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Stadtmusikkorps muss Breitenbach-Halle räumen – und vereint sich wieder mit dem BSV

„Franz – wir müssen reden.“ So fangen Versöhnungen an. Und so wird aus der Not eine Tugend: Die Wiedervereinigung von Stadtmusikkorps und Bürgerschützenverein Unna steht bevor.

13 Jahre nach ihrer (im Unfrieden vollzogenen) Trennung kehrt das Orchester im Sommer dieses Jahres zum BSV in den Bornekamp zurück. „Freitagabend haben wir die Sache klar gemacht“, berichtete uns am Sonntagmittag beim Brunch der CDU-Seniorenunion der 1. Vorsitzende des Musikkorps, Dieter Krämer. Er benannte offen den Grund: „Wir müssen hier raus. Unser Mietvertrag wird nicht mehr verlängert.“

Zum 30. Juni muss das Stadtmusikkorps damit seine weitläufigen Räumlichkeiten auf dem Breitenbachgelände am Hellweg räumen. Unmittelbarer Anlass für die Nichtverlängerung des Mietvertrags sei eine hohe Nebenkostenzahlung gewesen, sagt Krämer. „2600 Euro – wir wussten nicht, wie wir die bezahlen sollten.“ Ohnehin müssen Mietkosten für 200 Quadratmeter jeden Monat erst einmal von einem Verein aufgebracht werden.

Auch deshalb fasste das Stadtmusikkorps den Vernunftentschluss.

Stadtmusikkorps Dieter Krämer

„Schmerzliche Entscheidung“: Dieter Krämer, Vorsitzender des Stadtmusikkorps Unna e. V., vor der Wand mit dem Vereinsschriftzug und unten an der rustikalen Theke. Der Verein hat die Räumlichkeiten auf dem Breitenbachgelände mit hoher Eigenleistung hergerichtet und ausgestattet.

Stadtmusikkorps Krämer an der Theke

„Natürlich war die Mitteilung der Vermieterin schmerzlich, nach so vielen Jahren hier“, bestätigt Dieter Krämer. „Wir haben alles hier in Eigenleistung gemacht. Hier stecken gut 50.000 Euro drin. Darüber wird es vor dem Auszug noch Verhandlungen geben müssen. Aber wir machen jetzt das Beste aus der Situation.“

Das Beste ist, so wurden sich beide Seiten einig, die Wiedervereinigung des Stadtmusikkorps mit dem BSV Unna, welcher – wie nahezu alle traditionellen Vereine – in den vergangenen 10 Jahren stark geschrumpft und gegen Mitgliederschwund kämpft. Nachwuchssorgen plagen den Unnaer Schützenverein wie die meisten seiner Zunft.

Ab Sommer sind nun wieder rund 70 Stadtmusikanten unterm Bürgerschützendach im Bornekamp versammelt. Das Abkommen bereiteten Dieter Krämer und sein Vorstandskollege von den Bürgerschützen, Franz Josephs, zwar nicht von langer Hand vor, trafen die Entscheidung aber auch nicht spontan aus der Luft heraus. „Der Geistesblitz kam mir beim Neujahrsempfang der SPD„, verrät Dieter Krämer lächelnd. „Ich ging zu ihm hin und sagte: Franz, wir müssen reden.“ Man redete und beschloss, dass man es wagen könne.

Die Trennung damals verlief fraglos unschön, erinnert sich der Musikkorps-Vorsitzende, der seit 1963 begeistert mitmusiziert. Nun wollen die separierten Vereine einen Schlussstrich ziehen und – letztlich aus der Not geboren – einen Neubeginn wagen.

Stadtmusikkorps 4

„Das müssen wir erst mal verdauen“: Franz Rottinger, Vorsitzender der CDU-Seniorenunion (mit seiner Frau Karin) wusste sich beim Stadtmusikkorps (im Bild Gudrun und Dieter Krämer) stets für Veranstaltungen und Feste bestens aufgehoben. Der 200 qm große Saal im Nachbargebäude der Neuen Schmiede eignete sich für Feiern jeder Art. Über die künftige Nutzung ist noch nichts offiziell bekannt, doch wurde in diesem Zusammenhang bereits die Schmiede genannt.


Der Auszug aus der Halle am Breitenbachgelände ist gleichwohl schmerzlich auch für alle regelmäßigen Mitnutzer der Stadtmusiker-Halle: Allen voran die CDU bzw. ihre Seniorenunion muss sich für ihre größeren Jahresevents –  Herbstfest,  Jahresabschlussfeier – nun nach einer neuen Bleibe umschauen. Die „kleineren“ Veranstaltungen können problemlos im Seniorentreff „Fässchen“ an der Hertinger Straße abgehalten werden, sagt der 1. Vorsitzende Franz Rottinger. „Schade ist es, natürlich. Aber auch wir machen das Beste draus.“ Zumal die Wiedervereinigung zweier über 13 Jahre getrennten Traditionsvereine ja auch etwas sehr Erfreuliches hat.

Breitenbach 3

Das Breitenbachgelände

Das Stadtmusikkorps Unna e. V. hat auf dem Breitenbachgelände (hinter der Neuen Schmiede am Hellweg 30-31) Erdgeschossräume von ursprünglich 250 Quadratmeter  angemietet. Von einem 50 qm großen Saal trennte sich der Verein bereits aus Kostengründen. Die Räumlichkeiten wurden in Eigenleistung ausgebaut, hergerichtet und ausgestattet. „Wir haben hier ein Zentrum für traditionelle Volksmusik eingerichtet“, schreibt das Korps stolz auf seiner Homepage. „Ziel ist es, unsere Musikrichtung weiter zu qualifizieren, vor allem Jugendlichen in geeigneten Räumen Musikunterricht zu bieten und ausreichend Übungsmöglichkeiten zur Verfügung zu stellen.“ Seit 2003 steigen auf dem Gelände außerdem die etablierten Vereinsfeste wie Frühlingsfest, das Sommerfest sowie der beliebte Adventbasar.

Das Stadtmusikkorps Unna e. V. – eine lustige Truppe …

„Neben der traditionellen Volksmusik wie Märsche, Polka und Walzer spielen wir genauso gerne Arrangements von Big-Band und Swingmusik, bis hin zu Bearbeitungen von Rock- und Poptiteln. Zapfenstreich, Festumzug, Konzert, Frühschoppen, Vogelwiese, Stadtfeste, Weihnachtsmärkte und… 

Wir sind bekannt als eine zuverlässige, lustige und pflegeleichte Truppe, die ihr musikalisches Handwerk auf allen Gebieten versteht.“

Stadtmusikkorps

Kommentare (11)

  • Margarethe Strathoff

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    Das ist sehr bedauerlich. Auch wir haben oft die Örtlichkeiten genutzt und schöne Stunden dort verbracht. Das wird einige jetzt erstmal zum Nachdenken bringen. Wegen der Nebenkosten? Die Räumlichkeiten sind so liebevoll und gepflegt gestaltet worden. So geht wieder ein Stück Kultur in Unna verloren. Kann keiner helfen?

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  • Helmut Brune via Facebook

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    Lang ist’s her, da war ich auch dabei.

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  • Martina Tsatsoulis via Facebook

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    Schon schade, gerade da der Stadtmusikkorps sich solche Mühe gemacht hat. Ich meine, so etwas muss über die Jahre erstmal gestemmt werden! Aber: Es ist nichts so schlecht das es nicht für etwas gut sein könnte, eine Wiedervereinigung der Vereine ist doch wirklich eine gute Sache!

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