Rundblick-Unna » Weil der schwule Pfarrer mit „seinem Mann“ zusammenlebt: Streit in Jörg-Uwe Pehles neuem Kirchenkreis

Weil der schwule Pfarrer mit „seinem Mann“ zusammenlebt: Streit in Jörg-Uwe Pehles neuem Kirchenkreis

Kann denn (schwule) Liebe Sünde sein? Offenbar durchaus auch noch heute aus Sicht bekennener Christen. Die offen gelebte Homosexualität des langjährigen früheren Unnaer Stadtpfarrers Jörg-Uwe Pehle hat in Pehles neuem Kirchenkreis Vlotho jedenfalls eine heftige Debatte entfacht.

Unter dem Titel „Streit um homosexuellen Pfarrer“ berichten die Westfälischen Nachrichten (WN) über heftige Anfeindungen gegen die Homosexualität des evangelischen Pfarrers und seines Ehepartners Thomas König.

Das Männerpaar war von Pehles neuer Gemeinde St. Stephan zu seinem Antritt dort herzlich und vorurteilsfrei begrüßt worden; diese offene Haltung der Gemeindeleitung ist aber augenscheinlich 13 Mitgliedern der benachbarten St.-Johannis-Gemeinde ein Dorn im Auge. Sie hatten die aus ihrer Sicht zu liberale Haltung von St. Stephan gegenüber einem mit einem Mann verheirateten schwulen Pfarrer heftig kritisiert, berichten die WN.

Der Superintendent des Kirchenkreises Vlotho, Andreas Huneke, sagte der Zeitung, dass sich durch diese kritischen Worte im St. Johannis-Gemeindebrief sowohl der Pfarrer wie das Presbyterium von St. Stephan direkt angegriffen gefühlt hätten. Inzwischen kehre aber Entspannung ein.

Jörg-Uwe Pehle hatte wie berichtet Ende November vorigen Jahres seine neues Pfarrstelle in St. Stephan angetreten. Mit seiner Homosexualität war der frühere Unnaer Pfarrer wie schon in seinen Jahren bei der evangelischen Gemeinde Unna offen umgegangen. Die Gemeinde St. Stephan wählte ihn im Bewusstsein, dass ihr neuer Pfarrer einen anderen Mann liebt und mit ihm verheiratet ist. In St. Johannis nehme Pehle gelegentliche Predigtdienste wahr, sagte der Superintendent.

Weil es in dieser Gemeinde jedoch schon länger kritische Stimmen gegen Homosexualität gegeben habe – die Bezug auf die Bibel nahmen -, habe das Johannis-Presbyterium bereits im Gemeindebrief vom Dezember deutlich gemacht, es sehe „keinen Hinderungsgrund für die Zusammenarbeit“ mit dem neuen Pfarrer der Nachbargemeinde. „Wir widersprechen der Behauptung, dass Homosexualität Sünde ist“, hieß es in dieser Erklärung. Diesem widersetzten sich 13 Gemeindemitglieder mit dem erwähnten Leserbrief.

Das „Westfalen Blatt“ veröffentlichte am Donnerstag eine Solidaritätsnote des St. Johannis-Pfarrkonvents, in der Pfarrer Pehle nachdrückliche Solidarität versichert wird. Wörtlich heißt es darin:

„Jörg Uwe Pehle gehört ohne jede Einschränkung zu den Pfarrerinnen und Pfarrern, die in der Region Vlotho miteinander in den Gemeinden ihren Dienst tun. Homosexualität ist für uns eine mögliche sexuelle Orientierung, die uns Menschen gegeben ist. Sie hat es schon immer gegeben und wird es auch weiter geben. Wir begrüßen, dass diese Lebensform in unserem Land und in unseren Gemeinden frei gelebt werden darf.“

Weiter erklären die Unterzeichner:

Wir wissen, dass es bei einzelnen Gemeindegliedern Vorbehalte gegen homosexuell lebende Menschen gibt. Diese Vorbehalte nehmen wir in Gesprächen mit Gemeindegliedern ernst. Wir teilen diese Vorbehalte aber nicht und möchten sie auch nicht verstärken. Die Bibel als Gottes Wort hat für uns zentrale Bedeutung. Gottes Wort muss aber immer wieder neu ausgelegt werden. Diese Auslegung vermissen wir, wenn Bibelzitate aus dem Zusammenhang gerissen und willkürlich zusammengestellt werden, um eine homophobe Sicht zu begründen.“

Zur „evangelischen Vielfalt“ gehöre es, dass „verschiedene Glaubensweisen ehrlich gesehen, miteinander besprochen und auch ausgehalten werden.“

Zur Erläuterung: Die Kritiker bezogen sich auf die Bibel. Ein bekannter Passus zur Homosexualität findet sich z. B. im Paulusbrief an die Römer:
Römer 1:26, 27
26 Deshalb übergab Gott sie schändlichen sexuellen Gelüsten, denn sowohl ihre weiblichen Personen vertauschten den natürlichen Gebrauch von sich selbst mit dem widernatürlichen; 27 und desgleichen verließen auch die männlichen Personen den natürlichen Gebrauch der weiblichen Person und entbrannten in ihrer Wollust zueinander, Männliche mit Männlichen, indem sie unzüchtige Dinge trieben und an sich selbst die volle Vergeltung empfingen, die ihnen für ihre Verirrung gebührte.

Eine weitere Bibelstelle zur Homosexualität findet sich in den Korintherbriefen:
1. Korinther 6:9-11
9 Was? Wißt ihr nicht, daß Ungerechte das Königreich Gottes nicht erben werden? Laßt euch nicht irreführen. Weder Hurer noch Götzendiener, noch Ehebrecher, noch Männer, die für unnatürliche Zwecke gehalten werden, noch Männer, die bei männlichen Personen liegen, 10 noch Diebe, noch Habgierige, noch Trunkenbolde, noch Schmäher, noch Erpresser werden Gottes Königreich erben. 11 Und doch waren das einige von euch. Aber ihr seid reingewaschen worden, aber ihr seid geheiligt worden, aber ihr seid gerechtgesprochen worden im Namen unseres Herrn Jesus Christus und mit dem Geist unseres Gottes.

Darf ein schwuler Pfarrer mit einem anderen Mann, den er liebt, zusammenleben?

Diese Frage regeln in der Evangelischen Kirche in Deutschland die einzelnen Landeskirchen. Die westfälische Landeskirche erlaubt es grundsätzlich – sofern die einzelnen Gemeinden einvernehmlich zustimmen.

 

Kommentare (4)

  • Redaktion Rundblick-Unna.de

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    Regina Ri Wir leben im Jahr 2017 und nicht mehr im Mittelalter…also wo ist das Problem mit einem homosexuellen Pfarrer ?

    Rundblick Unna Bestimmte Bibeltexte dazu kann man anders auslegen, Regina Ri. Oben sind zwei genannt.

    Regina Ri diese 13 Spießer der Gemeinde , haben wohl keine anderen Sorgen…traurig !

    Nicole Klatt
    Leute die evangelischen Pfarrer dürfen heiraten und Kinder haben, sex haben. Also warum dann nicht schwul sein? Katholisch ist ja wieder was anderes.

    Igor Zelek 😳

    Helmut Quittmann Lasst doch den Pfarrer leben wie er möchte! Es ist doch ganz allein sein Problem, er ist doch zufrieden. Ich hasse daegen Leute, die mir mit Gewalt ihre Lebensart aufs Auge drücken wollen!!!

    Thomas Repping Einer der besten Menschen überhaupt kann man ihn nicht einfach in ruhe lassen.

    Sandra San Dra Scholz Eine absolute Frechheit, dass es überhaupt Jemanden zu interessieren hat, welche Sexualität der Andere auslebt!

    Manuela Eickelberg Warum kann man Menschen nicht so akzeptieren wie sie sind…..

    Andy Stachowiak Da gebe ich dir mal sowas von recht

    Bianca Anki Wie Intolerent manche Leute immer noch sind….

    Helmut Quittmann Lasst doch den Pfarrer leben wie er möchte! Es ist doch ganz allein sein Problem, er ist doch zufrieden. Ich hasse daegen Leute, die mir mit Gewalt ihre Lebensart aufs Auge drücken wollen!!!

    Margarethe Strathoff ich wünsche Jörg Uwe Pehle und seinem Gatten alles Liebe. Was denken sich eigentliche so kleingeistige Menschen? Christlich​? Das Mittelalter ist vorbei und wir feiern das Lutherjahr. Alles Liebe aus Unna

    Moni Leyh-Vittinghoff Was bei der Bibel zitierung gerne vergessen wird, ist die Tatsache, dass sie von Menschen geschrieben ist . Menschen die schon lange das zeitliche gesegnet haben und es nicht besser wussten.

    Rundblick Unna Die Gemeinde der Kritiker bezieht sich genau darauf, Moni Leyh-Vittinghoff: „Die Bibel als Gottes Wort hat für uns zentrale Bedeutung. Gottes Wort muss aber immer wieder neu ausgelegt werden. Diese Auslegung vermissen wir, wenn Bibelzitate aus dem Zusammenhang gerissen und willkürlich zusammengestellt werden, um eine homophobe Sicht zu begründen.“

    Sandra San Dra Scholz Eine absolute Frechheit, dass es überhaupt Jemanden zu interessieren hat, welche Sexualität der Andere auslebt!

    Thomas Repping Einer der besten Menschen überhaupt kann man ihn nicht einfach in ruhe lassen.

    Manuela Eickelberg Warum kann man Menschen nicht so akzeptieren wie sie sind…..

    Melanie Goschnick Leben und leben lassen wie man möchte… echt ohne Worte 😡soll doch jeder bei sich erst mal kehren… schlimme Gesellschaft

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  • Helmut Brune

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    Persönlich habe ich gar nichts gegen Schwule, Lesben oder Transgender. Es hat jedoch bis 1969 gedauert, daß die Strafbarkeit abgeschaft wurde und sogar bis 1994 bis der sogenannte Schwulenparagraph 175 gestrichen wurde. In meinem Familien-/Bekanntenkreis befinden sich auch mehrere Schwule. Alles gute Freunde. Es ist Schade, daß sie immer noch nicht wirklich Akzeptiert werden. Obendrein bekommen sie es noch Schwieriger mit zunehmendem Einfluß aus der Islamistischen Welt.
    Es sind alles Menschen, wie du und ich und sie tun keiner Fliege etwas zuleide.
    Alle Vorurteile sollten Überbord geworfen werden und wir Alle sollten tolerant sein.

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  • fürst

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    Vielleicht ist das Schwulsein nur ein vorgeschobener Grund, weil -leider- so leicht greifbar.
    ….

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    • Redaktion Rundblick-Unna.de

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      Persönliche Kritik gegen namentlich bekannte Personen lassen wir hier NICHT anonym zu. Das ist unanständig.

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