensur ist nur noch erschreckend und erinnert mich in weiten Teilen an den Roman von George Orwell „1984“. Da wird plötzlich aus dem Kriegsministerium das Friedensministerium. Schafft die Demokratie sich gerade selbst ab?? Eine freie Presse gehört unabdingbar zur freiheitlich demokratischen Grundordnung!

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      • Zwen Arn via Facebook

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        „Die Presse“ zensiert sich aber auch selbst und ich glaube der Ursprung liegt u.a. auch darin, dass sich einige Journalisten als politische Kraft verstehen bzw. ihre eigenen politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen durch die Art ihrer Berichterstattung durchsetzen wollen. In Form eines Kommentars ist das auch in Ordnung. In der allgemeinen Berichterstattung hat das aus meiner Sicht nichts zu suchen.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Der Pressekodex enthält Empfehlungen, die man gleichwohl hinterfragen darf.

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  • Mike

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    Ich liebe Euch ! Pressefreiheit ist ein elementares Gut, warum auch immer Andere einschränken, sowas macht unglaubwürdig. Interessant wäre zu wissen warum sie es machen, Anordnung von Oben ? Angeordnete Zensur ? Falsch gemeinte Selbstzensur ? Wenn das angeordnet ist fallt ihr wohl aus dem Raster bzw. fliegt unter dem Radar. Macht weiter so !

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Bei öffentlich-rechtlichen Sendern, in denen die Politik faktisch mitbestimmt, lassen wir deine Vermutung der „Anordnung“ mal dahingestellt, Mike. 😉 Davon abgesehen gibt es den sog. Pressekodex, das sind Richtlinien/Empfehlungen des Dt. Presserates, die man – wie jede Empfehlung – aber auch kritisch hinterfragen dürfen sollte. Viele dieser Richtlinien machen aus unserer Sicht auf jeden Fall Sinn, andere eben weniger.

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      • Mike

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        Ja vielen Dank, wobei der Pressekodex ja klar sagt, daß die Nationalitäten genannt werden dürfen wenn sie tatrelevant sind, also genauso wie es die Polizei macht.
        Andersrum ist es aber auch eine Diskriminierung der Deutschen wenn man es mal überspitzt betrachten möchte, ist eine Nationalität nicht tatrelevant waren es alles Deutsche weil der Leser eben davon ausgeht, daß da sonst etwas Anderes stehen würde.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      .. im Übrigen danke für die nette LIebeserklärung, Mike. 😉

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  • Stefan Werner

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    In der Westfalenpost Menden wurde z.B. nichts unterschlagen, gute Arbeit der Redaktionsmannschaft also. Wenn die Ruhrnachrichten so etwas weglassen ist das auch Bevormundung der Leserschaft, so ein Blatt würde ich abbestellen.

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  • Fürst

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    „Ein Hoch auf ….“ den RUNDBLICK! Ich bevorzuge ihn im Rahmen meiner Informationsfreiheit beim Lesen, eben weil er nicht mitmacht bei der nahezu schon üblichen Medien-ZENSUR, die insbesondere bei den „Öffentlich Gebrechlichen“ (ARD,ZDF.WDR) stattfindet.
    Arrogante, feige, selbstgerechte, unkritisch obrigkeitshörige, nichts zäh hinterfragende „Journalisten“, sie bilden die volksverar……….de „Lügenpresse“ (s. FUNKE-Medien) im Sinne angeblich politisch korrekter Berichterstattung.

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  • Manfred Reinking via Facebook

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    man kann nur hoffen das den Linken Mitarbeitern beim WDR nicht der linke Arm abfällt,dann wären 80 Prozent Köperbehindert

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  • Petter Uhlenbusch

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    Diese Art der mangelhaften Berichterstattung fällt mir auch bei „DerWesten“ immer wieder auf. Entweder werden Informationen unterschlagen, oder die Kommentarfunktion wird deaktiviert.
    Danke das es hier nicht so ist!!!

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    • Fürst

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      „…Kommentarfunktion wird deaktiviert….“
      Kürzlich war von den Maulkorb-„Journalisten“ mal wieder deaktiviert, mit der Anmerkung, „…wegen der regen Beteiligung ….“
      Von ihnen zensierte Kommentare bringen die linken Vögel sicherlich zum Weinen.
      Die sind so weit links, daß sie fast schon rechts sind.

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  • Benno

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    BRAVO, weiter so !

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