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Wieder Aufnahmestopp in Dortmund: Mit Zettel in der Hand auch nach Massen weiter

Erneuter Aufnahmestopp in der Flüchtlings-Erstaufnahme in Dortmund-Hacheney. Seit dieser Woche werden wieder alle ankommenden Menschen direkt in die vier weiteren Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes weitergeleitet – darunter die Landesstelle Massen.

Bei 350 verfügbaren Plätzen kamen im Dortmunder Süden z. B. am Dienstag 1400 Menschen an, die einen Asylantrag stellen wollten. Wie schon mehrere Male im Herbst entschloss sich die Stadt deswegen zu sofortiger Weiterleitung: Schon an der Straßensperre vor der Erstaufnahmeeinrichtung bekommen die Ankommenden Hinweiszettel mit den Adressen der weiteren vier Landesunterkünfte – Bielefeld, Bad Berleburg, Burbach oder eben Unna – und werden zur Weiterreise aufgefordert.

Bei den letzten Malen führte das dazu, dass in Unna ratlose Neuankömmlinge umherirrten, nur eben mit diesem besagten Zettel in der Hand. Solche Begegnungen gab es am Bahnhof und mehrfach bis zum Abend in der Bürgerhalle des Rathauses, wenn kein Ansprechpartner mehr vor Ort war. Wir berichteten mehrfach über solche Fälle. Besonders schwierig wurde (und wird) es, wenn sich die Weitergeleiten noch nicht einmal auf Englisch verständigen können.

Kranke und andere besonders schutzbedürftige Flüchtlinge wollen die Dortmunder weiter notversorgen – aber auch sie sollen danach sofort weiterreisen, unregistriert und ungeimpft. Die Einrichtung in Hacheney will den Aufnahmestopp auch dazu nutzen, um den Berg an aufgelaufenen Asylanträgen abzuarbeiten. Geplant sind laut Mitteilung der Stadt Rückholaktionen aus Notunterkünften außerhalb Dortmunds, um erneut Flüchtlinge zu registrieren, damit ihr geordnetes Asylverfahren überhaupt erst einmal beginnen kann. Danach werden die Menschen in die entsprechenden Notunterkünfte zurückgefahren. Eine Außenstelle des Bundesmigrationsamtes hat auch in Massen seine Arbeit aufgenommen.

Freilich hat sich die Hoffnung auf rückgehende Flüchtlingszahlen im Winter bisher nicht erfüllt, eine vierstellige Zahl kommt weiterhin jeden Tag nach Deutschland. Die CDU-Landtagsabgeordnete Ina Scharrenbach hatte sich bei einem Vortrag zur Flüchtlingssituation im Herbst in St. Marien Massen noch sicher gezeigt, dass der Winter den Zuzug maßgeblich stoppen werde. Das war und ist nicht der Fall.

In der Übergangseinrichtung in Massen sind derzeit meist um die 800 bis 1000 Asylbewerber untergebracht. Die bauliche und organisatorische Erweiterung auf dauerhaft 1500 Plätze wird mit Druck vorangetrieben. Zudem sprach sich Landrat Michael Makiolla beim Neujahrsempfang der Unnaer SPD dafür aus, die Landesstelle wieder dauerhaft als Unterbringung zu nutzen – und nicht nur bis zum Jahr 2024, wie es die derzeit gültige öffentlich-rechtliche Vereinbarung zwischen Stadt Unna und Land NRW vorsieht.


Links zu zwei Berichten über in Unna „gestrandete“ Flüchtlinge:

http://rundblick-unna.de/asylbewerber-irrten-am-rathaus-umher-nur-mit-der-anweisung-fahrt-nach-unna/

http://rundblick-unna.de/fluechtlinge-allein-am-bahnhof-kinder-weinten-nils-18-zahlte-zwei-taxis-schaeme-mich-fuer-unsere-Politik/

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