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Thilo Sarrazin über „Wunschdenken“ und die gefährliche Politik der (Selbst-)Täuschung

Die Flüchtlingszahlen gehen rapide zurück –  „… jetzt glaubt man, man habe alles richtig gemacht.  Teile der Bevölkerung sind zu beschränkt, um das zu erkennen.“ – Oder: „Ich mache mir keine Sorgen um Sigmar Gabriel, ich mache mir Sorgen um die SPD.“

Dies und mehr sagt einer, der seit 44 Jahren selbst in der SPD ist, gleichwohl als ihr enfant terrible gilt und am Dienstagabend in einer Hochburg der SPD, in Kamen, sein neues Buch vorstellte.  „Wunschdenken: Europa, Währung, Bildung, Einwanderung – warum Politik so häufig scheitert“ .

Das Buch avancierte nach dem Mega-Verkaufshit „Deutschland schafft sich ab“ (2010) erneut zum Bestseller. Vergleichsweise gering demgegenüber die Zahl der Besucher, knapp 80 zählte man. Zugegebenerweise war nicht viel Werbung gemacht worden für die Lesung dieses umstrittenen Autors, dessen Tournee die Dresdner Agentur „WortReich“ organisiert.

Der Besuch des (immerhin noch per Parteibuch) sozialdemokratischen prominenten Autors wurde denn auch vom AfD-Kreisverband eifrig angekündigt, von den eigenen Genossen hingegen stillschweigend ignoriert.

Der ehemalige Berliner Finanzsenator und studierte Volkswirt ist mittlerweile 71 Jahre alt. In „Wunschdenken: Europa, Währung, Bildung, Einwanderung – warum Politik so häufig scheitert“ legt er nüchtern dar, wieso das Land aus seiner Sicht grundsätzlich miserabel regiert wird und welche fatale Fehlleistungen sich Politiker aller Couleur unablässig leisten – sei es aus Unvermögen, Gleichgültigkeit, Skrupellosigkeit, Berechnung oder schlicht aus Fahrlässigkeit.

Dies alles gepaart mit einer alarmierenden Tendenz zur Selbst-und Fremdtäuschung sieht Sarrazin derzeit eine hochgefährliche Mixtur köcheln – er macht es am Beispiel der Flüchtlingspolitik fest: Hier sei die Phase der Selbsttäuschung (Zahlen sinken, Problem ist im Griff) gerade erst eingetreten.

 

 

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