Rundblick-Unna » Wirtschaftsgespräch am Campus Massen: IHK sieht im Flüchtlingsstrom Chance gegen Fachkräftemangel

Wirtschaftsgespräch am Campus Massen: IHK sieht im Flüchtlingsstrom Chance gegen Fachkräftemangel

Schelte an Verkehrsminister Groschek, der Flüchtlingsstrom als Chance gegen den Fachkräftemangel: Themenvielfalt bestimmte das IHK-Wirtschaftsgespräch in Unna, diesmal auf dem Gelände des Hochschulcampus in Massen – direkt neben der Landesstelle.

Schon deswegen drängte es sich geradezu auf, das Flüchtlingsthema anzusprechen. Die IHK, sagte Tracz, hat sich zu der steigenden Zahl der Asylsuchenden ihre eigenen Gedanken gemacht. „Eine logistische, finanzielle und gesellschaftliche Herausforderung, aber auch Chance“ sieht die Kammer im Zustrom: „Wir erhalten durch die Flüchtlinge die Möglichkeit, den Fachkräftebedarf unserer Unternehmen zu decken.“ Die IHK werde deshalb nach den Herbstferien in den Auffangklassen der Berufskollegs Beratungen zu einer Berufsausbildung anbieten.

Schimpfe gab´s für Verkehrsminister Michael Groschek. Millionen spendiert er für den Ausbau wichtiger überregionaler Straßen – der Kreis Unna und die gesamte Region Ruhrgebiet-Ost bekommen faktisch nichts davon ab. „Wir erwarten, dass  dringende Aufgaben auch von der Landespolitik erledigt werden. Unsere Region lebt von Innovation und Mobilität“, unterstrich Andrea Tracz, Geschäftsführender Gesellschafter der K&K Networks im Indupark, vor den Besuchern des Wirtschaftsgesprächs; Herrschaften aus Verwaltung, Politik und naheliegend Wirtschaft.

Den „Missstand der Ungleichverteilung“ habe die IHK dem Verkehrsminister in einem entsprechenden Brief mitgeteilt, ergänzte Tracz, der bei der IHK einen Vizepräsidentenposten bekleidet. Hinzuzufügen bei diesem Thema ist, dass Bundesverkehrsminister Dobrindt seinerseits den Nordrhein-Westfalen vorwirft, Gelder nicht rechtzeitig genug abzurufen bzw. geplante Straßenprojekte nicht zeitig genug zur Baureife zu bringen. Dieser Streit läuft seit vielen Wochen.

Erfreulich entwickelt sich die Konjunktur, berichtete der K&K-Chef. Fast 92 Prozent der Unternehmen in der IHK-Region bewerten ihre derzeitige Situation als befriedigend oder gut – das zweitbeste Ergebnis der letzten fünf Jahre. Erfreulich sei auch die Einschätzung der weiteren Entwicklung für 2015: Mehr als 93 Prozent beurteilen sie positiv.

Auch vom Arbeitsmarkt „sehr gute Nachrichten“, führte Andreas Tracz weiter aus: Mehr als 91 Prozent der befragten Unternehmen erwarten eine gleichbleibende oder sogar steigende Zahl ihrer Mitarbeiter –  gegenüber 2014 eine Verbesserung von zwei Prozentpunkten.

Insgesamt gab es Ende Juni 598.500 Erwerbspersonen in der IHK-Region (2014: 595.000). Diese Tendenz zeigt sich besonders deutlich in Unna: Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete die Stadt bis Ende September 2014 einen Zuwachs von 1.330 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – ein Plus von über fünf Prozent. Die Arbeitslosenquote lag im Juli mit 7,6 Prozent um 0,6 Prozentpunkte unter dem Vorjahreswert. Die Zahl der Unternehmen in Unna stieg binnen eines Jahres um 59 auf jetzt 3.231 (Juli 2015) an.

Der Ausbildungsmarkt in der IHK-Region zeigt sich nach den Zahlen der Kammer erneut erfreulich stabil. „Mit dem heutigem Stand haben wir 4.468 neu registrierte Verträge und sind auf einem guten Weg, zum Jahresende erneut die Marke von 5.000 neuen Verträgen zu überspringen“, freute sich Tracz. Unna liegt dabei mit einem Zuwachs von 0,7 Prozent (insgesamt 294 neue Verträge) über dem Durchschnitt in der Region (+ 0,2 Prozent).

Auf die Besonderheiten des Hochschulcampus‘ Unna ging Campusleiter und Gastgeber Christian Kunert ein: Der Hochschulcampus ist Sitz der beiden privaten Hochschulen HAM (Hochschule für angewandtes Management) sowie H:G (Hochschule für Gesundheit und Sport, Technik und Kunst). Im Wintersemester 2011/12 gestartet, gibt es aktuell rund 350 Studierende in fünf Studiengängen: Psychologie, Sportwissenschaften und Rettungswesen (H:G) sowie Sportmanagement und Wirtschaftspsychologie (HAM). Alle Studiengänge werden ohne Numerus Clausus umgesetzt. Darüber hinaus wird ein innovatives semivirtuelles Studienkonzept angewandt, bei dem die Studierenden nur drei Mal pro Semester für eine Woche am Campus sind und die restliche Zeit über eine internetbasierte Lernplattform weiterarbeiten. Dies kommt vor allem Berufstätigen entgegen, die sich nebenberuflich durch ein Studium weiterqualifizieren wollen.

IHK Wirtschaftsgespräch

Kommentare (2)

  • Petter Uhlenbusch

    |

    Für die Industrie ist die Flüchtlingschwemme ein Segen.
    Endlich brauchen deutsche Unternehmen ihre
    Fertigung nicht mehr in Billiglohländer verlegen.
    Jetzt wo ausreichend billiges Proletariat vor Ort
    ist kann man dem deutschen Facharbeiter mal so
    richtig in die Parade fahren.

    Antworten

  • Stefan Werner

    |

    Mal ehrlich, welcher normale Mensch glaubt denn noch einem Unternehmer oder seinen „Komplizen“ von der IHK diese Märchen vom Fachkräftemangel oder derr Schaffung von Arbeitsplätzen? Diese Herrschaften sollen erst einmal die vielen Arbeitslosen (ja, auch die in Statistiken oder sogenannten Maßnahmen weggeschwindelten!) in Lohn und Brot bringen, die benachteiligten Jugendlichen mit Migrationshintergrund dafür aber ohne vernünftige Vorbildung mal in Lehrverhältnisse bringen, die Menschen vernünftig bezahlen und nicht nur als Kostenfaktor betrachten und teils fies ausbeuten und nicht zuletzt mal STEUERN ZAHLEN wie die werktätige Normalbevölkerung auch. Dann sollen sie uns meinetwegen wieder mit ihren Märchenstunden auf den Keks gehen. Bis dahin aber besser schweigen, sonst bleibts peinlich!!!!

    Antworten

Kommentieren