Rundblick-Unna » … und schwuppdiwupp stand das Fahrrad vor der Wolke 7: Spendenerfolg im Turbo-Tempo

… und schwuppdiwupp stand das Fahrrad vor der Wolke 7: Spendenerfolg im Turbo-Tempo

Hilfsaktion erfolgreich beendet – im Turbotempo! Sabine Rammelmann ist hingerissen. „Ich konnte gar nicht so schnell gucken, wie…“ – wie bereits Minuten nach dem Start ihres Spendenaufrufs auf Facebook dutzendweise Angebote hilfsbereiter Fröndenbergern geradezu auf sie einprasselten. „30 Minuten später hatte ich freie Auswahl.“ Unter gefühlt 200 Fahrrädern.

Ihren Aufruf „Wer hat gut erhaltenes Herrenfahrrad für älteren Herrn abzugeben?“ startete die Inhaberin des Second Hand-Lädchens „Wolke 7″ am Markt relativ spontan. Sie suchte sich dazu die rege und mitgliederstarke Facebookgruppe „Du lebst schon lange in Fröndenberg, wenn…“ aus. „Bei dieser Gruppe hatte ich mich mal im Herbst angemeldet, nachdem eine Frau aus der Gruppe abends nach Ladenschluss dort gewarnt hatte: Achtung, bei Wolke 7 steht noch eine brennende Kerze im Schaufenster, bitte gebt der Inhaberin Bescheid! Ein Bekannter las das und rief mich sofort an, ich zurück in den Laden und die Kerze gelöscht. Was da hätte passieren können!“

Beeindruckt von diesem rasanten Informationsfluss startete Sabine Rammelmann nun ihre erste eigene Aktion in der Gruppe – und die brachte genauso rasend schnell Erfolg. Der Anlass war eigentlich betrüblich. Seit einigen Wochen besucht regelmäßig ein älterer Herr das Lädchen am Markt. Der 79Jährige, Helmut Holve sein Name, wohnt nur einige Schritte entfernt im Seniorenheim Haus Hubertia.

„Anfang Juni ist seine Frau verstorben, gestern war die Beerdigung“, schrieb Sabine Rammelmann in ihrem Spendenaufruf. „Heute stand er vor mir im Geschäft und erzählte mir, dass ihm gestern sein Fahrrad geklaut wurde.“

Spendenfahrrad Helmut Hove  (1)

Auf „Wolke 7″ – dieser kleine Kalauer muss sein: Helmut Holve mit seinem neuen, gebrauchten Fahrrad gemeinsam mit Sabine Rammelmann vor ihrem Second Hand-Laden „Wolke 7″ am Fröndenberger Markt.


Der Herr, dessen Namen Sabine Rammelmann auf Facebook sorgsam nicht preisgab, bekomme im Altenheim nur Taschengeld. „Das ist recht knapp. Das Rad war sein Stolz, er hat es 1980 gekauft – und es fuhr noch richtig gut. Ich finde es auch toll, dass er noch so gerne Rad fährt!“

Taschengeld bekommen Seniorenheimbewohner, wenn sie bedürftig sind und keine Angehörigen haben, sie sich kümmern. „Ich war erschüttert“, berichtet Sabine Rammelmann. „Er bekommt 100 € auf die Hand.“ Das reicht natürlich nicht für ein neues Fahrrad. „Er ist total fit, ist nur weger seiner kranken Frau ins Heim und setzt sich jetzt eben mit Rad öfter mal ab. Er verkümmert dort sonst!“, sorgte sie sich: „Hat jemand von euch ein altes, straßentaugliches Fahrrad übrig? Es muss für einen erwachsenen Mann geeignet sein, er ist ca. 178 groß.“

Das genügte. Freie Auswahl – am Tag darauf stand ein stabiles Herrenrad vor die Wolke 7-Tür, zwar älter schon, aber gut im Schuss.. „Wow“, dankte Sabine Rammelmann auf Facebook, „ich bin völlig begeistert, ihr seid echt Klasse!“

Spendenfahrrad Helmut Holve (1)

Äußerst klasse fand´s natürlich auch Helmut Holve, als er beim nächsten Besuch in der Wolke 7 plötzlich das Überraschungspräsent dort stehen sah. „Ist noch ein wenig was zu tun dran, das mache ich selbst“, meint der rüstige beinahe 80er und klopft auf den Fahrradkorb aus Metall auf dem Gepackträger: Hammer und Zange liegen dort griffbereit drin. „So bleiben Sie fit!“, ermuntert ihn Sabine Rammelmann. „Sie müssen in Bewegung bleiben. Sonst rosten Sie ein!“

Sie genießt die Anwesenheit des freundlichen Seniors selbst, betont Sabine Rammelmann. „Ich finde es schade, dass ich meist nur wenig Zeit für Herrn Holve haben.“ Wenn sie aber Zeit hat, widmet sie sich dem Witwer intensiv – und als studierte Kunsthistorikerin konnte sie ihm sogar schon alte Briefe in Süterlinschrift übersetzen. „Sütterlin kann Herr Holve nämlich nicht lesen…“

Spendenfahrrad Helmut Hove  (3)

Unter ihrem blauen Sonnenschirm vor dem Laden hält Sabine Rammelmann mit netten Besuchern gern ein Pläuschchen. Ihrem Dauergast Helmut Holve hat die studierte Kunsthistorikerin hier auch schon Briefe in Sütterlinschrift „übersetzt“.

 

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