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Unerwünscht: Wie drei Brüder aus dem Iran Integration und Willkommenskultur erlebten

Aus dem Iran nach Deutschland gekommen – und gegen massive Widerstände Jahrzehnte später „angekommen“. Sie waren „unerwünscht“.

Die drei Brüder Mojtaba, Masoud und Milad Sadinam schildern am Donnerstag, 10. Dezember, um 19:00 Uhr in der Bibliothek im zib Unna aus ihrem Buch „Unerwünscht“ ungefiltert, wie sie Integration in Deutschland erlebten. Die Stadt Unna stellt die Lesung der drei Brüder wie folgt vor:

„In „Unerwünscht – Drei Brüder aus dem Iran erzählen ihre deutsche Geschichte“ schreiben sie von ihrer Flucht, dem langen Kampf gegen die Windmühlen der Behörden und ihrem Wunsch, endlich in Deutschland ankommen zu können. Und sie schreiben davon, wie engagierte Mitmenschen ihre auf Menschlichkeit begründete „Willkommenskultur“ entwickelten, von der angesichts vieler Flüchtlinge heute gesprochen wird und wie dringend notwendig diese ist.“

Aus der Ankündigung zur Lesung (Schrägstrichsprache haben wir weggelassen):

„Über die Integration von Migranten wird oft hitzig gestritten. Doch wie wird man eigentlich integriert und wie kann man sich selbst integrieren? Die Hardliner im Windschatten von Sarrazin sprechen gerne von „Integrationsverweigerern“ und Parallelgesellschaften in „migrantischen Communitys“, selten aber von Migranten, die sich erfolgreich ein Leben in Deutschland aufgebaut haben und den gängigen Klischees so gar nicht entsprechen.

Mojtaba, Masoud und Milad wachsen Anfang der 80er Jahre in Teheran als Kinder regimekritischer Eltern auf und müssen 1996 zusammen mit ihnen aus dem Iran fliehen. Mit Hilfe eines Schleppers gelingt ihnen in einer Nacht-und-Nebel-Aktion die Flucht nach Deutschland. Sie kommen ohne Geld, Papiere und ohne deutsche Sprachkenntnisse in ein Auffanglager in Münster an. Obwohl im Iran akut bedroht, wird ihr Asylantrag kurze Zeit später abgelehnt. Nur durch die Hilfe engagierter Mitmenschen gelingt es ihnen, die Abschiebung in den Iran (vorerst) aufzuschieben und sich trotz der permanenten Unsicherheit und einer ungewissen Zukunft irgendwie einzurichten.

Die Drei schaffen es von der Auffangklasse für Flüchtlinge bis auf das Gymnasium. Doch trotz allen Engagements und Willens, hier zuhause zu sein, droht ihnen bald wieder die Abschiebung – ihr Antrag wird abgelehnt und die Familie mit Druck aufgefordert, das Land „freiwillig“ zu verlassen. Erst nach dem Selbstmordversuch ihrer Mutter und der Änderung des Asylgesetzes bekommen sie 2005 die lang erhoffte Aufenthaltsgenehmigung.

Nach einer Jugend in Gemeinschaftsunterkünften, Asylbewerberheimen und Baracken können sie sich endlich ohne Angst eine Zukunft in Deutschland aufbauen. Sie berichten von einer Integration gegen alle Widerstände.

Sie machen in Deutschland ein erstklassiges Abitur und bekommen exklusivste Studienstipendien – doch wirklich willkommen sind sie hier nie!
Termin: 10.12.2015 um 19.00 Uhr
Ort: Bibliothek im zib
Kosten: 7,00 €

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Kommentare (8)

  • Helmut Brune via Facebook

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    Meine eigene Erfahrung, (obwohl ich nur 100 Kilometer von meiner alten Heimat in ein anderes Land gezogen bin), besteht darin, daß man sich als Zuwanderer kompromißlos an seine neue Wohnumgebung anpassen muß. Man muß sich Mühe geben um die neue Sprache zu lernen und man muß den Willen haben, soviel wie möglich über die neue Umgebung wissen zu wollen. Wenn man das tut, kommt irgendwann die reaktion aus der Umgebung: Du bist einer von uns. Nur so kann es funktionieren. Natürlich braucht man dafür seinen kulturellen Hintergrund nicht zu verleugnen. Man kann auch seine Gewohnheiten beibehalten und pflegen. Man muß nur den Willen haben, ein Teil seiner neuen Umgebung sein zu wollen. Dabei ist es völlig Unwichtig, wo man herkommt.

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  • Herta Heinert via Facebook

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    Ein ganz toller Beitrag ,Kompliment Herr bru

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  • Herta Heinert via Facebook

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    Sorry, Helmut Brune, da bin ich ganz bei ihnen. Die Zuwanderer sehen es leider anders und somit wird die Integration schwierig

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  • Susanne Appelstiel via Facebook

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    Ja Helmut, so sollte es sein, ist leider eine Illusion.

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    • Helmut Brune via Facebook

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      Es ist keine Illusion. Bei mir hat es ja auch geklappt. Man muß die Leute nur in ausreichendem Maße aufklären, dann klappt das. Es gibt ja auch genug Beispiele dafür, daß es bei Leuten aus allen möglichen Ländern der Welt klappt. Es liegt wahrscheinlich am Niveau der Menschen.

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    • Susanne Appelstiel via Facebook

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      Hoffnung stirbt zuletzt 😉

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