Rundblick-Unna » Tafel am Limit: „Können nicht auch noch alle Flüchtlinge versorgen – eine Lösung muss her“

Tafel am Limit: „Können nicht auch noch alle Flüchtlinge versorgen – eine Lösung muss her“

„Aufnahmestopp in allen Tafelfilialen“ vermeldet die Tafel Unna auf ihrer Homepage. Ziemlich genau ein Jahr nach dem befristeten Aufnahmestopp im Oktober 2015 kann die  ehrenamtliche Lebensmittelausgabe jetzt erneut keine neuen Kunden mehr aufnehmen. Vier Wochen lang versuchte sie es noch – der letzte Aufnahmestopp wurde am Ende der Sommerferien aufgehoben. Doch „es hatte keinen Sinn. Wir wurden überrannt“, sagte uns Tafel-Chefin Ulrike Trümper diese Woche ganz offen. Und sie sagt auch offen heraus, woran das liegt: Die Flüchtlinge, deren Asylantrag positiv beschieden wurde und die in eigenen Wohnungen leben und Hartz IV beziehen, erwerben damit auch den Anspruch auf einen Tafel-Ausweis. Den bekommt aber auf absehbare Zeit nun niemand mehr.

Immer mehr Kunden bei gleichbleibendem Personalstand und der gleichen Menge Lebensmittel – das funktioniert nun mal nicht, macht Trümper nüchtern logisch klar. „Wir sind damals nicht dazu angetreten, alle Flüchtlinge zu versorgen.“ Sie wünscht sich dringend, dass das Problem an einem Runden Tisch besprochen und eine Lösung gefunden wird. Denn ein Daueraufnahmestopp für alle Bedürftigen könne es ja nicht sein…

In Lünen standen an einem Ausgabetag 50 Neukunden auf einmal vor der Ausgabestelle. Im kleinen Holzwickede 40 – zusätzlich zu denen, die ohnehin schon als Kunden anstanden. „Das können wir nicht leisten. Wie? Soll ich einen Kopf Salat in zwei Hälften schneiden? Wie sollen unsere Leute das schaffen?“ Fragt sich Ulrike Trümper derzeit ratlos und weiß sich keinen anderen Weg, als Neukunden wieder die Tür zu weisen.

Tafel Unna Trümper Rosenstengel

Tafel-Chefin Ulrike Trümper ist mit der Situation selbst sehr unglücklich.


 

„Das machen wir sehr, sehr ungern“, betont sie. Doch mit inzwischen rund 5000 Menschen, die  gespendete Lebensmittel über die Tafel beziehen, ist das Limit mehr als erreicht. Daher gilt seit dem 19. September wieder Aufnahmestopp. Ende: unbegrenzt.

„Bis auf Weiteres gilt in allen Ausgaben der Tafel Unna aufgrund von Kapazitätsgrenzen Aufnahmestopp. Sie haben die Möglichkeit, sich vor Ort in Wartelisten einzutragen“, bittet der Verein auf seiner Internetseite um Verständnis.

Dass die Tafelstellen im gesamten Kreisgebiet überlaufen sind, liegt an der hohen Zahl von Flüchtlingen, die sich seit einem Jahr zu den bisherigen Kunden (Rentner, Hartz IV-Empfänger, Wohngeldbezieher) hinzugesellen. Bereits  Anfang Oktober vorigen Jahres musste die Tafel die Reißleine ziehen: Zu den bis dato 3500 Bedürftigen hatten sich seit Spätsommer 400 Flüchtlinge hinzugesellt, die an den zehn Ausgabestellen im Kreis insbesondere nach frischem Obst und Gemüse verlangten.  Damit waren sowohl die personellen Kapazitäten wie auch die Vorräte an Lebensmitteln erschöpft, erklärte uns damals Tafel-Chefin Ulrike Trümper. „Wenn die Kinder mit ihren schwarzen Kulleraugen vor mir stehen, blutet mir das Herz, wenn ich sie wegschicken muss. Aber wenn ich noch einen einzigen Apfel habe, kann ich ihn ja schlecht durchschneiden, damit ein Flüchtling noch die Hälfte davon abbekommt.“

Mit dem Umzug der Königsborner Tafel-Zentrale vom ev. Gemeindehaus Fliederstraße in den ungleich größeren ehemaligen Aldi an der Dorotheenstraße wurden die Platzprobleme in der Woche vor Ostern gelöst. Dass nun erneut Aufnahmestopp gilt, liegt unter anderem an den neu hinzugekommenen Flüchtlingen und Zugewanderten, die als Asylanten anerkannt und aus kommunalen Unterkünften mit Vollversorgung in eigene Wohnungen umgezogen sind. Jetzt haben sie damit Anspruch auf Versorgung durch die Tafel.

Gab es deswegen schon Unmut – unter den Stammkunden? Das fragten wir Ulrike Trümper vor einem Jahr. „Ein wenig“, sagte sie, „aber er hält sich noch in Grenzen.“ Sie wiederholte diese Einschätzung heute bei unserem Gespräch über die momentane Situation. Dabei sagte sie wie damals auch unverblümt, dass es, ja, auch zu Problemen komme, die es früher so nicht gegeben habe: dass die Flüchtlinge insbesondere Obst und Gemüse haben möchten, dass umgekehrt meist Schweinefleisch nicht erwünscht sei, auch nichts, was Schwein enthalte. Solche Spezialwünsche kann das enorm beschäftige Tafel-Team aber unmöglich erfüllen, steckt Ulrike Trümper klar die Grenzen ab. Sie lacht, wenn sie über die oft verärgerten Reaktionen der männlichen Kundschaft berichtet. „Sie wollen dann den Chef sprechen. Wenn ich sage, der Chef bin ich, kommen sie damit gar nicht klar. Ich bin für sie nix.“ Als gestandene Frau lächelt die Tafel-Geschäftsführerin darüber. „Tja, an mir kommen sie nicht vorbei. Damit müssen sie leben.“

Dürfen“ sich Flüchtlinge überhaupt bei der Tafel versorgen, haben sie das Recht dazu? Ja, wenn sie in eigenen Wohnungen leben. Doch zweifelsfrei in jedem Einzelfall nachzuhalten sei die Berechtigung nicht. Vor allem dann nicht, wenn erschwerend sprachliche Hindernisse dazu kämen.

Die Tafel Unna finanziert sich nach wie vor ausschließlich aus Spenden und über Sponsoren. Als in der existenziell schwierigen Lage im vorigen Jahr ein kommunaler Zuschuss diskutiert wurde, bekam die Vorsitzende von der Kreis-Sozialdezernentenkonferenz mit auf den Weg, dass die Einrichtung „Tafel“ nicht zwingend notwendig sei.

Zum Nachweis der Berechtigung ist zur Anmeldung bei der Tafel eine Kopie des aktuellen Bescheides mitzubringen – Rente, Hartz IV, Wohngeld. Die Berechtigten erhalten dann jeweils eine Kundenkarte, die bei jedem Einkauf bei der Tafel vorgezeigt werden muss.

Aktueller Kostenbeitrag pro Einkauf:

Eine Person: 2 Euro
Zwei bis fünf Personen: 3 Euro
Ab sechs Personen: 5 Euro

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Rundblick Unna Um es klarzumachen: Die Tafel Unna finanziert sich nach wie vor ausschließlich aus Spenden und über Sponsoren. Als in der existenziell schwierigen Lage im vorigen Jahr ein kommunaler Zuschuss diskutiert wurde, bekam die Vorsitzende von der Kreis-Sozialdezernentenkonferenz mit auf den Weg, dass die Einrichtung „Tafel“ nicht zwingend notwendig sei.

Andree Napp Ich kenne zwar, teilweise aus eigener Erfahrung, die Gründe warum die Tafel notwendig ist, aber falls jemand das mal erläutern könnte, wäre das bestimmt hilfreich. 😕

Rundblick Unna Andree Napp, Hartz IV-Bezieher, Geringverdiener und vor allem auch Rentner mit schmaler Rente versorgen sich über die Tafel mit Lebensmimtteln, weil viele nicht wissen, wie sie sonst über die Runden kommen sollen. Natürlich ist Missbrauch wie bei jeder Sozialleistung nicht auszuschließen. Genaueres zur Kundenstruktur kannst du sicher bei der Tafel erfragen.

Christiane Kramer Ich arbeite im Bereich Lebensmittel Großhandel. Unser Betrieb hat jahrelang u.a Obst-und Gemüse für eine Dortmunder Schule gespendet- für bedürftige Kinder, deren Eltern kein Essengeld zahlen konnten. Bis eines Tages der Herr, welcher ehrenamtlich für diese Schule tätig war und sagte das er ab nächste Woche nicht mehr komme um Obst und Gemüse zu holen; die Stadt habe den kleinen Zuschuss für Essen für die Schule gestrichen!!! Seit dem gibt es an der Schule kein Essen mehr für die Kinder 😡 man kann nur noch kotzen!!!
Rundblick Unna Um solche Kinder kümmert sich dieser Verein, Christiane Kramer: http://www.aktionfuerkinderinunna.de/aktuelles/

aktionfuerkinderinunna.de
Christiane Kramer Rundblick Unna schön das es noch so was gibt – es müsste vielleicht mehr davon geben, wenn man bedenkt wieviel Kinder in Deutschland von Armut betroffen sind.
Christiane Kramer …so sieht es aus! Die angeblichen Fachkräfte welche wir so dringend benötigen (Ironie) müssen sich nun ebenfalls an der Tafel bedienen. Aber es reicht nicht für alle, was Ansicht schon traurig genug ist! Sagte nicht gestern in einer Talkshow noch unser Minister Maas das er die Wut der Bürger nicht versteht, weil die Flüchtlinge doch keinem was weg nehmen!!! Nein, das tun sie nicht, weil unsere ärmsten Bürger auch noch den letzten Apfel teilen!!! Ja Frau Merkel „was schaffen sie“??? Sorgen Sie jetzt bitte auch dafür das ALLE satt werden!!!

Rundblick Unna Das Problem ist, Christiane Kramer, dass das Modell der Tafel an sich in Deutschland „nicht sein darf“. Weil man damit eingestehen würde, dass Hartz IV zu kurz springt und dass es in diesem reichen Land leider auch viel Armut gibt.
Andree Napp Na…ich versuch mal hier den kritischen Part zu übernehmen. 😉
Es gibt im H4 doch den Regelsatz, der auch für Lebensmittel gedacht ist. Den übrigens auch Kinder bekommen.
Aufgrund der vielen Tagesfreizeit könnten die Eltern doch auch für ihre Kinder kochen.

Dagmar Kuhn Andree Napp Nun…da könnten die Eltern jetzt sagen, wir brauchen ja etwas ,um überhaupt kochen zu können…..aber ich sehe das auch kritisch. Ganz ehrlich, wer Kinder hat, der ist verdämmter nochmal dazu verpflichtet, sich einen Job zu suchen. Egal was..egal wo. Alleine schon,um als Vorbild zu dienen. Aber bei vielen scheitert es ja schon daran, das der Arbeitsweg zu lang sei oder was auch immer….aber dann muss das Geld fürs rauchen( ja meinetwegen bediene ich jetzt ein Klischee ) eingespart und für das Kind gelassen werden. Aber es kann nicht sein, das man immer mildem Finger auf den Staat zeigt. Man muss einfach bei sich selber anfangen. Und ja,ich behaupte, man findet Arbeit. Man muss nur vielleicht bereit sein, flexibel zu sein…vielleicht ist ein Umzug nötig….vielleicht ein weiterer Weg..ja…kann alles sein. Aber wenn man wirklich alles dransetzt findet man Arbeit.erst recht, wenn man Kinder hat.
Rundblick Unna
Rundblick Unna Andree Napp – bei einer alleinerziehende Mutter, die mit Hartz IV ihren nicht ausreichenden Lohn aufstockt, ist es mit Tagesfreizeit nicht weit her. Kritische Sichtweisen sind durchaus nachvollziehbar und gewiss in vielen Fällen auch berechtigt. Doch daraus Verallgemeinerungen abzuleiten wird sicherlich auch nicht allen Bedürftigen gerecht. Ein sehr gutes Werk tun die Tafeln ja schon deshalb, weil sie Lebensmittel weitergeben, die sonst kurzerhand auf dem Müll landen würden, was eine besondere Form der Perversion darstellt. Meine persönliche Meinung.

 

Unna-Massen Melanchthonhaus, Kleistraße 8 Montag 12:00-13:00
Bönen AWO-Zentrum, Eichholzplatz 3 Montag 13:00-14:00
Bergkamen Ev. Gemeindehaus, Goekenheide 7 Dienstag 11:30-13:00
Holzwickede Ev. Gemeindehaus, Goethestr. 6 Mittwoch 12:00-13:00
Werne Burgstraße 22 Mittwoch 10:00-11:30
Fröndenberg Bürgerzentrum, Von-Stauffenberg-Straße 5 Donnerstag 12:30-14:00
Lünen Am Lindeneck 3 Donnerstag 11:30-13:00
Königsborn Dorotheenstraße 32 Montag (A-G)
Dienstag (H-N)
Mittwoch (A-Z)
Freitag (O-Z)
10:00-11:00
11:00-12:00
9:00-10:00*
14:00-15:00
Selm Ev. Gemeindezentrum am Markt, Willy-Brandt-Platz Freitag 16:00-17:30

Kommentare (5)

  • Oskar B.

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    Ich denke mal, die syrischen Ärzte und Ingenieure finden nächste Woche eine Arbeit und können sich dann vom dicken Gehalt auch einen Kopfsala für 79 Cent im Supermarkt kaufen. Die sind jung und gesund, gut zu Fuß und von 409€ Hartz 4 kann man sich bis dahin auch im normalen Aldi Lebensmittel kaufen. Wohnung und Nebenkosten wird ja schon bezahlt. Und für 400€ Taschengeld kann man sich doch 30 Tage ernähren.

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    • Silvia Rinke

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      Es gibt aber nun mal nicht solche und solche Hartz IV-Empfänger, Oskar B.. Hartz IV-Bezug berechtigt für einen Tafel-Ausweis – Punkt. Wer das nicht möchte, muss dafür sorgen, dass Gesetze geändert werden, kann aber nicht Flüchtlingen vorwerfen, das sie tun, wozu sie berechtigt sind.

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  • Werner Maag

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    Das sind nun einmal die durch die Aufnahme von über einer Million Flüchtlingen ausgelösten Verteilungskämpfe, die es laut CDU, SPD, Grünen nicht gibt. So meinte erst gestern Justizminister Heiko Maas (SPD) in der Sendung Illner im ZDF „Die Milliarden für die Integration wurden in diesem Land erwirtschaftet und wurden niemanden weggenommen.“ So tönt das Top-Personal der Sozialdemokratie im Jahr 2016 an!

    Unbeantworter ist nach wie vor die Frage, mit welchem Recht „Menschen, die zu uns gekommen sind“ (O-Ton Maas) in Sachen Betreuuung, Geld, Wohnraum, Privilegien, Krankenversicherung, potentielle Rentenansprüche und Stütze mal eben so allen Deutschen gleichgestellt, teilweise sogar bevorzugt werden, ohne je hier einen Finger krumm gemacht zu haben, ohne Aussicht jemals Erwerbsfähigkeit zu erreichen. Diese Frage muss in einer Demokratie der Wähler beantworten!

    Es wird Zeit für eine Konkurrenzorganisation zu den Tafeln, die Lebensmittel vorrangig nur an bedürftige Landsleute vergibt und nicht an Asylanten oder osteuropäische EU-Hartzer, die bereits von uns allen finanzierte Geld- oder Sacheistungen erhalten, um sich ernähren zu können.

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  • Markus Antonius

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    Aus eigener Erfahrung durch Mitarbeit bei einer Tafel ist meine Einstellung: bei der Kundschaft der Tafeln geht es in ganz vielen Fällen nicht darum, daß Hartz IV nicht zum Leben reicht, sondern darum, daß die Kundschaft nicht mit Geld umgehen kann. Am Monatsende waren die Schlangen vor der Tafel immer lamg. Am Monatsanfang haben wir tonnenweise Lebensmittel entsorgt, die niemand abgeholt hat. Dafür habe ich die Tafel-Kundschaft in dieser Zeit oft vor den Supermärkten getroffen, den Einkaufswagen voll mit teurem Convenience-Zeug. Selbst kochen kam – wahrscheinlich mangels Zeit – nicht in Frage. Und natürlich haben einige auch das Klischee von Alk und Kippen erfüllt.
    Die Tafeln sollte man nur alleinerziehenden Elternteilen und Rentnern mit Grundversorgungsanspruch öffnen. Da kann man Gutes tun. Dem Rest, ob Bio-Deutscher, Flüchtling, Asylant, Einwanderer oder Eingedeutschter, ermöglicht die Tafel genussvolles Leben in der sozialen Hängematte. Sie tragen dazu bei, Deutschland als gelobtes Land für Millionen südlich und östlich des Mittelmeers zu machen. Und die hiesigen Bedürftigen bleiben auf der Strecke.

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  • Willy

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    Die Kanzlerin hat gesagt, „wir schaffen das“! Da sollen sich die Leute doch mal zusammenreißen und tüchtiger schaffen.

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