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Unsichere AKW – Piratenanfrage: Ist Unna auf den GAU vorbereitet?

Ist Unna auf einen GAU – größten anzunehmenden Unfall – in einem Atomreaktor (im konkreten Fall einem belgischen) vorbereitet? Dazu stellt die Piratenfraktion eine Anfrage an Bürgermeister Werner Kolter.

Anlass ist die Klage des Landes NRW gegen den Betrieb der belgischen Atomkraftwerke Thiange und Doel – keine 100 km von der Landesgrenze entfernt. Die Piraten unterstützen diese Klage ausdrücklich, schreibt Fraktionschef Christoph Tetzner. Er stellt dazu folgende Anfrage:

„Nach unserem Wissensstand werden die AKW Thiange und Doel trotz Rissbildungen in den Reaktoren weiter betrieben. Mit unabsehbaren Folgen könnte sich hier ein ,GAU´aus dem Betrieb ereignen, der folgenschwerer als Tschernobyl sein kann. Nur nicht mehrere tausend Kilometer von unserer Stadt entfernt, sondern quasi in unserem Vorgarten.

Hier nun die Fragen, die von Teilen unserer Fraktion gestellt wurden:

1. Wie sind wir auf solch einen „GAU“ vorbereitet?

2. Gibt es ein entsprechendes Krisenmanagement?

3. Wer hätte die Leitung bei solch einem Unfall?

4. Wurden bereits Jodtabletten für unsere Bevölkerung bestellt?“

Der Antrag ging heute an den Bürgermeister.

 

Kommentare (13)

  • Helmut Brune via Facebook

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    Darüber sollten wir uns schon Gedanken machen.

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  • Mike

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    Was erwartet er für eine Aussage ? Die Realität würde den Bürger verunsichern, insofern gilt immer die Aussage man ist natürlich vorbereitet.

    Grundsätzlich muss man nach INES erstmal unterscheiden um was für eine schwere es geht, ab INES 4 wird es relevant für die Bevölkerung.

    Punkt 1-3 sind seit Jahrzehnten abgedeckt, nennt sich Katastrophenschutz und dafür gibt es entsprechende Pläne, Stäbe etc., liegt griffbereit in der Schublade bzw. inzwischen im Computer. Die Feuerwehr hat u.a. den ABC-Zug um Strahlung messen zu können und kleinere Personenmengen dekontaminieren zu können bei „direkterem“ Kontakt z.B. Unfall in einer Röntgenpraxis etc.

    Punkt 4 ist auch ganz einfach, nur innerhalb der Fernzone (bis 100km) werden Jodtabletten verteilt, ausserhalb der Zone ist das erstmal nicht vorgesehen. Problem dabei, die Tabletten müssten normal innerhalb von 6 Stunden genommen werden, die in Aachen lagern z.B. im Klinikum, eine Verteilung ist in 6 Stunden nicht realisierbar, insofern ist das Konzept die Tabletten beim Bürger zu lagern das Richtige.
    Demnach werden für Unna, wohl keine Tabletten vorgehalten und wenn doch, wäre eine Verteilung an alle Unnaer in kurzer Zeit wohl nicht realisierbar. Inzwischen weiss man, daß Radien bis 100 km nicht ausreichen, ob das in die derzeitigen Pläne bereits eingeflossen ist wäre eine interessante Frage und wenn ja ob auch für Bereiche > 100 km Jodtabletten vorgesehen sind inzwischen (zumindest für Kinder) und wenn nicht wie diese ggf. beschafft werden sollten in so kurzer Zeit falls z.B. starke Winde herrschen sollten

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  • Mike

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    Ein ganz wichtiger Punkt fehlt, als es 1986 in Hamm-Uentrop einen Störfall mit Austritt von Radioaktivität gab wurde ja versucht das ganze unter den Tisch zu kehren und als es dann doch bekannt wurde wäre es für Maßnahmen viel zu spät gewesen. Das Ganze wurde nur durch einen Mitarbeiter bekannt der es inoffiziell an die überliegende Behörde gemeldet hatte. Die Frage ist nun, wie ist wirklich sichergestellt, daß im Störfall auch wirklich sofort Alarm ausgelöst wird und nicht wieder als harmlos vertuscht wird ? Welche Schutzprogramme gibt es für Whistleblower ? Ohne die Person wäre es wohl bis heute nicht aufgefallen, denn perfekt passend zur Vertuschung kam da ja gerade die Tschernobyl Wolke vorbei und niemand hätte die erhöhte Strahlungsbelastung bemerkt. Im nachhinein liess sie sich auf Grund der anderen Zusammensetzung jedoch nachweisen.

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    • fürst

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      Sehr guter Beitrag durch Hinweis auf Hamm-Uentrop und die üblichen Vertuschungsversuche („Für die Bevölkerung bestand zu keiner Zeit …..“).

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  • Margarethe Strathoff via Facebook

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    dann werde ich mal welche bestellen und einlagern. Aber jetzt mal ernsthaft, sollte der Supergau sich einstellen, nutzen auch keine Jodtabletten mehr. Vielmehr sollte die BRD ihre Reaktoren wieder anstellen, damit die uralt Anlagen in Belgien vom Netz genommen werden können. Auch der Strompreis spielt bei den größeren Unternehmen eine große Rolle, so dass diese in Grenznähe den mistigen belgischen Strom beziehen.

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  • Günther Klumpp

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    Respekt: Der Christoph Tetzner hat im April schon mal den grünen Antrag vom 9.3. zur Kenntnis genommen:
    Sehr geehrter Herr Bürgermeister Kolter.
    Die Fraktion von Bündnis90/Die Grünen im Rat der Kreisstadt Unna fordert den Rat der
    Stadt auf sich der Klage der Städteregion Aachen anzuschließen und ihr dadurch mehr
    Nachdruck zu verleihen. Als Kommune am östlichen Rand des Ruhrgebietes sind wir ebenso
    gefährdet wie die Städteregion Aachen, im Falle eines GAUes in einem der belgischen
    Kraftwerke, verstrahlt zu werden. Die historische Erfahrung mit der Hochrisikotechnologie
    Atomkraft lehrt uns, dass es fahrlässig ist diese maroden Reaktoren in der dichtest
    besiedelten Region Europas weiter zu betreiben.
    Begründung:
    In Belgien, etwa 60 km westlich der Stadt Aachen, betreibt der Energiekonzern Elecstrabel
    das Atomkraftwerk Tihange mit insgesamt drei Blöcken sowie bei Antwerpen das
    Atomkraftwerk Doel mit vier Blöcken. In den letzten Jahren ist es in den beiden Anlagen zu
    einer Vielzahl von Störfällen gekommen:
    Etliche Male mussten die verschiedenen Reaktoren infolge von Bränden, Ausfall von
    Pumpen usw. notabgeschaltet werden. Ein Abklingbecken verliert in Tihange seit Jahren
    radioaktives Wasser, ohne dass die Ursache geklärt wäre. Auf dem Gelände des
    Atomkraftwerks Tihange wurde eine scharfe Bombe aus dem 1. Weltkrieg gefunden.
    Mitarbeiter des Kontrollraums des Atomkraftwerks wurden wegen Ver-stößen gegen
    Sicherheitsvorschriften vom Dienst suspendiert. Alle 1000 Mitarbeiter des Atomkraftwerks
    mussten wegen mangelhafter Sicherheitskultur zu Nachschulungen. Im Atomkraftwerk Doel
    gab es 2014 einen Sabotageakt von Mitarbeitern, der zur Notabschaltung eines Blocks führte
    und bis heute nicht aufgeklärt ist.
    Besonders problematisch sind darüber hinaus zwei politische Entscheidungen:
    Die belgische Regierung hat den Weiterbetrieb der Blöcke Tihange 2 und Doel 3 genehmigt,
    obwohl die Druckbehälter dieser Reaktoren tausende Risse aufweisen. Die Ursache der
    Risse ist umstritten und selbst atomkraftbefürwortende Fachleute halten den Weiterbetrieb
    dieser Reaktoren für unverantwortlich. Der Druckbehälter ist das entscheidende Bauteil zum
    Schutz der Umgebung vor Radioaktivität.
    2014 beschloss die belgische Regierung die ältesten Reaktorblöcke Tihange 1 und Doel 1
    und 2 (Inbetriebnahme 1975) nicht – wie seit 2003 geplant – 2015 stillzulegen, sondern die
    Laufzeiten um zehn Jahre bis 2025 zu verlängern. Diese Reaktorblöcke gehören zu den
    ältesten in Betrieb befindlichen Atom-kraftwerken Europas.
    Gegen den Weiterbetrieb der Atomkraftwerke Tihange und Doel gibt es nicht nur in Belgien,
    sondern auch in den Niederlanden und Deutschland erheblichen Widerstand. Im Falle eines
    Unfalls würde austretende Radioaktivität bei den vorherrschenden Westwindlagen nach
    Deutschland und in die Niederlande getragen.
    Die StädteRegion Aachen hat deshalb beschlossen, alle rechtlichen Möglichkeiten zu
    nutzen, um gegen Tihange vorzugehen. Mit Unterstützung von Kanzleien in Brüssel und
    Düsseldorf wird die StädteRegion Aachen,
    Informationsansprüche nach europäischem Recht gegen die belgischen Behörden geltend
    machen und ggf. einklagen,
    die Europäische Kommission auffordern, dass diese ihre Informationsansprü-che gegen
    Belgien geltend macht,eine Klage beim belgischen Staatsrat gegen die (Wieder-) Zulassung
    der Wiederinbetriebnahme von Tihange 2 einreichen, zusätzlich eine Klage vor einem
    ordentlichen Gericht in Brüssel, mit dem Ziel, die Stilllegung von Tihange 2 zu betreiben,
    einreichen.
    Ergänzend wird die Städte Region Aachen Gespräche mit GREENPEACE über einen Beitritt
    zur Klage von GREENPEACE gegen Tihange 1 oder einen Beitritt zur Klage der
    StädteRegion Aachen gegen Tihange 2 führen.
    Bereits zahlreiche Kreise, Städte und Gemeinden aus der Aachener Region und darüber
    hinaus haben zugesagt, die Klagen der StädteRegion Aachen zu unterstützen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Björn Merkord

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  • Herbert

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    Hä, Tetzner schreibt, Teile der Fraktion stellen Fragen zu den belgischen Atomkraftwerken?! Welche Teile denn?Die Fraktion der Piraten besteht aus genau zwei Freibeutern. Das heißt also, dass ein einziger diese Fragen stellt. Wie ich gehört habe, hat sich der gesamte Unnaer Rat bereits zustimmend zu der von Land angestrebten Klage gegen die besagten Schrottmeiler geäußert. Will sich der Piratenkapitän mal wieder in der Vordergrund stellen?

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    • fürst

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      In den Vordergrund stellen, genau das war mein erster Gedanke.
      Das war lediglich ein Lebenszeichen der „Kaputtskis“.

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  • Jessika

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    Für mich tritt der Supergau ein, wenn die Piraten es irgendwo wieder in ein Parlament schaffen.

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  • Albert R.

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    Peinlich, Antrag der Grünen abgeschrieben. Heute steht in der Zeitung, dass der gesamte Rat der Stadt die Klage gegen Belgien ausdrüchlich begrüßt. Und das aufgrund eines Antrages der Grünen. Können es die Piraten nicht ertragen, dass sie nicht das letzte Wort haben oder wollen sie nur den Bürgermeister mit ihren Fragen beschäftigen.

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  • Mike

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    Peinlich ist echt, daß manche Leser hier nicht lesen können, der Antrag der Grünen ist doch etwas ganz Anderes als die konkreten Fragen des Piraten.

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  • Christoph Tetzner

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    Tja, Mike… Das hast Du recht: wer lesen kann ist klar im Vorteil!
    Hier steht das Krisenmangement im Vordergrund und nicht das die Dinger abgeschaltet werden sollen! Hier beschäftigt niemand nur den Bürgermeister, sondern es sind Fragen, die die Bevölkerung interessiert ?

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  • Albert R.

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    Nun ja Mike, irgendwie hängt diese Piratenfragerei aber ganz sicher mit dem Antrag der Grünen zusammen. Thema aufgenommen, ein paar „schlaue“ Fragen zur Katastrophenorganisation hinzugefügt und schon ist man wieder der große Kümmerer. Das bringt uns echt weiter?

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