Rundblick-Unna » SPD-Fraktion bleibt trotz klarer Ansage der Arbeitsrichterin weiter stumm erstarrt

SPD-Fraktion bleibt trotz klarer Ansage der Arbeitsrichterin weiter stumm erstarrt

Kein Grund für fristlose Kündigung erkennbar – Volker König und damit der SPD-Fraktion droht am 3. Mai eine krachende Niederlage vor dem Arbeitsgericht. Trotz dieser klaren (und mehrmals wiederholten) Ansage der Arbeitsrichterin am Freitag beim Gütetermin in der Kündigungsklage Risadelli  geht der Vorsitzende weiter bis zum Äußersten – und verharrt die SPD-Fraktion weiter in stummer Starre.

Das ist für Außenstehende inzwischen kaum mehr zu begreifen. Denn jetzt ist klar, dass sich die geschasste Büroleiterin keines schwereren „Vergehens“ schuldig gemacht hat,  als eine einzelne Mail eines politischen Mitbewerbers an einen eigenen Parteigenossen weiterzuleiten und dabei – wie erbeten – Vertraulichkeit zu wahren. Dies wäre, so befand die Arbeitsrichterin in ihrer ersten Abwägung, vielleicht eine Abmahnung wert – möglicherweise nicht einmal das. In keinem Fall aber rechtfertigt eine solche „Botinnenfunktion“ nach Auffassung der Richterin eine so drastische Konsequenz wie eine fristlose Kündigung.

Risadellis Rauswurf steht damit auf mehr als tönernen Füßen. Dennoch bleibt die Fraktion weiterhin abgetaucht. Das können Außenstehende immer weniger nachvollziehen. Schon vor dem Gütetermin hatten sich nur einige versprenkelte Sozialdemokraten zum eigenmächtigen Vorgehen des Fraktionsvorsitzenden Volker König geäußert; das „zutiefst Unsoziale“ dieser Kündigung verurteilte z. B. Mühlhausens Ortsvereinschef Frank Artmeier, ganz unabhängig vom tatsächlichen Anlass.

Dass dieser nur diese berüchtigte Mail sein sollte (von Piratenchef Tetzner via Bärbel Risadelli zu Massens Ortsvorsteher Dr. Peter Kracht geschickt), wirkte einfach zu unglaublich. Das könnte die  Zurückhaltung bis dato aus den Reihen der Genossen erklären. Seit Freitag ist nun aber klar, dass da tatsächlich nicht „mehr“ war: weder Diebstahl noch Unterschlagung noch womöglich ein tätlicher Angriff der Büroleiterin auf ihren Chef. Nichts. Nur diese Mail.

Dennoch verharrt die SPD-Fraktion weiter wie das Kaninchen vor der Schlange. Hinter den Kulissen flogen (und fliegen) die Fetzen, es gab Mailverkehre mit zutiefst persönlichen verletzenden Angriffen. Es gab auch Bekundungen des Bedauerns und der Betroffenheit aus  Reihen der Ratsvertreter. Öffentlich aber herrscht weiterhin Schweigen.

ingrid kroll

Ingrid Kroll.

Als Mitglied des Fraktionsvorstands nahm heute auf Anfrage unserer Redaktion Volker Königs 1. Stellvertreterin Ingrid Kroll Stellung zum Ausgang des Gütetermins. Die Oberstadt-Vorsitzende will die Leitung des mitgliederstärksten Unnaer SPD-Ortsvereins im Herbst aufgeben, da sie sich, wie wir berichteten, nicht länger den tiefgreifenden innerparteilichen Zerwürfnissen und persönlichen Anfeindungen aussetzen möchte.

„Ich vertraue darauf, dass es Gerechtigkeit gibt“, erklärte die Ratsvertreterin mit Blick auf den Arbeitsgerichtsprozess am 3. Mai. „Es ist etwas passiert, mit dem ich ganz entschieden nicht einverstanden war. Ich sehe diesen Vorgang mit den Werten und Zielen der SPD nicht vereinbar. Die Arbeitsrichterin hat sich ja, wie man lesen konnte und wie mir auch berichtet wurde, eine deutliche Einschätzung vorgenommen.“

Sie warte selbst darauf, was die Fraktion tun werde, sagte uns Ingrid Kroll. Der Vorstand habe den ungütlichen Ausgang des Gütetermin bisher noch nicht auf der Tagesordnung gehabt.

Aus der 21köpfigen Ratsfraktion der SPD Unna haben bisher nur vier ihren Standpunkt deutlich gemacht (Namen farblich markiert). Gewählte Ratsvertreter sind:

– Oberstadt: Ingrid Kroll, Ralph Bürger, Gewerkschafter Bernd Dreisbusch, Susanne Herzog, Djawad Tadayyon, Karl Römer (langjähriger früherer Betriebsrat), Monika Krause; kürzlich ausgeschieden: Siegfried Pogadl.

– Königsborn: Volker König (Fraktionsvorsitzender), Sebastian Laaser, Heike Gutzmerow, Wolfgang Ahlers, Ann-Kathrin Wienecke.

– Massen: Gudrun Friese-Kracht (stellv. Fraktionsvorsitzende), Michael Tietze, Brigitte Wass, Renate Nick.

Mühlhausen-Uelzen: Paul Raupach.

– Lünern: Anja Kolar (stellv. Fraktionsvorsitzende).

– Hemmerde: Klaus Tibbe.

– Afferde: Hans-Jürgen Scheideler.

– Billmerich: Peter Glowalla.


Kommentarschreiber auf Rundblick Unna kritisieren die Agonie der größten Unnaer Ratsfraktion scharf.

Wie ist dieses Verhalten (des Fraktionschefs König, d. Red.) vereinbar mit den Prinzipien einer angeblich sozialen Partei?“, stellte ein Wähler und Unnaer Bürger bar jedes Verständnisses die Frage anheim, „wie steht dieses Agieren im Zusammenhang mit dem Wählerauftrag? Statt diesen zu erfüllen, werden hier Zeit und Ressourcen verbrannt…?“

Er sei, schreibt der Unnaer,  „massivst enttäuschter SPD-Wähler“, die sich „von der sozialen Partei zur antisozialen Partei“ gewandelt habe. „Schade für uns um die SPD!“ Nicht nur der Vorsitzende, sondern die gesamte Fraktion sei in der Verantwortung, macht ein anderer Leser hart deutlich. „Die größte Fraktion, die in der politischen Verantwortung steht, hat versagt. Bis auf zwei Ausnahmen hat der Rest der Fraktion König nicht gestoppt. Man hat ihn agieren lassen und das ist genauso eine Schande.“

Die Fraktion habe verantwortungslos gehandelt, auch der Bürgermeister habe es „entweder nicht geschafft oder nicht gewollt“, den „Monarchen“ König zur Räson zu bringen. „Das Einzige, was die Bürger in Unna und mittlerweile auch über die Stadtgrenze hinaus beschwichtigen könnte, ist ein Cut und soziale Gerechtigkeit. König muss abgesetzt und Frau Risadelli wieder eingestellt werden. Die eigene und auch die anderen Ratsfraktion können König nicht mehr ernst nehmen und vertrauen. Also Abwahl!“


Links zu vorangegangenen Berichten:

http://rundblick-unna.de/koenigs-risadelli-kuendigung-mehr-als-zweifelhaft-spd-chef-beharrt-auf-position-prozess-am-3-mai/

http://rundblick-unna.de/ein-koenigliches-debakel-oder-die-tragik-des-koenigs/

http://rundblick-unna.de/erklaerung-von-spd-fraktionsvize-friese-kracht-kuendigung-war-koenigs-alleingang-ausschluss-aller-haftungen-fuer-gerichtsstreit-kosten/

 

 

 

Kommentare (16)

  • Herta Heinert via Facebook

    |

    Die unendliche Geschichte, bitter und ungerecht für Frau Risadelli

    Antworten

  • Stefanus Maxus via Facebook

    |

    Am besten lösen die den Verein einfach auf, ist eh auf Jahre hinaus jegliches Vertrauen futsch….

    Antworten

  • Helmut Brune via Facebook

    |

    Dieses Thema ist jetzt schon unzählige male erörtert worden und immer wieder kommen alle, (bis auf einen) zu der Schlussfolgerung, dass Bärbel Risadelli hier in keiner Weise ein Vorwurf gemacht werden kann. Wer mit gesundem Menschenverstand nachdenkt, kann auch zu keinem anderen Ergebnis kommen. Aus Allem, was ich hier aus 100 Km Entferung von der ganzen Sache mitbekommen habe, kann ich nur eine Schlussfolgerung ziehen: Herr König, wann sehen sie endlich ein, dass der Anzug des Fraktionsvorsitzenden viel zu Gross für sie ist. Erkennen sie doch endlich, dass dafür viel mehr Notwendig ist, als sie bieten können. Ich kann ihnen nur empfehlen, sich aus dem politischen Geschäft zurück zu ziehen. Das ist einfach nicht ihr Ding. Lassen sie die SPD- Unna wieder zu sichselbst finden und eine stake Partei sein. Solange sie irgendwelchen Einfluss haben, wird das nicht gelingen.

    Antworten

  • Tanja Nolte via Facebook

    |

    Vom „Sozial“ entfernt sich die SPD immer mehr…

    Antworten

  • Mike

    |

    Die Untätigkeit der meisten SPDler kann man wohl als Zustimmung werten zu Herrn Königs Verhalten und Handeln. Ansonsten hätte ich erwartet, daß man längst eine Lösung gefunden hätte intern, um weiteren Schaden von der SPD abzuwenden.
    Braucht die SPD erst jemanden der ihr Mal richtig in den „Arsch“ tritt damit man dort endlich aufwacht und das sinkende Schiff versucht zu retten ?
    Wir leben in einer Demokratie und nicht in einer Diktatur ! Fehler können passieren, der Kluge erkennt sie aber und würde eine Lösung finden. Spätestens im Mai wird es die Unnaer SPD wohl auf alle Titelseiten schaffen, außer die SPD wacht endlich auf.
    Es ist traurig wie das Vertrauen der Wähler missachtet wird und die Partei in der Schockstarre verharrt anstelle sich um das zu kümmern wozu der Wähler sie gewählt hat. Es ist traurig, daß die SPD gute und wichtige Mitglieder wie Frau Kroll verlieren wird.
    Und wenn jetzt schon intern die Emails fliegen gibt es nur eines, die Vertrauensfrage !

    Antworten

  • Markus Krabe via Facebook

    |

    Wer hat uns verraten die Sozialdemokraten

    Antworten

  • Margarethe Strathoff

    |

    Und? Das erwarte ich von meinen Genossen. Steht auf und steht zu euer Meinung. Meine SPD verliert immer mehr und es macht mir Sorge, was ihr da macht. Die SPD in Unna verliert komplett und alle schauen nur zu & warten auf was? Erklärt euch bitte!

    Antworten

  • Andy Fischer via Facebook

    |

    Nicht nur die Sozis verraten das Volk,alle Blockparteien.

    Antworten

  • Jannis Metzidakis via Facebook

    |

    Lä-cher-lich!

    Das beweist nur einmal mehr, dass die „Pöstchengeier“ es nicht riskieren ihre warmen Pöstchen zu verlieren wenn sie gegen den König aufbegehren.

    Sollte er dann nach dem Kammertermin dann aber plötzlich doch Geschichte sein würde es mich nicht wundern wenn dann plötzlich alle erklären das sie ja schon von Anfang an dagegen waren, aber nichts machen konnten…. Gab es schonmal, ist aber 70 Jahre her ?

    Antworten

  • Friedhelm K

    |

    Es ist davon auszugehen, dass bereits rotiert, sortiert wird. Nur die amtierende SPD Fraktion braucht einen klare Entscheidung! Ich bin mal gespannt, wie IHR euer Ansehen retten wolltet. Gelten die sozialpolitischen Werte, oder ihr Euch selber?

    Antworten

  • Helmut Schön

    |

    Da möchte man zu gerne wissen, was der große Bürgermeister dazu sagt! Man möchte auch wissen, warum er in SEINER SPD keine Ansage macht, um diese Vorgänge zu verurteilen und den Fraktionschef zur Vernunft zu bringen ?!?
    Warum schweigt Herr Kolter genauso wie viele Fraktionsmitglieder ? Ist doch seine Partei, wie er immer gerne betont…
    Dieses Schweigen ist unerträglich. Es gibt Situationen, da macht man sich auch durch Schweigen schuldig und lässt Unschuldige im Stich, denen man eigentlich beistehen sollte…
    Aber sie wissen ja, was sie tun, sind ja erwachsen. Für Frau Risadelli dürfte nun klar sein, wer ihre wirklichen Freunde sind….

    Antworten

    • Stefanus Maxus via Facebook

      |

      Ich kann mich nicht so recht entsinnen, dass besagter Bürgermeister ausser Schönwetterreden überhaupt mal was gemacht hat, wo es schwierig war…

      Antworten

  • Barbara Möller via Facebook

    |

    Es ist beschämend, das nur 4 Genossen sich äußern und Abstand nehmen. Wer so an seinem Posten hängt und so tut als wären Sie die drei Affen, aber die Rechnung kommt. Freue mich schon auf die nächste Wahl.Die Bürger werden es nicht vergessen , was in der SPD los ist.

    Antworten

Kommentieren