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Verstorbene nicht „entsorgen“ – CDU Fröndenberg macht Vorstoß für menschenwürdigere Bestattungen

Wer wenig Geld hat, wer kaum selbst genug Geld zum Leben hat – der soll trotzdem würdevoll, menschenwürdig um seine Hinterbliebenen trauern können. Dazu unternimmt die CDU in Fröndenberg jetzt einen Vorstoß.

Hintergrund:
Im Fall einer sogenannten Sozialbestattung untersagte die Stadt Fröndenberg einem Witwer das Aufstellen eines Grabsteines auf dem Neuen Friedhof. „Nach fast 60 Jahren Ehe weiß der alte Herr nicht einmal, wo genau sich das Grab seiner Frau befindet“, schildert die CDU den Fall. Die Stadt habe alle Satzungen und Vorschriften eingehalten. „Dennoch gab Fröndenberg hier leider kein gutes Bild ab“, finden die Christdemokraten.

Sie bitten daher um Überprüfung, ob nicht zumindest eine teilanonyme Grabstelle für Sozialbestattungen möglich ist. „Vorstellbar wären Kolumbarien (siehe im Bild unten) oder Grasflächen für Urnen unter oder neben Bäumen mit einer Hinweistafel mit Namen der dort Beigesetzten, unter der Angehörige Blumen ablegen können“, schlägt die Fraktion vor.

Friedhof.B.sperde.Kolumbarium.II

Beispiel für ein Kolumbarium auf dem evangelischen Friedhof Menden-Bösperde.

 

Des Weiteren soll die Stadt nach einer „günstigen, sozialverträglichen, aber humanen Lösung“ für sog. „ordnungsbehördliche Bestattungen“ suchen, bei denen keine Angehörigen auffindbar ist.

Im Antrag der CDU, den uns Fraktionschef Gerd Greczka am Wochenende zuschickte, heißt es weiter:

„Bislang wurden die jährlich rund zehn Fälle – hauptsächlich aus Heimeinrichtungen und dem JVK, aber auch langjährig in Fröndenberg Beheimatete – aus Kostengründen auf einem Friedhof in Hamm-Drechen bestattet. Hier entfällt ebenfalls die Möglichkeit für nahestehende Personen, die Grabstelle besuchen oder von den Verstorbenen Abschied nehmen zu können. Die Verstorbenen sind nun nicht nur ,entheimatet´, sondern auch namenlos.
Es muss möglich sein, auch für mittellose Menschen ohne Familie, die in Fröndenberg versterben, eine letzte Ruhestätte bereitzustellen. Ein Platz für eine Urne sollte sich doch auch kostenmäßig ermöglichen lassen.

Die Trauerkultur unserer Gesellschaft befindet sich bekanntlich in einem Wandel hin zu einer gewissen Sachlichkeit. Dessen ungeachtet ist es aus unserer Sicht unhaltbar und einer Stadt wie Fröndenberg nicht angemessen, Menschen, deren Angehörige nicht die Mittel für eine würdige Bestattung aufbringen können, oder deren Angehörige nicht auffindbar sind, nach ausschließlich kostengünstigen Kriterien zu bestatten oder gefühlt zu „entsorgen“ – egal wo, egal wie, aber immer unter Ausschluss der Öffentlichkeit.“

Anonyme Grabfelder sind mittlerweile in immer mehr Städten üblich. Sie sind eine Reaktion auf den gesellschaftlichen Wandel, den Wandel in der Trauerkultur. Dass sich Hinterbliebene dauerhaft und aus freien Stücken  um die Grabpflege kümmern, wird immer seltener, sei es wegen Zeitmangel, sei es, weil schlicht keine Angehörigen (mehr) vor Ort sind. Um zugewucherte, ungepflegte Friedhöfe zu vermeiden, gibt es anonyme Grabfelder. Sie werden, da sie aus öffentlichen Geldern angelegt und gepflegt werden, so schlicht und „pflegeleicht“ wie möglich gehalten und erlauben deswegen auch nicht das Aufstellen von Grabsteinen oder Grabschmuck.


In der Facbookgruppe „Du lebst schon lange in Fröndenberg, wenn…“ wird der Antrag der CDU lebhaft diskutiert. Mit Einverständnis der Kommentatoren hier die bis zum Montagmittag eingegangenen Stellungnahmen:

 

  • Christian Knospe Eine sehr gute Idee, wenn man den Artikel liest, bekommt man einen Kloß im Hals, nur noch „Kohle“ zählt. Menschlichkeit hört nach dem Tode auf !
  • Sascha Herrmann Es geht doch. Schade das es erst funktioniert nachdem halb Fröndenberg auf die Barrikaden gegangen ist. Das sowas überhaupt Praxis ist, ist schon mehr als peinlich genug für ein Land was für jeden Scheiß Geld übrig hat. Nur nicht dafür wo es sinnvoll wäre!!!
  • Gerd Greczka Aus meiner Sicht kann es nicht richtig sein, dass mittlerweile fast jede politische Entscheidung (Sportplatz an der Graf Adolf-Str, Förderung des Ehrenamtes/Freibad Dellwig, Sanierung von Strassen und städt. Gebäude, Beerdigung von mittellosen Fröndenbergern usw.) nur noch vom sicherlich sinnvollen Sparbemühen bestimmt werden. Es muss auch möglich bleiben, das wir uns hier in Fröndenberg ein ganz kleines bisschen Menschlichkeit und soziale/ kulturelle Verantwortung erhalten.
  • Sascha Herrmann Auch wenn mir Sibylle Weber bestimmt jetzt an die Kehle springt finde ich es aber schon fast traurig das sich ausgerechnet die CDU in diesem Fall um so soziale Belange kümmert, wo doch so viele Sozialdemokraten im Stadtrat sitzen…und 1 Linker…der eigentlich keiner ist „wink“-Emoticon Verkehrte Welt in Fröndenberg „grin“-Emoticon Ich muss tatsächlich mal die CDU loben….GUT GEMACHT!! So..und jetzt gehe ich mir den Mund mit Seife auswaschen!
  • Bettina Labs Auch eine „Bestattung“ mit Einäscherung in Hamm-Drechen kostet Geld, wenn auch weniger als hier.
    Die Differenz müsste doch von einer Stadt, die sich so manches Andere leistet, zu stemmen sein. Eine Urne in hiesigem Boden, das ist doch nicht viel verla
    ngt?!
    In unserem Urlaubsörtchen, einer kleinen Stadt am holländischen Meer, gibt es sogar für angespülte Körper einen Platz auf dem Friedhof, mit Kreuz, Datum und dem Hinweis „unbekannt“. Soviel Menschlichkeit muss sein!
  • Bettina Labs Sascha: Gerade die CDU, das „C“ steht für christlich! „wink“-Emoticon und – Danke!

 

Sascha Herrmann Bitte „wink“-Emoticon

 

Sven Kreutzkamp
Sven Kreutzkamp 10. August 17:21
Um den ganzen Irrsinn des konkreten Falls mal klarzustellen.

Dei anonyme Urnenbestattung, so wie sie im konkreten Fall von den Ämtern auch gezahlt worden ist, kostet in Fröndenberg 791€.

Herr Holve selbst, den ich am Samstag besucht habe, wird auch nicht mehr Jahrzehnte auf dieser Welt verweilen, da fallen in absehbarer Zeit also nochmal 791€ an Bestattungskosten an.

In der Summe werden also für Familie Holve 1.582€ an Bestattungskosten durch die Sozialkassen, defacto also durch uns, erstattet.

Um Herrn Holves Wünschen vollumfänglich zu entsprechen – Möglichkeit eines Grabsteines für seine Frau und seine Beisetzung neben ihr – bietet sich die „Urne am Baum (Doppelgrab; pflegefrei)“ an. Kostenpunkt 1.873€.

Wir sprechen also von unglaublichen 291€ an Mehrkosten gegenüber dem, was von den Ämtern erstattet wird.

Bei den Geldern die unnötig auf Bundes- Landes- und Kreisebene verpulvert werden sollte das eigentlich ohne Probleme unter den Tisch fallen können.

Hätte man 2011 z.B. einen fähigen Meschen mit dem Flughafen in Berlin beauftragt wären uns vermutlich ein erheblicher Teil der derzeit rund 3 Milliarden Mehrkosten erspart geblieben.

Aber was soll man sich aufregen…

 

Kommentare (3)

  • Helmut Brune via Facebook

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    An und für sich ist es ja der Wunsch des Verstorbenen selbst, wie er beigesetzt werde möchte. Natürlich gibt es auch Fälle, in denen das nicht geht. Wir haben ein Crematorium im Ort, daher ist hier die Anzahl von Begräbnissen kleiner als die Anzahl von Einäscherungen. Hier gibt es eine Anzahl von Möglichkeiten, vom anonymen Ausstreuen der Asche auf einem sehr schön angelegten Feld bis zu Ausstreuungen auf dem Meer oder aus einem Flugzeug. Es gibt auch Urnengräber. Selbst wenn es sich um verstorbene handelt, die keinen Besitz haben und deren Asche dann anonym ausgestreut wird ist es immer noch eine sehr würdige Angelegenheit.

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    • Jörg Thiemann

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      Nicht jeder mag es verbrannt zu werden! Wenn der Verstorbene seinen Wunsch nach Art der Bestattung kundgeben konnte, sollte man auch diesen letzten Wunsch respektieren.

      Laut gesetzt gehört ein Leichnam dem Staat und dieser sollte sich um eine gleichberechtigte Bestattung kümmern, den vor dem Gestzt sollten wir ja auch alle gleich sein ;o)

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