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Vollsperrung mit Lücken, dafür ohne Umleitung – läuft! (irgendwie) in Fröndenberg

Anwohnerinformation ist was für Anfänger, und wer braucht schon Umleitungen. Läuft! (Irgendwie…) an dieser Baustelle in Fröndenberg. An welcher? An der mittig zwischen Mühlenberg und City auf der Hassleistraße.

Eine Chronologie kreativer Spontaneität. 😉 😉


Samstag, 2. Juli.„Vollsperrung ab 4. Juli“ verkündet das Anzeigenblatt. Der 4. ist übermorgen. Straße wird fein neu gemacht und dies auch direkt vor unserer Haustür. Fein! Was ist mit Parken? Darf der Postmann durch? Darf der Müllmann durch? Darf überhaupt irgendwer noch irgendwo hin und wenn nein, wie lange nicht und woher und wohin statt dessen? Ein Fass voller Fragen.

Samstag und Sonntag, 2./3. Juli. – Hitzige Baustellen-Überraschungscoupdebatte auf Facebook. Mahnender Hinweis, „das“ habe doch „in der Zeitung gestanden“.  Da stand aber auch nicht mehr als im Anzeigenblatt. „Die“ Zeitung haben außerdem die meisten Nachbarn noch nie in der Hand gehalten. Der Nachbar von links nebenan hat sie, „und irgendwas stand da auch“, was es war, weiß er nicht mehr, das will er am Montag die Bauarbeiter fragen. „Ich bin ja den ganzen Tag da.“ Prima. Die Nachbarin von rechts nebenan ist nicht den ganzen Tag da, sie hat „die Zeitung“ noch nie und das Anzeigenblatt zumindest an diesem Samstag nicht gelesen. So bleibt die gute Frau mit offenem Mund auf der Straße stehen: „Ab Montag? Und wo sollen wir parken?“ Öhem, auf dem Gehweg, wie immer. Wir wissen ja offiziell von nix.

Montag, 4. Juli.

Gespanntes Warten auf die Baustelle, die nicht kommt. Auch der Bus kommt nicht, der fährt laut „Zeitung“ und Anzeigenblatt jetzt eine Umleitung via Eulenstraße, Union- und Nordstraße. Letztere ist dank halbseitiger lückenloser Parkerei schon jetzt so nadelöhreng, dass keine zwei Autos nebeneinander herpassen, geschweige denn ein Bus plus Auto oder, Lachnummer!, zwei Busse. Für den Nachmittag ist Katastrophentourismus eingeplant. „Wo ist sie denn jetzt?!“, mault frühnachmittags eine Userin auf Facebook. „Wo ist wer?“, fragen wir begriffsstutzig zurück – „Na, die BAUSTELLE!“ Nirgends. Der Mühlenbergverkehr brettert wie eh und je unbekümmert durch die Vollsperrung. Läuft.

Baustelle Hassleistr. 11

Dienstag, 5. Juli.

Es wird Ernst. „Baufahrzeuge vor der Tür!“, meldet am Vormittag aufgeregt der Hausmitbewohner. Bei unserer Rückkunft nach Feierabend hat auch die junge Baustelle schon wieder Feierabend. Vor Nachbars Garage – DIREKT VOR Nachbars Garage – klafft allerdings eine Baugrube. Jetzt wissen wir endlich die kryptischen prähistorischen rosa Kreidezeichen vor unserer eigenen Haustür zu deuten, die uns dort stumm vorletzte Woche wie ein Fanal entgegenleuchteten: Die nächste Baugrube wird direkt vor unserer eigenen Eingangstreppe klaffen. Lernen durch Anschauung. Läuft!

Hassleistr. Baustelle

Baustelle Hassleistr. Titel 2

Eine putzige rotweiße Sperrbake, sozusagen ein Baken-Baby, versucht rührend nutzlos ca. 50 Meter vor dem trauten Heim die Straße zu blockieren, doch ihre Breite langt gerade mal für die rechte Fahrspur. Der stumme Verzweiflungsschrei „Vollsperrung!“ rührt uns zwar, doch wir können ihn leider nicht Ernst nehmen. Ebenso wenig tun das alle anderen, die unbekümmert weiter durch die Vollsperrung brettern.

Mittwoch, 6. Juli, früher Nachmittag.

Die Rückkunft zum trauten Heim findet heute vor Baustellenfeierabend statt, deswegen ist jetzt Action angesagt. Hinter der Mini-Bake ist unsere Straße mit schwerer Baustellengerätschaft zugepflastert. Noch während zügigen Einparkens an gewohnte Stelle auf zerbeultem Gehweg stapft ein Mensch in rustikaler Bauarbeiterkluft heran. „Tach! Steht das Auto da auch noch morgen früh um 7?“ – „Ja.“ – „Das ist schlecht!“

Man erklärt dem Herrn höflich, was aus Anliegersicht „schlecht“ ist, nämlich den üppig Grundsteuer zahlenden Bürger zwei Tage vor einer Vollsperrung über dieselbe zu informieren – besser gesagt zu desinformieren.

Es entspinnt sich ein unerquicklicher Dialog. „In der Zeitung stand´s auch.“ – „Die hat aber nicht jeder.“ – „Aber das Anzeigenblatt hat jeder, und da drin haben Sie´s doch selbst gelesen!“ – „Ja genau, zwei Tage vorher, und das wirklich Wichtige stand da auch nicht drin: Parken, Post, Müllabfuhr…“  – „Aber bitte schön, ich stehe hier doch gerade vor Ihnen und informiere Sie!“ (Das Gegenüber schnauft, beginnt rot anzulaufen.) Versuch in Güte. „Was spricht denn bitte gegen Infozettel?“ – Entrüstung! „Was sollen wir bitte noch alles machen?! Glauben Sie, wir können hier jedem Anwohner hier extra einen Zettel in den Briefkasten stopfen?!“ Ja, wieso nicht? Oder schlichte Information via Internet? Moderne Medien..?  „In anderen Städten wie in Unna geht das auch.“ Erneutes Schnaufen, noch wütender: „Unna macht auch nicht alles richtig!“ Nö, würde wir nie behaupten. Dies hier, Baustellen, macht Unna aber schon irgendwie ein bisschen richtiger…

Nochmaliger Anlauf. Alternativ für ein paar Schilder reicht´s auch nicht? Schlichte Parkverbotsschilder, können ja ruhig verbeult und gebraucht sein: Hier nicht parken von dann und dann bis dann und dann…. Entrüstetes Prusten. „Extra beim Kreis Unna Schilder beantragen!? Ich merk schon“, verächtlicher Seitenblick, Sie haben´s mit Bürokratie.“ – Nö, erwidern wir entspannt, aber wir werden uns jetzt bei der Stadt Fröndenberg beschweren, am Beschwerdetelefon. Das wollten wir sowieso die ganze Zeit schon mal ausprobieren, dieses Beschwerdefon extra für wütende Bürger. Wütend stapft unser Gegenüber zu seinem Baugerät zurück, ruft uns irgendwas hinterher (nichts Nettes wahrscheinlich, aber man muss nicht alles wissen.) Unser Autochen? Bleibt stehen, wo es immer steht, auf dem zerbeulten Gehweg. Wir wissen ja offiziell von nix.

Mittwoch, 6. Juli, fortgeschrittener Nachmittag.

Wir probieren das Bürgerbeschwerdetelefon der Stadt Fröndenberg. Hervorragend, allerbester Service. Der Bürger wird aufgefangen, verstanden, bekommt verständnisvoll bestätigt, dass es, nein, SO wirklich nicht geht. Dem durchweg erfreulichen Telefonat folgt ein unerquickliches (eilfertig vermitteltes) mit einem zuständigen Menschen im Bauamt. Über den Inhalt decken wir den Mantel der Diskretion. Nur soviel:  Wer braucht in Fröndenberg schon Anliegerinformation – wer braucht Umleitungsschilder?! Es gibt doch „die Zeitung“, und es gibt sprechende Bauarbeiter vor Ort!

Baustelle Hassleistr. 12

Donnerstag, 7. Juli.

„Anlieger frei“ und „keine Wendemöglichkeit“ warnt die Zusatzbeschilderung (! jawoll!!) auf der Mini-Bake an beiden Zipfeln der Baustellenwurst. Bemerkenswert viele scheinen ein Anliegen zu haben, seit Beginn der Vollsperrung ist auf der Straße mehr los als vorher. „Keine Wendemöglichkeit“ ist gelogen, man kann überall üppig wenden (z. B. in der breiten Altenheimzufahrt). Vollsperrung stimmt auch nicht, man kommt an beiden Zipfeln der Baustellenwurst locker an den Baken vorbei. Läuft.

Baustelle hassleistr. 10

Baustelle hassleistr. 8

Umleitungen? Wer braucht schon Umleitungen! Highway auf dem Klusenweg! Die haarnadelenge Einbahnstraße offenbart sich für Ortskundige als willkommene Abkürzung (sic!), die Nachbarn dort können einem leid tun, die haben dort jetzt in diesen zwei Wochen Julibaustelle so viel Highlife vor der Tür wie sonst im ganzen Jahr nicht. Statt 30 (wie geboten) brettert der Ausweichverkehr mit 60 die Kluse hoch. Die Fahrbahn ist an der breitesten Stelle gefühlte 2 m breit, wir messen nach – 2,10 m. Passt doch.

Ratlose Auswärtige, die vor der Bake stoppen und erstmal ziellos eine Ehrenrunde Auf dem Sodenkamp/von Tirpitzstraße drehen, winken wir huldvoll lächelnd durch. Wie, man kann durch…?  Durch eine VOLLsperrung…?!! – Ja, aber eben eine Fröndenberger Vollsperrung. Dankbares Winken und frohes Lächeln bei den Gästen von auswärts, auch uns wird warm ums Herz. Jeden Tag eine gute Tat.

Unser Autochen steht da, wo es immer steht, auf dem zerbeulten Gehweg. Wir wissen ja offiziell von nix.

Freitag, 8. Juli.

Parkverbotsschilder!! Ja ist es zu fassen. Tusch! Eins unten am Gehweg direkt vor Nachbars Garagenzufahrt, eins oben vor unserer Haustür. Das untere sieht reichlich verbeult aus, so als müsste es schon Jahrhunderte für Baustellenparkverbote herhalten, im oberen nicht minder ramponierten prangen zwei kreisrunde Löcher. Einschusslöcher? Wundern tät´s uns nicht. Erheiternd ist der zeitliche Hinweis: „Ab 11. 7.“ Bis wann? Weihnachten? Ostern? Muss niemand wissen! Läuft doch!

Unser Autochen steht jedenfalls da, wo es immer steht, auf dem zerbeulten Gehweg, denn verboten ist ja erst „AB 11. 7.“

Baustelle Hassleistr. 4

Samstag/Sonntag, 9./10. Juli.

Die Durchfahrtsverbotsschilder auf der Nordstraße steil runter zur Mühlenberg-/Hassleistraße sind von Ku-Klux-Klan-artigen Müllsackverpackungen verhüllt. Für ein paar Müllsäcke hat´s offenbar noch gereicht, Hauptsache, hier werden von der Stadt keine raren Windelsäcke zweckentfremdet. Dann wär´ direkt wieder Stimmung in der Facebookbude.

Baustelle Hassleistr. 5

Baustelle Hasslestr. 6

Auf der Nordstraße herrscht rechtseitig jetzt Parkverbot, die Autos stehen jetzt statt dessen links. Passt.

Montag, 11. Juli.

Artig parkt heute niemand auf dem zerbeulten Gehweg. Auf der Baustelle passiert heute auch nichts. Der gelbe Minibagger vor Nachbars Garage harrt der Dinge, welcher, wissen wir nicht. Ob mal zwischendurch mal wieder was „in der Zeitung“ stand? Im Anzeigenblatt stand nix.

Dienstag, 12. Juli.

Still ruht die Baustelle Tag II. Von weiter oben dröhnt großes Getöse, hier unten darf niemand parken und niemand reißt irgendwas auf. Himmlische Ruhe. Vom durchbretternden „Anlieger“verkehr abgesehen.

Baustelle Hassleistr. 11

Mittwoch, 13. Juli.

Der Veralberung müde parken wir das Autochen heute wieder mittig zwischen den beiden Halteverbotsschildern auf dem verbeulten Gehweg, prompt rollen Baumaschinen an, und der Minibagger vor Nachbars Garage erwacht urplötzlich wieder zum Leben. Egal, als wir weg müssen mit dem Autochen, sind auch die Baumaschinen wieder weg.

Hassleistr. Baustelle 1

Donnerstag, 14. Juli.

Presslufthammergetöse!! Ganztags!!! Direkt vor, ober- und unterhalb des trauten Heimes. So wünscht man sich die erste Sommerferienwoche. Vor allem wissen wir ja offiziell von nix. Nachmittags wird das Gehämmer von beißendem Teergeruch abgelöst. Die Schwaden ziehen in die gute Stube. Vorfreude auf eine frisch gemachte Straße, glatt wie ein Kinderpopo.

Freitag,  15. Juli.

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Offizielles Baustellenende! Tusch!  (Stand jedenfalls damals so in „der Zeitung“ und im Anzeigenblatt.) Hmh… mittags sind alle Baustellengeräte samt den dazugehörigen Menschen verschwunden.  Fette Teerfleckenflicken, die vertrauten Risse zwischendrin und Hubbel und weiterhin Parken verboten auf dem zerbeulten Gehweg. Doch das Dixieklo steht da noch zwischen dem über- und übernächsten Nachbarn rechts am Bürgersteig. Da passiert also wohl noch was…

ABER die Parkverbotsschilder auf dem Gehweg sind weg!! Werden wohl akut anderswo gebraucht…

Aber – wie gesagt: Offiziell wissen wir von nix  😉

 

 

Kommentare (2)

  • Luenne

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    Klingt nach einer deutschen Standard Baustelle .-)
    Ich glaube anders geht es gar nicht zumindest wenn ich an die meisten Autobahnen denke …

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    • Silvia Rinke

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      😉 Ja, Luenne, diese Baustellenchronologie erschien der Verfasserin irgendwie symptomatisch.

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