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Viel Lärm um nichts zwischen Gräbern? CDU sauer: „Westfriedhof kein Rummelplatz“

Viel Lärm (um nichts) zwischen Grabstätten? Die CDU-Ortsunion Unna-Oberstadt ist sauer. „Der Westfriedhof ist kein Rummelplatz“, kritisiert Ratsherr und Oberstadt-Chef Carsten Morgenthal, nachdem der Kulturausschuss einstimmig das diesjährige Summertime-Programm beschlossen hat.

Einstimmig heißt: auch mit Morgenthals Zustimmung. Doch tat dieser in der Sitzung seinen Unmut kund über die Theateraufführung „Viel Lärm um nichts“ des Theaters Narrenschiff. Denn diese soll – wie schon einige Shakespeare-Aufführungen des „tn“ zuvor – in diesem Sommer wieder auf dem Westfriedhof stattfinden.

Für die Oberstadt-CDU ist es jetzt langsam zuviel des Guten. Bereits im Stadtbetriebe-Ausschuss Anfang März war die ungewöhnliche „Theaterbühne“ Thema. Die CDU-Ausschussmitglieder stimmten in jener Sitzung zwar für eine Neuauflage der Stadtlichter – die künstlerische Illumination des Westfriedhofs durch Wolfgang Flammersfeld im kommenden Herbst -, doch eine Shakespeare-Komödie zwischen letzten Ruhestätten fanden die Christdemokraten unziemlich und stimmten dagegen.

Andre Decker
André Decker, der Chef des Theaters Narrenschiff, weiß um die sensible Problematik.

„Uns ist es wichtig, dass wir respektvoll mit dem Ort umgehen und entsprechend lyrische Werke von Shakespeare bewusst auswählen“, versicherte Unnas Theatermacher auf unsere Bitte um Stellungnahme hin. „Die Bedenken, die geäußert werden, können wir nachvollziehen. „Doch  die  letzten beiden Veranstaltungen, erinnert Decker, seien sehr positiv von den Bürgern aufgenommen worden, Beanstandungen gab es im Nachgang keine.

Der Spielort, unterstreicht Judith Binias vom tn, sei der alte Teil des Friedhofs, also nicht der, auf dem sich neuere Gräber befinden. „Und wir bekommen sogar Stimmen von Angehörigen, die sich darüber freuen.“

shakespeare im park flyer

„Das Publikum wird bewusst auf den entsprechenden Wegen zum Spielort geleitet und die Darsteller halten sich auf der ihnen zugeteilten Wiese auf“, verspricht André Decker auch bei der nächsten Open Air-Shakespeare-Aufführung wieder größtmögliche Behutsamkeit mit dem sensiblen Ort. Uns selbst ist der Westfriedhof als grüne Lunge von Unna und als besonderer Ort sehr wichtig. Wir rücken ihn durch entsprechende Veranstaltungen ganz bewusst in den Blickpunkt der Bürger.“

Die CDU will das Thema aber jetzt grundsätzlich geklärt wissen. „Wir fordern einen behutsamen Umgang bei der weiteren Öffnung der städtischen Friedhöfe für Veranstaltungen. Die Totenruhe ist ein hohes Gut und sollte nicht für kurzfristige Kulturevents geopfert werden, unterstreicht Ratsmitglied Erich Kress, Mitglied im Ortsunionsvorstand und im Betriebsausschuss Stadtbetriebe.

Er fordert zusammen mit Morgenthal eine breite kritische Diskussion darüber, ob und welche Veranstaltungen die Stadt auf ihren Friedhöfen haben will.

also auch nach unseren Aufführungen und NIX war von uns dort, sondern von den üblichen Menschen die dort Alkohol täglich konsumieren

Westfriedhof 20

Mit der Friedhofsillumination „Stadtlichter“ jährlich im Herbst durch Wolfgang Flammersfeld (Bilder oben/unten) hat auch die CDU keine Probleme. Doch zur Bühne einer Shakespeare-Komödie möge die letzte Ruhestätte doch bitte fortan nicht mehr werden, wünscht sich die Oberstadt-Union und fordert eine Grundsatzdiskussion zu Kulturveranstaltungen und Friedhofswürde.

Westfriedhof 1

Kommentare (17)

  • Doro Thea via Facebook

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    Hm. Ich stell mir grad vor, ich wähle den Westfriedhof für mein Urnengrab, wie würde ich das finden? Da der Tod Teil des Lebens ist, würde ich es begrüßen, dass ich auch im Tod noch am Leben teil habe. In Maßen. In Ruhe. Mit Respekt.

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    Wir können uns erinnern, dass bei der Stadtlichter-Illuminierung im Herbst einzelne Leser sich ebenfalls kritisch äußerten, ob das ziemlich sei. Es gab da ein breites Meinungsbild. Einige fanden Veranstaltungen auf Friedhöfen grundsätzlich nicht passend, andere begrüßten sie, weil so ja gerade der immerwährende Kreislauf von Leben und Tod symbolisiert würde. Es ist ein sensibles Thema, auf jeden Fall.

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  • Helga Pszolka via Facebook

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    Ich Teile die Position der CDU ! Störung der Totenruhe ist zum Einen ein Straftatbestand. Zum Anderen können die Verstorbenen ihre Rechte nicht mehr selber ausüben und bedürfen des Schutzes der Gesellschaft.

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  • Sven Arnt via Facebook

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    Also Theater finde ich auch irgendwie etwas zuviel des Guten. Die Illumination hat ja dann noch etwas entspanntes und würdevolles. Das Leben auch auf einem Friedhof ist, dass ist irgendwie auch tröstlich, aber die Grenze zum „Klamauk“ sollte man nicht überschreiten. Es gibt ja viele Menschen, für die der Friedhof ein Ort der Erinnerung und Besinnung ist, das muss man respektieren.

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    • Tim Krause via Facebook

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      So sehe ich das auch Sven. Mein alter Herr residiert dort auch und ich finde es nicht schlimm, wenns illuminiert ist aus von dir genannten Gründen. Sobald es aber Zirkuscharakter annimmt, finde ich das auch befremdlich.

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  • Gerald Zemke via Facebook

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    Ob es die Toten stört….? Das glaube ich eher nicht.
    Aber ich glaube mich würde es stören. Mein Sohn liegt dort bei den Urnen Gräbern. Das fand ich bei den Lichtern schon seltsam, beim Theater ginge mir das zu weit.

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  • Jama To via Facebook

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    Tote/Ruhe soll erhalten bleiben! Für alle sollte es gelten! Sauf Orgie und Theater sollte da statt finden wo dafür vorgesehen und konzessinier ist! Und vor allem um danach über gebliebenen Abfall kümmert sich keine!!!
    Ich glaub kaum das jemand von diesem ,,Befürworter“ möchte das auf denen Grab oder denen Kinder, Eltern und Großeltern jemand seine Saufparty veranstaltet!

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      :-O Jama To, also bitte! Hier ist doch von keinen „Saufpartys“ die Rede! Hier geht es um Shaekespeare- Aufführungen des Theaters Narrenschiff, die in den vergangenen Jahren vom Verlauf und der Disziplin der Besucher her immer anstandslos über die Bühne gingen, buchstäblich über die Bühne. Man soll gern kritisieren, dass ein Friedhof nicht der richtige Ort für Kulturveranstaltungen sei, aber mit „Saufgelagen“ sind die Narrenschiff-Insezenierungen ganz gewiss nicht in Verbindung zu bringen.

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    • Jama To via Facebook

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      Wahrscheinlich waren Sie nächste Tag nicht mehr dort! Dan wäre es evtl sinnvoll dieses Jahr danach das Friedhof zu besuchen!

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    • Rundblick Unna via Facebook

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      Jama To – und du weißt sicher, dass diese „Saufgelage“ Theaterbesucher veranstaltet haben, ja? Wenn ja, sollte das schleunigst dem Ensemble mitgeteilt werden (bzw. hätte direkt danach geschehen müssen). Wenn nein, dann bringt eine solche Behauptung das Narrenschiff in Misskredit. Das finden wir nicht fair. Wenn Angehörige explizit keine Aktionen auf dem Friedhof wünschen, sollten sie das deutlich der Stadt Unna mittteilen. VG.

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    • Jama To via Facebook

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      Ich hab schon Einsicht während der Veranstaltung sowie Tag danach erleben durften!
      Und wenn sich ein von Euch vergewissern will, sollte seine Füße am Tag danach doch bis dorthin bewegen!
      Übrigens, die Familien bezahlen für Gräber über 25 bis 30 Jahre und das nicht zu wenig Geld! Somit haben Sie auch darüber Anrecht zu entscheiden! Aber Die werden gar nicht gefragt!!!
      Wer sein Kind dort hat oder seine Geschwister, glaube ich nicht das der diese Veranstaltung gut heißen tut! Nur vielen trauen sich nicht mehr was zu sagen! Alle sagen, es ist sinnlos! Wir kommen je nicht gegen ,,Götter“ von oben durch…..

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  • Jama To via Facebook

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    Wer anders behauptet, hatte wahrscheinlich bis jetzt keine wahre Trauer und Verlust erlebt! Sollte aber beten das auch weiterhin so bleibt! (Trauer nicht erfährt)

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  • Patrick Funke

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    Gäähn…alle Jahre wieder, diese Diskussion.
    Die Veranstaltungen finden nicht auf den Gräbern statt, sondern auf dem Areal und es sind würdevolle Veranstaltungen und keine Krawallpartys.

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  • Rundblick Unna via Facebook

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    Wir haben den Bericht noch um einen Zusatz des Theaters ergänzt. Der Spielort sei nicht der Teil des Friedhofs, auf dem sich neuere Gräber befinden. Bei vergangenen Aufführungen hätten sich Angehörige ausdrücklich darüber gefreut.

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  • Christoph Tetzner

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    Guten Abend!
    Ja, es sollte dafür eine Regelung gefunden werden, da tagsüber der Ordnungsdienst im Sommer die Leute aus den Grünflächen vertreibt und abends zu den Stadtlichtern dann die Grabsteine illuminiert werden. Ich mag die Ausstellung, habe jedoch meine Bedenken in Bezug auf den immer noch aktuell als Friedhof genutzten Teil.

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