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Weihnacht im Stall Dellwig: Myrrhe ist profanes Rosmarin, und Balthasar wird schlecht auf seinem Dromedar

Balthasar kann Algebra, doch wird’s ihm schlecht auf seinem Dromedar. Immer dem Stern hinterher führt der Weg zunächst mal in die Irre, und Melchior zetert: „Du Sterndeuter! Rauchtest du etwa die Kräuter?!“ Nein nein, das wohlduftende Kraut haben die drei Weisen aus dem Morgenland artig fürs Jesuskindlein in der Krippe verwahrt. Wenngleich auch Melchior bei der feierlichen Gabenüberbringung im Stall geringfügige botanische Wissenslücken offenbart: „Ich schenke dir dieses Heilkraut. Ich schenke dir Myrrhe!“ – „Das ist Rosmarin!“, wird er zurechtgewiesen. Egal, es ist Weihnacht! Weihnacht im Stall.

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Ihr Kinderlein kommet! Wuselig mit Leben gefüllt und knallvoll mit insbesonders Kindern war der Pferdestall auf Hof Wilmsmann in Dellwig an diesem wolkigen 1. Weihnachtsmorgen. Die Besucher hockten festgestimmt und erwartungsfroh auf schmalen Holzbänken, die dankenswerterweise die Schützen in den Stall gewuchtet hatten, freilich reichte für diese Vielzahl an Gottesdienstbesuchern der Platz doch nicht gänzlich aus, so dass sich manche kurz entschlossen ins Stroh der Pferdeboxen verkrümelten.

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Von hier oben aus ist bessere Aussicht auf die Krippe.

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Josef (Eike Steckel) mit einem schnaubenden Ochs- und Esel-Darsteller.


Pferde guckten im Übrigen auch zu. Zwei Stück, verkündete Pfarrer Jochen Müller. Freundlich wurde er sofort verbessert: „Nö, drei!“ Tatsächlich schob Nummer drei in diesem Moment schnaubend die samtige Pferdenase durchs Gitter, keine zwei Meter hinter dem provisorischen Altar. „So ist das an Weihnachten“, kontert der Pfarrer schlagfertig, „auf einmal ist es einer mehr!“

Weihnachten am Ort des Geschehens, im Stall mit Ochs und Esel (korrigiert: mit drei neugierigen Hottemaxen) und mit Maria, Josef und dem Kindlein in der Krippe, flankiert von den Hirten vom Feld und den drei Weisen aus dem Morgenlande, welche trotz Miniglobus in der Faust leichte Planlosigkeit offenbaren. „Am 1. Feiertag ist es gute Tradition, in den Stall zu gehen“, begrüßte Jochen Müller seine warm ausstaffierten Weihnachtsgottesdienstbesucher und erinnerte an diese schöne Tradition in der Kirchengemeinde Dellwig, jedes Jahr im Wechsel in einem anderen Stall im Fröndenberger Westen Weihnacht zu feiern. In Billmerich hatte der Brauch seinen Ursprung.

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Drei leicht unkoordinierte Morgenlandkönige (Katharina, Martha und Kontantin Mrozik), unten Maria und Josef (Daniela und Eike Steckel) sowie Helmut Mrozik in tragender Rolle mit dem Stern: „Mir schlief schon ein bisschen der Arm ein.“

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Fürs Krippenspiel 2015 war die komplette Familie Mrozik in Königs- und Hirtenkluften geschlüpft, und Vater Helmut hatte als Sternträger eine wahrhaft tragende Rolle übernommen. Amüsant und zotig ließ die Aufführung auch derbe Späße zu. Dafür hatte sich Pfarrer Müller schon wohlweislich gewappnet, als er das Drehbuch schrieb: „Ich gehe mal davon aus, dass fröhlich improvisiert wird.“

Das wurde es, Familie Mrozik ist schließlich theatererfahren. Man durfte also herzhaft lachen über die unkoordinierten Morgenland-Könige mit ihren Küchenkräutern statt Myrrhe im Gabengepäck, über einen emanzipierten Josef, der vor dem Vater Unser wichtig verkündete: „Ich muss jetzt erst mal nach der Windel gucken.“ Ach ja, und Sternträger Helmut gab nach dieser höchst vergnügliche und dennoch festliche Stallweihnacht frei heraus zu: „Mir ist zwischendurch schon ein bisschen der Arm eingeschlafen…“

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Maria und Josef fehlen noch, dafür sind die Hirten vom Feld zu den drei Weisen herbeigeeilt: Evelin Sparbrod und Markus Teupen (li).


Dickes Kompliment an alle Darsteller: Familie Mrozik – Vater Helmut als Sternträger, Mutter Martha als Melchior, Tochter Katharina als Balthasar, Sohn Konstantin als Caspar. Daniele und Eike Steckel spielten Maria und Josef und Evelin Sparbrod und Markus Teupen die Hirten im Feld. Fehlt noch wer? – Ja: Das Jesuskind (eine Babypuppe) und drei statt zwei Wilmsmann-Pferde in der Ochs- und Eselrolle.


 

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