Rundblick-Unna » Spinnen erlaubt, Verrücktheiten erwünscht: Frömerns Ev. Jugend ist „einfach eine coole Truppe!“

Spinnen erlaubt, Verrücktheiten erwünscht: Frömerns Ev. Jugend ist „einfach eine coole Truppe!“

Wenn Spinnen erlaubt ist, kann Kreativität verrückteste Blüten treiben. Heraus kommt dann (junge) Kirche, die mitreißt.

Wie diese ziemlich geniale Kinderbibelwoche in Frömern, die „Kibiwo“ 2016. 140 begeisterte Kinder, die Ältesten 13, die Kleinsten gerade mal 5, sowie fast 70 hochmotivierte jugendliche Betreuer, die mit Riesenspaß „ihre Kibiwo“ mehr oder weniger im Alleingang wuppen. Das sind schon Nenngrößen, und das weiß Frömerns Evangelische Jugend auch selbst.

Die Teilnehmermassen der „Kibiwo“ strömten aus dem gesamten Umkreis (so viele Kinder hat Frömern allein ja auch gar nicht), sie reisten von Unna bis aus Bentrop an, „sogar aus Albanien“, betont Abiturientin Lina: Denn die Flüchtlingskinder aus Fröndenberg haben sie zur konfessions- und religionsübergreifenden Bibelwoche täglich abgeholt und nach einem tollen kreativen Tag wieder umsichtig zu ihren Eltern gebracht.

Ev. Jugend Frömern Taube

Wieso klappt hier in Frömern so locker-wuppdich, womit sich andere Kirchengemeinden in Jahren sich leerender Kirchen so schwer tun? „Wir können hier eben einfach loslegen“, bringen es Josefine, Tim, Paul, Rica und Lina schlicht auf den Punkt, „völlig egal, wie bescheuert die Idee ist“ – alle lachen. Bei ihrer längst bundesweit berühmt gewordenen „Sei kein Schaf – geh wählen!“-Aktion vor zwei Jahren „fuhren wir durchs Dorf und brüllten den Slogan mit einem Megaphon.“ Der Erfolg? Durchschlagend. 

Ev. Jugend Sebastian Richter

Seba“ lässt sie sowas machen, er findet Verrücktheiten klasse. Seba ist Jugendreferent Sebastian Richter (Bild oben), Aktivposten seit mehr als 5 Jahren in Frömern. „Er hört sich an, was wir vorhaben, und sagt: macht. Ich kümmere mich“, erzählt Lina. Ums Geld kümmert sich Richter ebenso wie ums Equipment und Kontakte, weiß, welche Fördertöpfe und weitere Quellen er anzapfen kann, um die Ideen der Jugendlichen in Aha!-Aktionen umzusetzen, die auffallen. Wie jene schon legendäre „Sei kein Schaf – geh wählen!“-Aktion vor zwei Jahren, mit denen Frömerns Ev. Jugend mehrere Preise gewann, oder wie jetzt dieser knallbunt angepinselte Zaun vor der Wiese am Gemeindehaus, der als Ergebnis der „Kibiwo“ mit Frühlingsblumen und Ostereiern um die Wette leuchtet.

Das Selbstläufergeheimnis der Kinderbibelwoche bringt die blonde Rica kurz und treffend auf den Punkt: „Wenn wir den Spaß mitbringen, haben die Kinder auch Spaß.“ Und Tim bekräftigt: „Wir sind hier einfach eine coole Truppe!“

Rica verstärkt die evangelische Jugend als Katholikin, Konfession ist egal. „Paul und ich sind gar nicht getauft“, sagt Lina freimütig. Religion und Kirchenzugehörigkeit sind auch egal. „Man muss auch nicht aus Frömern kommen. Ich bin selbst aus Ostbüren. Hier machen auch Jugendliche aus Unna mit“, erzählt Lina. Wer Spaß hat und Ideen einbringen will, ist willkommen!“ So einfach kann es sein… Mit leisem Neid blickt manche andere Kirchengemeinde auf die agile Jugendarbeit im kleinen Frömern. „Allein das Spirit ist ja ein Highlight“, verweist Tim mit großem Stolz auf das Jugendheim, in dem Feten steigen, in dem Partys steigen, wo Events gestartet werden und praktisch immer was los ist.

Ev. Jugend Frömern 2

Als Magnet für Jugendliche aus dem weiten Umkreis hat das Spirit die komplette Jugendheim-Ausstattung einschließlich Flachbild-TV zu bieten – „stimmt nicht, wir haben sogar mehrere“, verbessert sich Lina fix. Und Rica feixt: „Fröndenberg ist neidisch!“ Alle lachen wieder. Rica sagt, dass sie das gänzliche Fehlen von Zwang so klasse findet. „Man auch mal sagen: Leute, ich kann nächste Woche nicht. Dann springt sofort jemand ein.“ Paul betreut zum Bespiel die Kindergruppe und macht ein Mal die Woche jeweils zwei Stunden Dienst im Spirit. „Wenn ich kurzfristig ausfalle, übernimmt jemand aus dem Team. Das klappt immer. Umgekehrt helf´ ich auch aus.“ Es läuft.

Vom Baum fällt eine solche Vorzeigejugendarbeit auch in Frömern nicht. „Es wächst über Jahrzehnte“, weiß Katharina. Mit 22 Jahren ist sie derzeit die Älteste in der Gruppe. „Ich bin schon selbst zur Kibiwo gegangen, wie ganz viele andere hier auch; man wächst da einfach rein, man wird mitgenommen“, erzählt Katharina.

Irgendwie ist es wie einem Fußballverein, meinen sie: Statt eines Trainerscheins machen sie hier den Mitarbeitergrundkurs. Und wie sich jeder Kreisligaspieler erträumt, einmal im Nationaltrikot zu spielen, ist auch das Ziel der Frömerner Jugend klar definiert: „Irgendwann bei einer großen Freizeit mitfahren – zwei Wochen Norwegen oder Schweden!“

Ev. Jugend Frömern 1

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