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Von zwei Touristen zusammengeschlagen: Beherzter Lüner rettet Opfer vor Schlimmerem

Das entschlossene Handeln eines 27jährigen Lüners bewahrte Sonntagfrüh einen jungen Mann aus Dortmund vor Schlimmerem. Der 23jährige wurde auf dem Rückweg von der Disco gegen 5 Uhr früh von zwei ihm unbekannten Männern – einem Iren und einem Franzosen – abgepasst und zusammengeschlagen.

Der Überfall passierte auf der Saarlandstraße. Beide Angreifer traten auf ihr schon am Boden liegendes Opfer weiter ein. Zum großen Glück für den attackierten Dortmunder beobachtete ein 27jähriger Lüner die brutale Tat und informierte so schnell die Polizei, dass diese die beiden Schläger kurz darauf festnehmen und zur nächsten Polizeiwache bringen konnte.

In ihrer Meldung geht die Dortmunder Polizeipressestelle – ein ungewöhnlicher Schritt –  auch auf die Herkunft der Festgenommenen näher ein: Es handele sich danach um einen 21-jährigen Iren und 25-jährigen Franzosen, die sich als Touristen in Dortmund aufhalten.

Wieso in diesem Fall entgegen der sonstigen Linie des Dortmunder Polizeipräsidiums die Nationalitäten der Verdächtigen offen genannt werden, begründete uns Kim Freigang von der Pressestelle ganz offen mit: „Weil bei Iren und Franzosen keine Gefahr der Minderheitendiskriminierung besteht.“

Hätten demnach diesen rohen Akt der Gewalt z. B. Nordafrikaner, Syrer oder Türken begangen, wäre dies nicht in der Meldung auf dem Polizeiportal aufgetaucht. Dort hätte dann wie immer nur gestanden: Zwei Männer, 21 und 25 Jahre alt.

Man habe sich zur Nennung der Nationalitäten in diesem Fall bewusst entschieden, sagte uns der Polizeisprecher. „Damit eben auch mal klar wird: Kriminalität kennt keine Grenzen.“ Die innenministerielle Richtlinie für die NRW-Polizei gibt ansonsten klar vor, dass keine Minderheitendiskriminierung stattfinden dürfe. Diese Gefahr sieht Kim Freigang in diesem Fall – Ire und Franzose – nicht. Bei Tatverdächtigen aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum wäre das anders gewesen.

Grundsätzlich kann Polizeisprecher Freigang der sehr offenen Richtlinienauslegung seiner Kollegen von der Bundespolizei viel Sympathie abgewinnen: Diese nennt grundsätzlich immer die Nationalität – egal ob Franzose, Ire, Deutscher, Türke oder Marokkaner. Doch die Entscheidungsbefugnis einzelner Polizeipressesprecher sei gerade in dieser hochsensiblen Täterherkunftsfrage sehr begrenzt.

Die beiden Schläger von Freitagfrüh wurden übrigens nach kurzzeitigem Aufenthalt in der Gewahrsamszelle nach Rücksprache mit der Staatsanwaltschaft wieder entlassen.

Der leicht verletzte Dortmunder wurde in einem nahe gelegenen Krankenhaus behandelt.

Kommentare (9)

  • Mike

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    In Österreicht werden überigens immer die Nationalitäten genannt, da gibt es keine Selbstzensur

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  • Peter T. Ehlert via Facebook

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    Andere Ausländer finden Geld???

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  • Sven Arnt via Facebook

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    Da kann man mal sehen, was für ein Unsinn diese „Richtlinie“ ist.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Ja, Sven Arnt, das hat der Beamte in der Pressestelle auch ganz deutlich gesagt. Diese sog. Richtlinie ist ebenso wie der gleichlautende Pressekodex Wischi-Waschi, erlaubt Interpretationen und Dehnungen in alle möglichen Richtungen und ist letztlich von der Willkür des jeweils oberen Entscheiders abhängig. Einfach sachlich berichten, was ist, ohne Wertung, und gut ist. Bei Verkehrsunfällen steht ja auch dabei „polnischer“ Lkw-Fahrer oder belgischer oder wie auch immer. Nachbarländer wie die Schweiz oder GB oder wie auch immer gehen unvergleichlich unverkrampfter mit dem Thema um. Ebenso wie Polizeipressestellen diese Richtline völlig unterschiedlich auslegen, legen auch Medien den Pressekodex unterschiedlich aus.

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    • Sven Arnt via Facebook

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      Also durch diese Zensur, was anderes ist es nämlich nicht, macht man es aus meiner Sicht viel schlimmer. Man büßt nämlich Glaubwürdigkeit ein und macht sich in manchen Teilen fast lächerlich. Es fördert den Vorwurf der Vertuschung, dass finde ich bedeutend schlimmer, als die Gefahr einzugehen irgendwen zu Diskriminieren. Die Leute, die hetzten wollen oder eh Vorurteile im Hirn haben, die machen das so oder so. Es täte Deutschland insgesamt ganz gut, nicht immer und alles unter einem moralischen oder wie auch gearteten Deckmäntelchen halten zu wollen.

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Jedes Wort unterschreiben wir.

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  • Jano Nym

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    Ich meine die Pressesprecher sollten keine Politik betreiben, sondern ohne vorzuverurteilen die bloßen Fakten nennen. Dazu gehört nunmal auch die Veröffentlichung der Nationalität. Das ist dann sicher nicht, egal um welche Staatsangehörigkeit es sich auch handelt, als minderheitsdiskriminierend anzusehen!

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  • Marc Weber via Facebook

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    Verückte Iren ?

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